Krise in Griechenland

Der Pleitegeier kreist über Athen

Griechenland schien nach der existenzbedrohenden Schuldenkrise schon gerettet. Doch jetzt drohen Neuwahlen und politisches Chaos. Die Krise kehrt zurück – womöglich mit schlimmeren Folgen als beim ersten Mal.
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Die Krise in Griechenland gleicht einem Drama in sechs Akten. Quelle: dpa

Die Krise in Griechenland gleicht einem Drama in sechs Akten.

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AthenDer Jahreswechsel sollte die Erlösung bringen, versprach der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras seinen Landsleuten: Die Griechen sprengen die Ketten der Troika, das Land befreit sich aus der Vormundschaft der internationalen Gläubiger und steht wieder auf eigenen Füßen. So das Szenario, das Samaras den Hellenen seit Monaten ausmalte.

Doch es kam ganz anders. Plötzlich ist die Krise wieder da. Die Athener Börse verzeichnet den tiefsten Absturz seit fast 30 Jahren. Die Kurse der griechischen Bonds gehen auf steile Talfahrt. Das Unwort „Grexit“, ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone, ist wieder in aller Munde.

2015 könnte tatsächlich das Jahr der Wende werden, aber ganz anders, als es sich Samaras gedacht hatte. Bis Ende Dezember soll das Athener Parlament einen neuen Staatspräsidenten wählen. Erreicht kein Kandidat die erforderliche Mehrheit, muss die Volksvertretung Anfang Januar aufgelöst und eine Neuwahl angesetzt werden. Wahrscheinlicher Gewinner: Oppositionsführer Alexis Tsipras und seine radikal-linke Partei Syriza, die in allen Meinungsumfragen führt. Tsipras will die Kreditverträge aufkündigen, den Sparkurs beenden, Privatisierungen rückgängig machen und auch die meisten anderen Reformen zurückdrehen. Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Es könnte dazu führen, dass die Griechen den Euro abgeben müssen.

Damit wird die am Mittwoch beginnende Präsidentenwahl zum Schicksalsvotum. Alles, wofür die Griechen in den vergangenen fünf Jahren große Opfer gebracht haben, steht nun wieder auf dem Spiel. Das Schreckgespenst der Staatspleite schien längst verscheucht – jetzt ist es auferstanden. Die Pleitegeier kreisen wieder über der Akropolis.

Dabei schien Griechenland gerade die Kurve zu kriegen. Nach vierjähriger Pause konnte die staatliche Schuldenagentur im April und Juli wieder Staatsanleihen zu vertretbaren Konditionen am Markt platzieren – erstaunlich: Schließlich hatte Athen erst im Februar 2012 die privaten Anleger mit einem Schuldenschnitt bluten lassen. Erstmals nach sechs Jahren Rezession wächst die Wirtschaft nun wieder, sogar schneller als in allen anderen EU-Staaten. Auch beim Beschäftigungszuwachs liegt Griechenland an der Spitze. Die Staatsfinanzen sind endlich im Griff. Beim Haushaltsdefizit steht Griechenland um Längen besser da als Italien, Spanien, Portugal, Irland oder Frankreich. Die Reformen und die Sparanstrengungen beginnen Früchte zu tragen. Sogar der strenge Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lobt „beachtliche Fortschritte“ in Athen.

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33 Kommentare zu "Krise in Griechenland: Der Pleitegeier kreist über Athen"

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  • Nicht die Europäische Union ist zerstört, die Großmachtphantastereien sind zerstört.
    Es braucht keinen bürokratischen Moloch, damit die europäischen Länder auf der Basis von Eigenverantwortlichkeit und Souveränität zusammenarbeiten und Handel treiben. Man kann, wenn man will, jede Woche irgendwo einen Gipfel einberufen und
    Absprachen treffen. Ohne Drohungen, ohne Misstrauen, ohne Erpressungen.
    Man wird als Deutscher wieder gerne nach Griechenland, Italien und Spanien fahren
    und sich auf Augenhöhe begegnen können. Und auch einen Krieg wird es in Europa nicht geben. Die Europäischen Länder können nicht zerstört werden, ebensowenig ihre guten Beziehungen, wenn sie einmal da waren. Also: es gibt nichts zu verlieren
    außer unserer eingeredeten.Angst.

  • Der Pleitegeier kreist vor allem über der Ukraine. Das wird der EU guttun. Die Dutzende Milliarden, die dort jährlich gebraucht werden. So viel müssen einem Großmachtsallüren schon wert sein, nicht wahr, Larve und Erika?

  • Besser kann man die Situation nicht beschreiben.
    Die gesamte EU ist dem Untergang geweiht.

  • Frauke Müller
    Ja, weil der dumme deutsche Michl nicht nachenkt.
    Das Erwachen wird dann aber um so schlimmer

  • Daueralimente heißt aber: Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Die Griechen wären blöd, wenn sie nicht austräten - jetzt, wo die Deutschen und Holländer für deren Schulden bei den internationalen Hedgefonds gegrillt werden können.
    Ich hoffe für die Griechen, dass sie dieses verbrecherische System, das deren Elite hervorragend für sich ausgenutzt hat, verlassen. Und dass dann die gesamte Eurozone kollabiert. Das "politische Projekt" ist tot!! Und das ist auch gut so!!
    Jetzt geht es nur noch darum, dass sich die Chronisten genau die Verantwortlichen merken, damit diese vor Gericht gestellt werden können!
    ES LEBE DIE FREIHEIT!

  • KRISE IN GRIECHENLANDDer Pleitegeier kreist über Athen!

    Hat er jemals den griechischen Luftraum verlassen???
    Man darf getrost dies verneinen, aber Hilfe naht durch das Steuergeld der EU-Staaten allen voraus die BRD.

  • Man kann eigentlich nur hoffen, dass Greichenland aus der EU austritt und dann werde wohl einige nndere auch folgen.
    Die Europ. Union, die wir mal hatten, ist längst zerstört
    Schade. Adenauer und de Gaulle würden sich im Grab umdrehen

  • Carsten Kanter
    bestens beschrieben.

  • Carsten Kanter,
    bestens beschrieben.Besser kann man es nicht ausdrücken.
    Das ist ja das, was ichage. Merkel ist die größte Staatserstörerin die wir je hatten

  • Am Anfang der Ergründung einer Vereinigung der europäischen Länder alle Menschen dachten und glaubten, jeder Krieg gegeneinander sei endgültig vorbei, und eine neue Ära für die Bürger Europas beginne. Stattdessen wir alle leben unter der Herrschaft des spekulären Kapitals, das die Oberhand gegenüber Regierungen und Landauthoritäten seine Diktatur etabliert hat. Eine solche EU brauchen die Bürger Europas nicht. Und noch weniger Regierungen, die als die Knechten dieses Grosskapitals sich "glücklich" fühlen. Sogar das Wahlrecht der griechischen Bürgers setzen sie in Zweifel, indem sie die Bürger des Landes mit Katastrofensenarien mit allen Mitteln bedrohen und in Angst setzen wollen. Die Politik ist nicht mehr das Instrument des Bürgerwohls, sondern das Instrument der Bürgerarmut in allen Länder Europas. Die EU ist nicht die Union der und für derer Bürger, sondern die Finanzmacht des Grosskapitals und der Verarmung der Europabürger, seit mindestens des Verfalls des Ostblocks.

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