Krise in Kenia
Annan gegen das Chaos

In Kenia ringen die politischen Rivalen weiter verbissen um die Macht, rund eine Viertel Millionen Menschen wurden wegen des Konfliktes schon vertrieben. Nun Ruhen alle Hoffnungen auf dem ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan. Erste Erfolge scheint er mit seinen Vermittlungsversuchen schon zu haben.

GENF. Kofi Annan stapft durch ein verwüstetes Haus. Zerbrochene Scheiben, zerstörte Tische, Blut. Die Spuren des Angriffs sind frisch. Alle Menschen, die hier gelebt haben, mussten fliehen. Der Mob verjagte sie. Annan holt langsam Luft. Die Gewalt in Kenia schockt den großen Mann des schwarzen Kontinents. Doch der ehemalige Uno-Generalsekretär will der „Tragödie“ Einhalt gebieten. Er will Kenia retten.

Mit seiner sonoren Stimme, die noch überall auf der Welt einen guten Klang hat, ermahnt der fast 70-Jährige die Kenianer: Nehmt keine Rache. Reicht euch die Hand: Und der verspricht: „Die unmittelbaren politischen Streitigkeiten können in vier Wochen gelöst werden, oder früher.“

Wenige Tage nach Beginn seiner Vermittlungsmission kann Kofi Annan offenbar erste Erfolge verbuchen. Heute treffen sich voraussichtlich auf sein Drängen die Delegationen der verfeindeten Parteien des Präsidenten Mwai Kibaki und des Oppositionschefs Raila Odinga. Die Rivalen um die Macht sollen über die politische Zukunft Kenias sprechen und Vorschläge Annans diskutieren. Odinga wirft Amtsinhaber Kibaki Wahlbetrug vor. Er, Odinga, sei der wahre Sieger des Urnenganges vom 27. Dezember.

An den vermuteten Manipulationen Kibakis entzündeten sich die Unruhen, Anhänger der Rivalen gingen immer brutaler aufeinander los. Menschen aus dem Volk der Kikuyu, dem Kibaki angehört, und den Luo von Oppositionschef Odinga, die bisher friedlich zusammen lebten, werden von ihren Führern angefeuert und gehen auf einmal auf einander los. Innerhalb eines Monats verwandelte sich das vermeintlich so stabile, das potenziell so wohlhabende Land an der Küste Ostafrikas in ein blutiges Tollhaus. Rund 900 Menschen starben: Erschlagen, erschossen, gelyncht, verbrannt.

Rund eine Viertel Million Menschen wurden vertrieben, schätzt das Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Inzwischen sind die Verbrechen so eskaliert, dass der Uno-Sonderberater gegen Völkermord und Massenverbrechen, Francis Deng, eine Untersuchung anstrengen will. Deng droht: Die Verantwortlichen werden für ihre Taten zahlen. Auch die Polizei könne zur Rechenschaft für Gewalttaten gezogen werden.

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