Krise in Italien
Unternehmer werden zu Selbstmördern und Geiselnehmern

Seit Anfang des Jahres haben sich 32 italienische Unternehmer das Leben genommen, weil sie ihre Schulden nicht mehr zahlen konnten. Am Freitag demonstrierten in Bologna Witwen der Krisenopfer.
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MailandSechs Stunden hat sich Luigi Martinelli im Finanzamt von Romano di Lombardia, ein norditalienisches Städtchen in der Nähe von Bergamo verbarrikadiert. Bewaffnet mit einem Gewehr und zwei Pistolen hat der 54-Jährige 16 Finanzbeamten als Geisel genommen. Eine Verzweiflungstat. Der 54-Jährige kann die Zehntausende Euros nicht bezahlen, die der Staat von ihm fordert, Nachzahlungen aus seiner Zeit als Reinigungsunternehmer.

Kein „Hände hoch!“ kommt von seinen Lippen, als der schwer bewaffnete robuste Mann eintritt. „Ich habe kein Geld, ich bitte um Hilfe !“ sind seine ersten Worte, die der sagt, als er eintritt. Dann lässt er die Kunden gehen und nimmt die Mitarbeiter als Geisel. Mit den Journalisten will er reden und Mario Monti um Hilfe bitten. Erst um neun Uhr Abends kommt die letzte Geisel frei und der ehemalige Unternehmer Martinelli lässt sich von einem Carabiniere überreden, aufzugeben.

Die Krise in Italien fordert Opfer. Längst sind es keine abstrakten Zahlen mehr, die diese Zeit prägen, sondern Köpfe: Namen und Gesichter von Unternehmern, die nicht mehr weiterkönnen und sich umbringen. 32 Unternehmer haben sich seit Anfang des Jahres das Leben genommen – auf mehr oder weniger spektakuläre Art. Am 28. März hat sich der 58-jährige Unternehmer Giuseppe Campagniello in Bologna vor dem Finanzamt in seinem Auto selbst angezündet, neun Tage später erlag er den Verbrennungen.

Mit dem „Marsch der Witwen“ haben heute rund Hundert Frauen still mit weißen Fahnen in Bologna demonstriert. Organisiert hat die Demonstration die Witwe von Giuseppe Campagniello, Tiziana Marrone. Gegen die Lage, gegen die Steuerbehörden, gegen den Staat. „Wir brauchen die regierung. „Aber wir müssen auch von der Regierung geschützt werden, nicht mit Steuern angegriffen werden“ erklärt Marrone das Dilemma.

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  • Nachsatz:

    glaubt nur nicht, daß aktuell die machtlosen Piraten da etwas ändern könnten, Merkel steht in der Wählergunst ganz oben als "Macherin", denn leider ist die ganze Problematik noch längst nicht in der breiten Wählerschaft angekommen.
    Das ist das Problem einer Demokratie: wenn das breite Volk sich nicht informiert und unwissend bleibt,- weil von ihr auch keine Entscheidungen abgefragt werden und Schäuble hat sich vehement in einem "Zeit-Gespräch" dagegen ausgesprochen - geht es so weiter, wie gehabt bis zum bitteren Erwachen.

  • weitere Fortsetzung:

    Doch auch wenn die Eurozone erhalten bliebe, könnten weitere Abstufungen nicht ausgeschlossen werden. Die meisten Euroländer stehen jetzt schon im Ausblick auf „negativ“, was bedeutet, dass eine Herabstufung droht.
    Fitch mahnt daher fundamentale Reformen an. Die Haushaltsrechte der Eurostaaten müssten in großem Maßstab an Brüssel übertragen werden. Auch eine gemeinsame Haftung für Staatsanleihen sei ein Weg. Doch die Ratingagentur sieht hierfür wenige Chancen. Es fehle an politischem Willen."

    Das sind keine "Bewertungen" mehr, das ist pol. Einflußnahme, ein übergeordnetes,vorgegebenes pol. Ziel verfolgend.
    Nieder mit der Euro-Zone. Leider könnten sie Recht behalten, selbst deutsche Banken Ökonomen und andere fassen dies ins Auge. Aber unsere Politiker kämpfen weiter auf verlorenem Terrain, reiten uns immer mehr in den Untergang, self fullfilling.

    Warum verkündet Poulson laustark, er wette gegen den Euro und auf Länderpleiten der EURO-Zone? Wird da keine wach?

    Warnende Stimmen aus dem hiesigen Lager der Ökonomen wurden ja nie ernst genommen, selbst angerufene Gerichte entschieden abschlägig.

    Zum ESM haben sich ja wenigstens einige Leute an das Bundesverfassungsgericht gewendet, wohl auch ohne Aussicht auf Erfolg.

    Warum finden in den einschlägigen Medien bis hin zu den beliebten talk shows keine Diskussionen zu der Thematik statt??
    Schweigen verordent von oben...

  • Fortsetzung:

    Man lese Schäubles im Programm : Abschaffung der Nationalstaaten, das sei nicht mehr modern im 21. Jahrhundert, Merkel spricht bereits von einer Weltwährung.(alles O-Ton nachzulesen)

    Was kommt mit deutlicher Sprache heute aus USA?:

    Was bei uns resp. Europa zu geschehen hat, wird in USA entschieden, resp. deren Finanz-Märkte. Diese Handlungsmuster gehen auch in die Ratingagenturen ein, üben den entsprechenden Droh-Druck aus. Gut zu sehen bei Fitch:

    Fitch: Auseinanderbrechen der Eurozone wahrscheinlich

    London (BoerseGo.de) – Die Ratingagentur Fitch hält das Auseinanderbrechen der Eurozone für immer wahrscheinlicher. Als Ursache diagnostizieren die Bonitätswächter einen wesentlichen Konstruktionsfehler der Gemeinschaftswährung: Es gibt keine einheitliche Wirtschaftspolitik im Euroraum, zitiert die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires (DJN) aus dem aktuellen Fitch-Bericht.

    In der Studie der Agentur bleibt es zwar beim Basisszenario eines weiteren Zusammenhalts des Euroraums, doch das Risiko eines Austritts Griechenlands ist darin deutlich gestiegen. Sollte Griechenland austreten, würden alle Euroländer im Bonitätsausblick auf „negativ“ gesetzt werden, hieß es weiter.
    Für Griechenland würde das mit großer Wahrscheinlichkeit erneut bedeuten, kurz vor einem Zahlungsausfall zu stehen. Die Schulden des Landes würden dann in Drachmen umgewandelt werden. ( Das ist höchst fragwürdig)

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