Krise in Griechenland
Das frustrierte Volk

Die Rezession in Griechenland geht ins siebte Jahr. Entsprechend pessimistisch sind die meisten Menschen zum Jahreswechsel. 2016 wird die griechische Regierung vor eine Zerreißprobe gestellt.
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AthenDie Meteorologen prognostizieren den Griechen für die Silvesternacht Sturm und Schneeregen. Aber noch trüber als das Wetter ist die Stimmung im Dauerkrisenland. Das zeigt das jüngste Eurobarometer, eine in regelmäßigen Abständen von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene Meinungsumfrage in den EU-Ländern.

Danach sind sechs von zehn Griechinnen  und Griechen mit ihrem Leben unzufrieden – drei Mal so viele wie im EU-Durchschnitt. Sieben von zehn erwarten, dass sich die Wirtschaftslage in Griechenland im neuen Jahr weiter verschlechtern wird – bei der Eurobarometer-Umfrage vom Frühjahr äußerten nur 52 Prozent diese Befürchtung.

Die Umfrage zeigt eine tiefe Verunsicherung der Menschen: 83 Prozent der Griechen sagen, sie hätten kein Vertrauen in die Zukunft. Zum Vergleich: Im Schnitt der 28 EU-Staaten sind es nur 32 Prozent.

Ein unbeschwerter Jahreswechsel ist dies für die meisten Menschen nicht. Einer der letzten Gänge im alten Jahr führte viele Griechen zum Finanzamt. Denn bis zum 31. Dezember müssen sie die letzte Rate ihrer Einkommensteuer sowie die verhasste Immobiliensteuer bezahlen, die Alexis Tsipras als Oppositionsführer abzuschaffen versprach, nun aber als Premier sogar erhöhen musste – eines von vielen nicht eingelösten Wahlversprechen.

Am Donnerstag ist auch letzter Termin für die Entrichtung der Kfz-Steuer. Weil in Griechenland immer noch die meisten Zahlungen in Bargeld abgewickelt werden, ist der Andrang in den Finanzämtern jetzt besonders groß. Allerdings kommen nicht alle, um Geld einzuzahlen. Viele bringen die Nummernschilder ihrer Autos mit aufs Amt. Sie haben die Kennzeichen abgeschraubt, weil sie das Geld für die Autosteuer nicht haben und ihre Fahrzeuge deshalb stilllegen müssen. Rund 100.000 Autos werden zum Jahresende abgemeldet, schätzt man bei den Behörden.

Premierminister Tsipras zieht die Steuerschraube immer weiter an. Im nächsten Jahr will er 2,2 Milliarden Euro zusätzlich kassieren. Dabei sind viele Steuerzahler schon jetzt überfordert. Die Realeinkommen sind seit Beginn der Krise 2009 um rund ein Viertel gesunken, jeder Vierte hat keinen Job. Nach Berechnungen der Statistikbehörde Elstat lebt jeder Dritte in Armut.

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