Krise wegen Panama Papers
Regierungschef in Island tritt zurück

Die Panama Papers haben den ersten Staatschef seinen Job gekostet: Islands Regierungschef Gunnlaugsson tritt zurück. Der Grund: eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln, die inzwischen seiner Frau gehört.

Reykjavik/StockholmIslands Regierungschef Sigmundur David Gunnlaugsson tritt wegen Vorwürfen gegen ihn im Zusammenhang mit den „Panama Papers“ zurück. Dies gab der Vizevorsitzende der Fortschrittspartei bekannt, einem Koalitionspartner Gunnlaugssons. Zuvor hatte Gunnlaugsson die Auflösung des Parlaments beantragt. Die am Wochenende von einem internationalen Journalistenkonsortium veröffentlichten Daten einer Anwaltskanzlei in Panama belegen nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“, dass Gunnlaugssons Frau eine Briefkastenfirma betrieb, die Anteile an den 2008 zusammengebrochenen Banken des Landes hielt. Gunnlaugsson sei bis 2009 an der Firma beteiligt gewesen.

Am Montagabend hatten Tausende vor dem Parlament Gunnlaugssons Rücktritt gefordert. Um die 12.000 Menschen versammelten sich am Montagabend vor dem Parlament in Reykjavik, schmissen mit Bananen und Eiern, hatten auch Feuerwerkszeug dabei. Die Menschen in dem kleinen Inselstaat mit nur 330.000 Einwohnern kochen vor Wut. Wut auf ihren Regierungschef.

Den konnten die Isländer am Sonntagabend im Fernsehen dabei beobachten, wie er aus einem Interview herausstürmte. Vorher fauchte er den Reporter an. Das war eine dumme Reaktion, gab Sigmundur Gunnlaugsson hinterher zu. „Ich kann nicht glauben, dass er so aus einem Interview gelaufen ist“, sagte der Isländer Elvar Torfason, der mit seinen Landsleuten vor dem „Althingi“ protestierte.

Es war eine aufgezeichnete Sendung vom März, es ging um die Enthüllungen über Steueroasen in den „Panama Papers“. Der Journalist hatte Gunnlaugsson auf eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln angesprochen, die Gunnlaugssons Frau gehört – und einst auch ihm gehört haben soll. Seit der Ausstrahlung am Sonntagabend kennt der Zorn der Isländer keine Grenzen mehr.

Selbst nach dem Bankenkollaps 2008 gingen auf der Vulkaninsel im Nordatlantik nicht so viele Menschen auf die Straße. Schon damals machten die Isländer mit ihrem trotzigen Zorn auf sich aufmerksam. Die Republik stand wegen der wahnwitzigen Kreditabenteuer der drei größten isländischen Banken mit einem gigantischen Schuldenberg da. Doch die Wikingernachfahren wehrten sich in zwei Referenden dagegen, die Banken gesund zu sparen und mit ihren Steuergeldern für die Schulden der Internetbank Icesave im Ausland geradezustehen.

Um Geld musste sich Gunnlaugsson nie Gedanken machen. Er entstammt einer wohlhabenden Familie, genau wie seine Frau Anna. Dass ihm die Millionen einmal zum Verhängnis werden dürften, hat er wohl nicht geahnt. Nachdem er als Fernsehjournalist gearbeitet hatte, eroberte der 1975 geborene Gunnlaugsson die politische Bühne im Sturm. Wie auch schon sein Vater trat er der liberalen Fortschrittspartei bei und wurde 2009 ihr Vorsitzender.

Vier Jahre später gewann der studierte Wirtschafts- und Politikwissenschaftler mit nur 38 Jahren die Parlamentswahl gegen die mehr als 30 Jahre ältere Sozialdemokratin Jóhanna Sigurðardóttir. Bei den Bürgern punktete er nach dem Bankenkollaps mit der Ankündigung von Schuldenerlassen für Privathaushalte.

Andere warfen dem Politiker Populismus vor und sahen in seiner Machtübernahme eine Rückkehr zu dem, wovon sie sich nach der Finanzkrise verabschiedet hatten: dem „alten Island“, in dem mächtige Eliten und Clans den Ton angeben. Damals hatte sich Gunnlaugsson gerade auch als Kämpfer gegen soziale Ungerechtigkeit im Schatten der Finanzkrise präsentiert. Dass die Briefkastenfirma seiner Frau jetzt auf der Gläubigerliste der Krisenbanken auftaucht, nehmen ihm seine Landsleute übel.

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Nicht die Wut unterschätzen

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