Krise in Thailand
Noch bleibt Thailands Armeechef ruhig

Chaos am besetzten Flughafen von Bangkok, tausende gestrandete Touristen: Die politische Krise in Thailand hat sich zugespitzt. Im Norden des Landes wurde ein Mensch von Anhängern der Regierung erschossen. Armeechef Paochindafordert Ministerpräsident Somchai Wongsawat zum Rücktritt auf. Der aber denkt nicht im Traum daran.

HB BANGKOK. 20 Stunden nachdem tausende Demonstranten den Flughafen überrannt und die Einstellung des Flugbetriebs erzwungen hatten, forderte Armeechef Anupong Paochinda die Auflösung des Parlaments und Neuwahlen. „Das ist der beste Weg, um dieses politische Problem mit demokratischen Mitteln zu lösen“, sagte Anupong Paochinda. Einen Militärputsch wie vor zwei Jahren beim Sturz von Ministerpräsident Thaksin Shinawatra schloss er erneut aus. „Der Schaden wäre zu groß“, sagte er.

Die Regierungsgegner hielten ihre Blockade des Internationalen Flughafens von Bangkok aufrecht. Hunderte Flüge mussten abgesagt werden, tausende Urlauber saßen fest. Ministerpräsident Somchai Wongsawa landete von einer Auslandsreise kommend auf einem Militärflughafen im Norden des Landes.

Der seit Tagen von regierungsfeindlichen Demonstranten bedrängte Somchai Wongsawat hat Rücktrittsforderungen von Armee und Opposition zurückgewiesen. Seine Regierung sei demokratisch legitimiert und werde ihre Arbeit fortsetzen, sagte Somchai. Die Opposition habe mit ihren Protesten Gesetze verletzt. Über Gegenmaßnahmen werde das Kabinett am Donnerstag in einer Sondersitzung beraten.

Kurz nach seiner Rückkehr vom Asien-Pazifik-Gipfel in Peru wandte sich Somchai in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung. Er warf der Opposition vor, mit ihren Aktionen die Gesetze des asiatischen Landes zu verletzen. Das Kabinett werde deshalb am Donnerstag in einer Sondersitzung über Gegenmaßnahmen beraten. Die Opposition wirft Somchai vor, ein Handlanger seines vor zwei Jahren vom Militär als Ministerpräsident gestürzten Schwagers Thaksin Shinawatra zu sein. Thaksin wird von der armen Landbevölkerung geliebt, während er von den Eliten in Bangkok gehasst wird.

Im Norden Thailands haben Anhänger der Regierung am Mittwoch nach Polizeiangaben einen Oppositionellen erschossen. Der Sohn des Getöteten betreibe in Chiang Mai einen regierungskritischen Radiosender, teilte ein leitender Ermittler mit.

Am internationalen Großflughafen Suvarnabhumi in Bangkok saßen tausende Reisende fest. „Ein Alptraum“, sagte eine Britin im Fernsehen, die stundenlang vergeblich auf ihren Abflug gewartet hatte. „Keiner weiß, wie es weitergeht.“

Zeitweise spitzte sich die Lage im Flughafen zu: Rund 50 vermummte und mit Eisenstangen bewaffnete Demonstranten drangen nach Angaben eines Flughafenmitarbeiters kurzzeitig in den Kontrollturm ein. Unbekannte Angreifer schleuderten derweil mehrere Sprengsätze auf die Demonstranten. Nach Polizeiangaben wurden drei Menschen verletzt. Zwei weitere Explosionen gab es in Bangkok selbst.

In den Terminals waren tausende Demonstranten in ihren typischen gelben T-Shirts zu sehen, die die Büros besetzten und den Betrieb lahmlegten. Länder wie Russland, Taiwan und die Philippinen gaben Reisewarnungen für Thailand heraus. Das Auswärtige Amt riet Bundesbürgern, den internationalen Flughafen von Bangkok zu meiden. Ob dort Deutsche festsaßen, war zunächst unbekannt.

Die deutschen Fernreisespezialisten Meier's Weltreisen und Dertours strichen ihre Flüge über oder nach Bangkok für Mittwoch und Donnerstag. Davon seien rund 200 Passagiere betroffen, teilten die Unternehmen in Frankfurt mit. Nicht betroffen seien andere Ziele in Thailand wie Phuket. Die derzeit rund 2000 Touristen, die sich in dem südostasiatischen Land aufhielten, seien alle wohlauf, berichteten die Reiseveranstalter. Auch die Lufthansa verschob wegen des Chaos in Bangkok einen Flug.

„Wir zerschlagen unser eigenes Porzellan“, sagte der Direktor des thailändischen Tourismusverbandes, Wichit Na-Ranong. Wenn in der beginnenden Hauptsaison nur die Hälfte der Touristen kämen, verlöre das Land mehr als zwei Mrd. Euro.

Die Demonstranten sind Anhänger der außerparlamentarischen Opposition PAD, die die demokratisch gewählte Regierung stürzen will. Der PAD-Anführer Sondhi Limthongkul bezeichnete die jüngste Aktion als „letzten Kampf“, um die Regierung zu stürzen. Seine Anhänger halten schon seit August den Regierungssitz besetzt.

Die PAD besetzte den Flughafen, um Somchais Rückkehr zu verhindern. „Wir bleiben hier, bis Somchai zurücktritt“, sagte PAD- Sprecher Panthep Wongpuapan nach Angaben der Zeitung „The Nation“. Die PAD wirft den Spitzenpolitikern vor, Strohmänner des vor zwei Jahren gestürzten Regierungschefs Thaksin Shinawatra zu sein.

Thaksin lebt im Exil und hat gerade seine Absicht bekräftigt, in die thailändische Politik zurückzukehren - nach monatelangen Beteuerungen des Gegenteils. Die Regierungspartei PPP wurde von seinen Anhängern gegründet. Regierungschef Somchai ist Thaksins Schwager.

Die PAD argwöhnt, dass die PPP mit einer Verfassungsänderung die Rückkehr Thaksins vorbereiten will. Thaksin wurde im Oktober in Abwesenheit wegen Amtsmissbrauchs zu zwei Jahren Haft verurteilt.

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