Krise um britische Soldaten
Ahmadinedschad beleidigt, Blair besänftigt

Teheran hetzt weiter gegen Großbritannien. Präsident Ahmadinedschad pocht auf eine Entschuldigung, spricht von "Arroganz" und einer "egoistischen Mentalität" Londons. Tony Blair will den Mullahs nun offenbar entgegenkommen.

HB WASHINGTON. In der Krise um die im Iran gefangenen 15 britischen Soldaten bemüht sich London nach Medienangaben vom Sonntag um eine Kompromiss-Lösung. Damit solle es der Führung in Teheran ermöglicht werden, die Briten ohne Gesichtsverlust freizulassen, schreibt die konservative Zeitung „The Sunday Telegraph“.

Konkret plant die britische Regierung diesen bislang unbestätigten Angaben zufolge, einen Offizier der Königlichen Marine nach Teheran zu entsenden. Dieser solle dort öffentlich das Versprechen abgeben, dass britische Schiffe niemals wissentlich in iranische Hoheitsgewässer einfahren würden.

Dieser Plan sei am Samstag bei einer Beratung des Krisenstabs der Regierung erörtert worden, berichtet die Zeitung ohne eine konkrete Quelle zu nennen. Zuvor seien Premierminister Tony Blair und Außenministerin Margaret Beckett von Regierungsmitarbeitern darauf hingewiesen worden, dass die Gefangenkrise in eine Sackgasse geraten sei und sich über viele Monate hinziehen könnte.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad griff Großbritannien indes erneut scharf an. Ahmadinedschad forderte nach Angaben der staatliche iranischen Nachrichtenagentur IRNA in der südwestiranischen Stadt Andimeshk erneut, London hätte sich entschuldigen und sein Bedauern über den Zwischenfall äußern müssen. „Jedoch arrogante Mächte entschuldigen sich wegen ihrer Arroganz und ihrer egoistischen Mentalität nicht bei den Iraner.“ Sie täten so, als schuldeten die Iraner ihnen etwas. Die britischen Besatzungstruppen seien in iranisches Hoheitsgewässer eingedrungen und dabei festgenommen worden, betonte Ahmadinedschad.

Fotostrecke: Briten im Iran gefangen

Die britische Außenministerin Beckett sagte dazu: „Ich denke, jeder bedauert, dass es zu dieser Situation gekommen ist“. „Was wir wollen, ist ein Ausweg, und zwar friedlich und so schnell wie möglich.“ Zugleich bestätigte die Ministerin, dass London auf eine diplomatische Note aus Teheran geantwortet hat. Zum Inhalt des Antwortschreibens machte sie keine Angaben.

Zwischen der EU und dem Iran gab es derweil erste Kontakte auf Arbeitsebene. Der Mitarbeiterstab von EU-Chefdiplomat Javier Solana habe Kontakt mit dem direkten Umfeld des Vorsitzenden des Nationalen Sicherheitsrats, Ali Laridschani, aufgenommen, berichteten EU- Diplomaten. Solana deutete in Bremen an, dass die Türkei bei der Krisenlösung eine Rolle spielen könnte. Die Türkei sei ein wichtiges Land mit einer wichtigen Rolle in der Region.

Die EU-Außenminister hatten sich am Freitag in einer Erklärung hinter die britische Forderung nach Freilassung der Soldaten gestellt. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte dies als „klares Signal“ an Teheran. „Wir haben ein gemeinsames Interesse daran, dass die Soldaten, die auf Grundlage eines Mandats der Vereinten Nationen im Einsatz waren, schnell freikommen“, sagte die EU-Ratsvorsitzende bei ihrer Nahostreise im jordanischen Akaba.

Auch US-Präsident George W. Bush äußerte sich am Wochenende erstmals zur Gefangennahme der Soldaten. „Der Iran muss die Geiseln freilassen“, sagte Bush in Camp David (Maryland) nach einem Treffen mit dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva. Die britischen Soldaten seien „unschuldig und haben nichts Falsches getan“, betonte Bush.

Die USA unterstützten nachdrücklich die Bemühungen des britischen Premierministers Tony Blair, die Krise mit diplomatischen Mitteln zu lösen, sagte er. „Der Fall der britischen Geiseln ist ein ernster Fall, weil die Iraner diese Leute einfach in irakischen Gewässern festgenommen haben“, so Bush.

Die US-Regierung hatte sich jetzt bei diesem Thema betont zurück gehalten. US-Diplomaten in Washington ließen erkennen, dass dies auch der Wunsch Londons gewesen war.

Der Iran wirft den am 23. März im Mündungsgebiet des Flusses Schatt el Arab festgenommenen Soldaten eine Verletzung seiner Hoheitsgebiete vor. Großbritannien bestreitet das entschieden und verlangt die Freilassung seiner Staatsbürger.

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