Krise in Libyen: Gaddafi verliert die Kontrolle übers Öl

Krise in Libyen
Gaddafi verliert die Kontrolle übers Öl

Aus Libyen fließt kein Öl mehr: Gaddafi verliert die Kontrolle über die Ölförderung, sagt EU-Kommisar Oettinger. Die Ölpreis-Hausse ist dennoch bald vorbei - Saudi-Arabien springt in die Lücke.
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Brüssel/London

Der libysche Staatschef Gaddafi hat nach Einschätzung der EU-Kommission keinen Zugriff mehr auf einen Großteil der wichtigen Energievorkommen seines Landes: "Wir haben Gründe anzunehmen, dass die Mehrzahl der Öl- und Gasfelder nicht mehr unter Gaddafis Kontrolle ist", sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Montagabend in Brüssel. Stattdessen seien sie in der Hand regionaler Führungspersönlichkeiten. Deswegen will kein EU-Einfuhrverbot für libysches Gas und Erdöl verhängen: "Wir könnten damit die falschen Leute bestrafen", sagte Oettinger.

Die Öl-Ausfuhren aus Libyen sind wegen des Volksaufstands gegen Machthaber Muammar Gaddafi offenbar zum Erliegen gekommen. Wegen Produktionsausfällen und schlechten Wetters werde derzeit kein Rohöl mehr außer Landes transportiert, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Montag aus Kreisen der Schifffahrtsindustrie. Der Internationalen Energie-Agentur (IEA) zufolge sinkt auch die Produktion des weltweit zwölftgrößten Ölförderlandes immer stärker. Derzeit fiele die Hälfte der Produktion weg. Bislang war von Produktionsausfällen von etwa einem Drittel der gewöhnlich etwa 1,6 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) täglich die Rede.

Saudi-Arabien erklärte, bereits für die libyschen Förderausfälle eingesprungen zu sein. EU-Energiekommissar Günther Oettinger rechnet damit, dass der zuletzt steile Ölpreisanstieg bald ein Ende haben wird. In den Ölfeldern Sarir, Nafoora und Misla im Osten Libyens werde nur noch etwa halb so viel gefördert wie vor Krisenausbruch, hieß es aus den Kreisen. Auch in Hamada sei die Produktion gedrosselt worden.

Wegen schlechten Wetters könnten zudem mindestens vier Tanker mit 2,4 Millionen Barrel an Bord nicht ablegen. Der wichtige Hafen Marsa el Brega befindet sich zudem unter Kontrolle von Gaddafi-Gegnern, die den Hafen geschlossen haben. Rohöl hatte sich wegen der Furcht am Markt vor Versorgungsengpässen im Zuge des Aufstands in dem nordafrikanischen Land stark verteuert.

Gedämpft wurde der Preisauftrieb allerdings von der Bereitschaft Saudi-Arabiens, für die Lieferausfälle Libyens in die Bresche zu springen. Alle Nachfragen der Kunden seien erfüllt worden, sagte der Chef der staatlichen Ölgesellschaft Saudi Aramco, Chalid al-Fali. Genaue Zahlen könne er aber nicht nennen. In Branchenkreisen hatte es bereits am Freitag geheißen, dass der weltgrößte Exporteur seine Fördermenge um 700.000 Barrel auf mehr als neun Millionen Barrel am Tag hochgefahren und noch Luft nach oben habe.

Oettinger warnte in Brüssel, dass sich nicht nur die Lage in Libyen, sondern die Unruhe in der gesamten Region auf den Ölpreis auswirke. Wenn aber keine anderen Länder nach Libyen die Ölförderung einstellten, werde der Höchststand beim Ölpreis in den kommenden Tagen erreicht sein. Der Lieferausfall aus Libyen werde die Energieversorgung in der Europäischen Union nicht beeinträchtigen. Die Ölfirmen hätten erhebliche Vorräte. Außerdem würden andere Länder wie Russland einspringen, um Engpässe zu vermeiden.

Der Preis für Öl der Nordsee-Sorte Brent lag am Abend kaum verändert bei rund 112 Dollar pro Barrel. US-Öl verbilligte sich leicht auf knapp 98 Dollar. Vergangene Woche war der Brent-Preis mit knapp 120 Dollar auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren geklettert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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