Krise in Libyen
Gaddafis Rezept: Bombardieren und Schmieren

Bei Kämpfen um die Städte Al-Sawija und Benghasi sind mindestens 50 Menschen gestorben, immer mehr Funktionäre laufen über. Gaddafi versucht auch, sich die Macht zu erkaufen - der Westen bereitet eine Luftbrücke vor.
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Tripolis/DubaiLibyens Staatschef Muammar al-Gaddafi wehrt sich mit allen Mitteln gegen sein Ende: Im Osten Libyens bombardieren seine Kampfjets Rebellen, im Westen versucht er mit Geld Loyalität zu erkaufen. An der libysch-tunesischen Grenze starteten Deutschland und andere Staaten eine großangelegte Rettungsaktion für zehntausende Flüchtlinge. Doch wie es auf libyscher Seite aussieht, weiß niemand. Hilfsorganisationen warnten vor einer humanitären Katastrophe.

In der Hauptstadt Tripolis lieferten sich mehr als tausend Gegner und Anhänger Gaddafis nach dem Freitagsgebet eine Massenschlägerei.

Vor einer Moschee in der Innenstadt der libyschen Hauptstadt gingen nach dem Freitagsgebet mehr als tausend Regimegegner und Gaddafi-Anhänger mit Fäusten aufeinander los. Die eine Seite rief: „Das Volk will den Sturz des Oberst (Gaddafi).“ Die andere Seite rief: „Das Volk will Muammar, den Oberst.“ Gaddafi-treue Milizionäre, die grüne Armbinden trugen, schossen nach Angaben von Augenzeugen in die Luft, um die Regimegegner zu vertreiben.

Gaddafi-treue Milizionäre schossen nach Angaben von Augenzeugen in die Luft. Die Stadtteile Tadschura und Souk al-Jumaa, in denen es auch Anti-Regime-Proteste gab, wurden laut Augenzeugen von Gaddafi-Truppen mit Panzern umstellt.

In der Umgebung der Ölstadt Al-Brega flogen Kampfjets Luftangriffe gegen Aufständische. Ein Arzt in der östlichen „Rebellen-Hauptstadt“ Bengasi sagte, in Al-Brega hätten die Truppen Gaddafis auch Panzer und Hubschrauber eingesetzt. Im benachbarten Adschdabija hätten sie ein Munitionsdepot und einen Versammlungsort bombardiert. Augenzeugen berichteten von einer Explosion, die Häuser zum Einstürzen brachte und einen Flächenbrand auslöste. Dem Fernsehsender Al-Dschasira zufolge kamen bei dem Angriff 17 Menschen ums Leben.

Bei einem Angriff libyscher Regierungstruppen in der westlich von Tripolis gelegenen Stadt Al-Sawija sind nach Berichten von Einwohnern mindestens 30 Menschen getötet worde, darunter der dortige Anführer der Oppositionellen, Hussein Darbuk. Zu den Gaddafi-Truppen gehörten auch ausländische Scharfschützen. „Das Krankenhaus war voll. Es gab keinen Platz mehr für die Opfer“, sagte ein Einwohner am Freitag nach einem Besuch des Hospitals am Telefon. „Die Zahl der Opfer steigt.“ Ein anderer Einwohner sagte, bei den Gefechten seien zwischen 40 und 50 Menschen ums Leben gekommen. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

Die Regierungstruppen hätten viele Menschen in einer Kleinstadt außerhalb Sawijas namens Harscha getötet, sagte ein Rebellensprecher. „Sie schossen auf Zivilsten.“ Harscha werde nun vollständig von den Regierungstruppen kontrolliert. Die Aufständischen besetzten aber noch immer den zentralen Platz in Sawija, den sie selbst nach den Kämpfen in der jüngsten Zeit in Märtyrerplatz umbenannt haben.

Kommentare zu " Krise in Libyen: Gaddafis Rezept: Bombardieren und Schmieren"

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  • Es ist doch eine Schande, wenn mit Vermögen aus dem eigenen Land Söldner gekauft werden, um auf die eigenen Leute zu schießen.
    Warum wollen die Amerikaner alleine eingreifen, das sollte doch mit Europe gemeinsam gemacht werden!

  • Was für Katzenjammer für Gaddafi!

    Es ist schon ein Jammer, dass der skupellose Gaddafi nun seine Söldner und seine gekauften Unterstützer zunehmend mit Dollars der von ihm lange Jahre verachteten und verabscheuten
    Amis bezahlen muss. Da Libyen anscheinend keine eigene Gelddruckerei besitzt, ist Gaddafi auf die Geldzufuhr aus dem Ausland angewiesen. Laut letzten Meldungen hat Gadaffi eine
    weitere Schlappe erlitten, da ein Schiffstransport von 200 Mio. liby. Dinar aufgrund des Embargos von der engl. Marine gestoppt und arrestiert wird.
    Es bleibt zu hoffen, dass dem Gaddaffi alsbald das Geld ausgeht und damit sein Niedergang beschleunigt wird!

  • Was für Katzenjammer für Gaddafi!

    Es ist schon ein Jammer, dass der skupellose Gaddafi nun seine Söldner und seine gekauften Unterstützer zunehmend mit Dollars der von ihm lange Jahre verachteten und verabscheuten
    Amis bezahlen muss. Da Libyen anscheinend keine eigene Gelddruckerei besitzt, ist Gaddafi auf die Geldzufuhr aus dem Ausland angewiesen. Laut letzten Meldungen hat Gadaffi eine
    weitere Schlappe erlitten, da ein Schiffstransport von 200 Mio. liby. Dinar aufgrund des Embargos von der engl. Marine gestoppt und arrestiert wird.
    Es bleibt zu hoffen, dass dem Gaddaffi alsbald das Geld ausgeht und damit sein Niedergang beschleunigt wird!

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