Krise mit Russland: Deutschlands Exporte nur minimal betroffen

Krise mit Russland
Deutschlands Exporte nur minimal betroffen

Russland und Deutschland sind wichtige Handelspartner. Für einzelne deutsche Unternehmen spielt der Export in das Land kaum eine Rolle, für manche sind sie existenziell wichtig. Experten warnen vor harten Sanktionen.
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WiesbadenDeutschlands Exporteure sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nur in überschaubarem Maße von Russland abhängig. Zwar sei Russland ein wichtiger Handelspartner für Deutschland. Bezogen auf die weltweiten Geschäftsbeziehungen der deutschen Exportwirtschaft halte sich die Abhängigkeit der Unternehmen von Russland aber in Grenzen. Darauf hat das Bundesamt angesichts der aktuellen Spannungen am Donnerstag in Wiesbaden hingewiesen.

Nur rund jedes zehnte exportierende Unternehmen in Deutschland führt nach Angaben der Wiesbadener Behörde überhaupt Waren nach Russland aus. Für drei von vier dieser Firmen machen die Ausfuhren nach Russland demnach höchstens ein Viertel ihrer gesamten Exporte aus.

Da sich die Importe aus Russland stark auf Rohstoffe konzentrieren, führt umgekehrt nur jedes hundertste importierende Unternehmen Waren aus dem Land ein. Deren Abhängigkeit von Russland sei allerdings hoch. Wertmäßig wird nach den Angaben fast die Hälfte (49 Prozent) der Importe aus Russland von Unternehmen eingeführt, für die diese Einfuhren mindestens drei Viertel ihrer gesamten Importe ausmachen.

Insgesamt lag Russland 2013 in der Rangfolge der wichtigsten Ursprungsländer deutscher Importe mit 40,4 Milliarden Euro an siebter Stelle. Es gehört zu den wenigen Ländern, die im Handel mit Deutschland einen Überschuss erzielen. Das liegt vor allem an der Bedeutung des Landes als Lieferant von Erdöl und Erdgas. 2013 kaufte Deutschland diese beiden Rohstoffe im Wert von 29,3 Milliarden Euro bei dem Handelspartner ein.

Wie Helaba-Ökonom Stefan Mütze am Donnerstag erläuterte, kamen 4,5 Prozent der deutschen Importe aus Russland: „Damit ist die Bundesrepublik Russlands wichtigster Handelspartner in der EU.“ Das Land sei der für Deutschland bedeutendste Lieferant von Energie mit Importanteilen von 39 Prozent bei Erdgas und 35 Prozent bei Rohöl. „Eine erhebliche Belastung des deutsch-russischen Handels durch gegenseitige Sanktionen oder höhere Zölle könnte damit [...] die Energieversorgung hierzulande gefährden“, betonte Mütze.

Umgekehrt ist Russland für die deutsche Exportwirtschaft der elfwichtigste Absatzmarkt: Nach Zahlen der Statistiker lieferte Deutschland 2013 Waren im Wert von 36,1 Milliarden Euro in das Land. Die meisten Produkte „Made in Germany“ verkauften Maschinenbauer (8,1 Milliarden Euro) und die Autoindustrie (7,6 Milliarden Euro).

Experten sind überzeugt: Sanktionen des Westens und Gegenmaßnahmen Moskaus könnten beide Seiten hart treffen. Mütze warnte, dass einschneidende Sanktionen das erwartete deutsche Wachstum von zwei Prozent in diesem Jahr gefährden könnten: „Da Russland ebenfalls auf den Handel mit dem Westen angewiesen ist, bleibt zu hoffen, dass die schwierige Situation in der Ukraine doch noch über Verhandlungen gelöst wird und nicht zu einer gegenseitigen Einschränkung der Wirtschaftsbeziehungen führt.“

Denn Deutschland ist nach China der zweitwichtigste Handelspartner Russlands. Nach Daten der Germany Trade & Invest (GTAI) für 2012 kamen 9,4 Prozent der russischen Einfuhren aus Deutschland.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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