Krise in Griechenland: Staatsbankrott – na und?

Krise in Griechenland
Staatsbankrott – na und?

Der Wahlkampf in Griechenland ist eröffnet – und die radikale Linke gilt als Favorit. Doch was will Syriza? Die Ansage, den Schuldendienst einzustellen, beunruhigt Griechenlands Gläubiger – aber auch immer mehr Griechen.
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AthenAm 25. Januar wählen die Griechen ihr neues Parlament. Das „Bündnis der radikalen Linken“ geht als Favorit in die Wahl. Syriza liegt seit Monaten in allen Meinungsumfragen vorn. Doch was will die radikale Linke? Gläubiger wie Wähler sind verunsichert. Denn was ihre politischen Absichten angeht, spricht die Partei allerdings mit vielen Stimmen. Jetzt preschen führende Syriza-Politiker mit der Ankündigung vor, den Schuldendienst einzustellen. Sie berufen sich auf einen Parteitagsbeschluss.

Oppositionsführer Tsipras glaubt die Macht zum Greifen nahe. Die Griechen könnten sich aus vollem Herzen „ein gutes neues Jahr wünschen“, frohlockte Tsipras zu Silvester, denn das Spardiktat der ausländischen Geldgeber Griechenlands werde schon „in wenigen Tagen Vergangenheit sein“.

Aber wie soll das vonstattengehen? Tsipras gibt bisher vage und widersprüchliche Auskünfte über seine Pläne. Mal kündigt er an, die Kreditverträge mit der EU und dem Internalen Währungsfonds (IWF) noch in der Wahlnacht zu „zerreißen“. Mal redet er von „Verhandlungen“: EU und IWF müssten Griechenland „den größten Teil“ der Staatsschulden erlassen, fordert Tsipras.

Wie das praktisch aussehen könnte, erläuterte jetzt Giannis Tolios, Mitglied des Syriza-Zentralkomitees, in einem Interview des griechischen Fernsehkanals „Action 24“. Der 67-jährige Tolios hat an der Universität Piräus, an der Lomonossow-Universität in Moskau und in London Wirtschaftswissenschaften studiert und als Ökonom am Athener „Zentrum für Marxistische Studien“ gearbeitet. Im TV-Interview sagte Tolios, wenn die Gläubiger Griechenlands den geforderten Schuldenschnitt verweigern sollten, werde eine Syriza-Regierung die Zinszahlungen an die EU und den Internationalen Währungsfonds einstellen.

Kommentare zu " Krise in Griechenland: Staatsbankrott – na und?"

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  • Das stimmt nur bedingt. Diese Methode des „Gelddruckens“ kann nur für kurze Perioden und nur mit Zustimmung der EZB benutzt werden. Oder besser gesagt, die Nutzung der ELA von einem Land kann ziemlich schnell mit einer EZB Entscheidung vorbei sein.

  • Ich habe schon bei Beginn der Griechenlandkrise nicht verstanden, weshalb die Griechen nicht einfach noch "einen kräftigen Schluck aus der europäischen Währungspulle" genommen haben um anschließend den Staatsbankrott zu erklären, und sich damit von allen Schulden zu befreien. Aber vielleicht machen die das ja jetzt. Die Menschen haben doch längst ihre Euro von den Konten geholt und unter ihre Kopfkissen gelegt, weil sie damit immer gerechnet haben. Das ist dann der Stoßdämpfer für die erste Zeit nach dem Crasch. Ein schuldenfreier Neubeginn mit Drachmen kann einfach nicht schlimmer sein als das Abfließen fast der kompletten Wirtschaftsleistung auf Jahrzehnte, im Gegenteil. Die griechische Wirtschaft war gegenüber der übrigen EU nie konkurenzfähig, ist nicht konkurenzfähig und wird es auf absehbare Zeit nicht werden können, mit dieser Schuldenlast erst recht nicht. Selbst ohne Schulden hatten und haben sie kaum etwas für den Export zu bieten, können sich dann aber erst mal auf die Grundbedürfnisse ihres Binnenmarktes konzentrieren. Dann ist eben eine Zeit lang kein Geld mehr für Playstations, Fernseher und neue Autos da, aber für das Essen, Trinken, Kleidung und Wohnen wird es wohl reichen. Nur u n s e r e Banken müssen sich etwas wärmer anziehen, und nur darum geht es bei all diesem Gebarme und Gewarne....... Inzwischen wird man das aber wegstecken können, Zeit hat man ja genug gekauft bekommen.

  • Genau genommen, zahlt Griechenland schon jetzt keine Zinsen mehr. Die sind nahe 0 und die EU-Kreditgeber überwiesen Zinsgewinne zurück an Griechenland. Und das bei einer Laufzeit von 50 Jahren. Es gab faktisch schon einen Schuldenschnitt.

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