Krise in der Ukraine
Will Putin in Polen einmarschieren?

Wladimir Putin soll einem Medienbericht zufolge dem ukrainischen Staatschef Poroschenko mit dem Einmarsch in Polen oder Rumänien gedroht haben. Zudem könne er durch Kontakte Einfluss auf Entscheidungen der EU nehmen.
  • 28

MünchenDer russische Präsident Wladimir Putin hat einem Zeitungsbericht zufolge gegenüber dem ukrainischen Staatschef Petro Poroschenko mit dem Einmarsch in Polen, Rumänien oder dem Baltikum gedroht.

„Wenn ich wollte, könnten russische Truppen in zwei Tagen nicht nur in Kiew, sondern auch in Riga, Vilnius, Tallinn, Warschau oder Bukarest sein“, sagte Putin in einem Gespräch mit Poroschenko nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" vom Donnerstag.

Die Zeitung berief sich auf eine ihr vorliegende Gesprächszusammenfassung des Auswärtigen Dienstes der EU zu einem Treffen am Freitag.

Bei dem Treffen in Kiew habe Poroschenko dem EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso von den Drohungen berichtet, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“. Die EU bestätigte den Bericht nicht. „Wir betreiben Diplomatie nicht über die Medien und diskutieren keine Notizen aus vertraulichen Gesprächen“, sagte eine Sprecherin von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Donnerstag in Brüssel. „Für die EU ist wichtig, zu einem dauerhaften Frieden, zu Stabilität und Wohlstand in der Ukraine beizutragen“, sagte die Kommissionssprecherin. Darum gehe es - „nicht um vertrauliche Gespräche, die in Presseartikeln aus dem Zusammenhang gerissen werden“.

Anfang September war bereits berichtet worden, Putin habe in einem Telefonat mit Barroso gesagt: „Wenn ich wollte, könnte ich Kiew binnen zwei Wochen einnehmen.“ Barroso hatte beim EU-Gipfel Ende August von dem Telefonat berichtet. Der Kreml hatte daraufhin kritisiert, dass Barroso den Inhalt eines privaten Telefonats publik gemacht habe.

Die „SZ“ berichtete nun unter Berufung auf die Gesprächszusammenfassung weiter, Poroschenko habe die angebliche Äußerung Putins zitiert, um deutlich zu machen, wie emotional der russische Staatschef auf den Einfluss der EU auf Staaten in der russischen Nachbarschaft reagiere.

Poroschenko hatte in den vergangenen Wochen mehrfach mit Putin telefoniert, um den mittlerweile geltenden Waffenstillstand im Osten der Ukraine auszuhandeln und die Zustimmung Putins zu einem Zwölf-Punkte-Plan für die Beilegung des Konflikts zu erhalten.

Der „SZ“ zufolge warnte Putin in den Gesprächen Poroschenko offenbar davor, sich zu sehr auf die EU zu verlassen. Er könne durch bilaterale Kontakte Einfluss nehmen und eine „Sperrminorität“ im Europäischen Rat bewirken, die für Russland negative Entscheidungen verhindere, habe Putin gesagt.

Mehrere Länder wie Ungarn, Bulgarien, Zypern und die Slowakei sehen die Verschärfung der EU-Sanktionen gegen Russland kritisch und könnten sich künftig weiteren Strafmaßnahmen widersetzen.

Seite 1:

Will Putin in Polen einmarschieren?

Seite 2:

Der Kreml dementiert

Kommentare zu " Krise in der Ukraine: Will Putin in Polen einmarschieren?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Polen müssen sich mal wieder in Acht nehmen. Im Osten ein Aggressor und im Westen ein "Bündnispartner", der durch Untätigkeit glänzt und meint Krisen grds. weg palavern zu können. Wenn es hart auf hart käme und der Bündnisfall eintreten würde, sollten sich die Polen nicht auf Berlin verlassen. Ich würde mich nicht wundern, wenn deutsche Politiker dann den Polen nahelegen würden, aus der Nato auszutreten, um Putin zu besänftigen. Ganz im Sinne derer, die zu den Kritikastern gehören, die die Nato-Osterweiterung empörend finden. Warum Länder wie z.B. Polen die Nato-Mitgliedschaft anstrebten, interessiert diese Herrschaften ganz im Sinne eines grundsätzlichen Pazifismus' einen feuchten Kehricht.

  • Nein, Herr Fischer. Wir machen das nicht für Geld.Putin hat uns gedroht, daß er Pussy Riot nach Deutschland abschieben wird, wenn wir keine Leserbriefe schreiben.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%