„Krise zu drei Vierteln beendet“
El Sistani bringt Nadschaf Friedensabkommen

Hoffnung auf ein Ende der Kämpfe in Nadschaf: Innerhalb weniger Stunden nach seiner Ankunft in Nadschaf hat Schiitenführer Ali el Sistani am Donnerstagabend ein Friedensabkommen mit dem radikalen Prediger Muktada el Sadr abgeschlossen. Sowohl die Kämpfer El Sadrs als auch die US-Soldaten sollen nun abziehen.

HB NADSCHAF. Der radikale Schiitenprediger Moktada el Sadr habe einen Friedensplan des einflussreichen schiitischen Geistlichen Ajatollah Ali el Sistani, der ein Ende der wochenlangen Kämpfe in der irakischen Stadt Nadschaf vorsieht, akzeptiert und werde seine Kämpfer aus der heiligen Imam-Ali-Moschee in Nadschaf zurückziehen, erklärte ein Berater El Sistanis am Donnerstagabend. Im Gegenzug sollen die US-Truppen die Stadt verlassen. Völlig ausgestanden sei der Konflikt aber noch nicht. Die irakische Regierung hat am Donnerstagabend das Friedensabkommen für die Pilgerstadt Nadschaf jedoch bereits gebilligt.

Die zwischen El Sistani und El Sadr nach einem Gespräch erzeilte Vereinbarung sehe vor, dass die Sicherheitsgewalt über die Stadt der irakischen Polizei übertragen werde, sagte El Sistanis Berater Hamed al-Chafaf. Als vollständige Beilegung des Konflikts wollte er die Entwicklung aber nicht bezeichnen. „Wir haben drei Viertel auf dem Weg zur Beendigung der Krise zurückgelegt“, sagte er.

Die Bürger Nadschafs, deren Häuser während der Kämpfe um die von den Sadr-Milizen besetzte Imam-Ali-Moschee zerstört wurden, sollen entschädigt werden. Schließlich setzte sich das Abkommen für legitime Wahlen im Irak ein, erklärte die irakische Regierung.

Der irakische Staatsminister für militärische Angelegenheiten, Karim Daoud, begrüßte am Abend das Abkommen. Es entspreche den Forderungen der Regierung. Er hoffe, dass es sich auf alle irakische Städte ausbreite. Auf die Frage, was mit El Sadr, dem Führer der Aufständischen, geschehe, sagte Daoud, dieser sei ein freier Mann. Die Bewegung El Sadrs werde nach der Niederlegung der Waffen als eine politisch Bewegung behandelt.

Dem Ausgang der Gespräche war eine entscheidende Bedeutung für die Befriedung des Landes zugemessen worden. Die Kämpfe in Nadschaf hatten die Ölpreise auf den Weltmärkten auf Rekordhöhen getrieben und die Autorität des irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allaui untergraben. Am Donnerstag waren bei Anschlägen in Nadschaf und Kufa erneut mindestens 74 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden.

Der 73-Jährige El Sistani war am Mittwoch überraschend nach einer Herzbehandlung in London in den Irak zurückgekehrt und am Donnerstag - begleitet von zehntausenden Anhängern - in Nadschaf angekommen. Dort hatte er Verhandlungen über eine friedliche Lösung des Konflikts aufgenommen. Dazu hatte Ministerpräsident Allaui eine 24-stündige Waffenruhe angeordnet und das US-Militär seine Offensive ausgesetzt. Kämpfer El Sadrs haben sich seit Wochen in der Imam-Ali-Moschee der Stadt verschanzt und irakischen und US-Truppen getrotzt. Bei deren Gefechten waren in den vergangenen drei Wochen hunderte Menschen getötet worden.

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