Krisen in Zukunft vermeiden
G8-Länder vereinbaren Weltfinanzgipfel

Es geht um nichts Geringeres als um eine "tragfähige Architektur der Finanzmärkte": Die sieben wichtigsten Industriestaaten und Russland (G8) haben sich auf ein Gipfeltreffen zur Weltfinanzordnung geeinigt. An dem Treffen sollen auch aufstrebende Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien teilnehmen.

BRÜSSEL. Das geht aus einer gemeinsamen Erklärung der G8 hervor, die gestern Abend am Rande des EU-Gipfels in Brüssel veröffentlicht wurde. Nach Vorstellung von Bundeskanzlerin Angela Merkel soll das Treffen bereits im November stattfinden.

"Eine neue, tragfähige Architektur der Finanzmärkte kann nur gemeinsam entworfen werden", erklärte Merkel nach Angaben ihres Sprechers Ulrich Wilhelm. Es gehe darum, "strukturelle Reformen der internationalen Finanzarchitektur anzugehen".

Die EU will bei der Konferenz eine Führungsrolle einnehmen. Für eine grundlegende Reform des Weltfinanzsystems sprachen sich in Brüssel auch der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy und der britische Premier Gordon Brown aus. Brown forderte eine internationale Finanzaufsicht für Großbanken und Versicherungen. "Für die 30 größten Finanzgruppen sollen internationale Aufsichtskollegien geschaffen werden", sagte er. Brown verlangte zudem eine neue "Weltfinanzarchitektur". Notwendig sei eine grundlegende Neuordnung nach dem Vorbild des Bretton-Woods-Abkommens von 1944.

Mit dem Weltfinanzgipfel könnten in Zukunft schwere Krisen vermieden werden, sagte der amtierende EU-Ratsvorsitzende Sarkozy. Das weltweite Finanzsystem müsse auf neue Grundlagen gestellt wird. Sarkozy kündigte an, zusammen mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso am kommenden Wochenende bei einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush erste Schritte für eine Neuordnung des globalen Finanzsystems zu erörtern. Themen dabei sollten auch Steuerparadiese und Hedgefonds sein. Es seien aber Treffen im größeren Rahmen notwendig, an denen auch Schwellenländer teilnehmen sollten, um neue Richtlinien festzulegen. Dies solle noch in diesem Jahr geschehen, möglichst im November.

Auch Deutschland, Großbritannien, und Italien arbeiten auf einen internationalen Finanzgipfel hin, den Sarkozy vorgeschlagen hatte. Dazu sind inzwischen auch die anderen G8-Länder USA, Japan, Kanada und Russland bereit.

Sarkozy unterstrich, alle 27 EU-Staaten hätten die am vergangenen Wochenende von den Euro-Staaten ergriffenen Maßnahmen akzeptiert. Danach können die Banken mit direkten staatlichen Finanzspritzen, Teilverstaatlichungen oder öffentlichen Garantien für ihre Verbindlichkeiten vor einem Zusammenbruch bewahrt werden. Jedes Land entscheidet über die konkreten Hilfen selbst. Tschechien und andere Länder bestanden jedoch darauf, in der gemeinsamen Erklärung zu betonen, dass die EU-Wettbewerbsregeln und der Stabilitäts- und Wachstumspakt weiter gelten.

Die EU will auch private Spareinlagen besser absichern. Nach einem Entwurf der Kommission sollen die Mitgliedstaaten die Deckungssumme für Spareinlagen auf 100 000 Euro erhöhen. HB/ebo

Die EU wird nach den Worten Sarkozys darüber hinaus auch eine Krisenmanagement-Gruppe einrichten. Bestehende Einrichtungen sollten damit nicht ersetzt, sondern der Informationsaustausch und die Abstimmung von Maßnahmen erleichtert werden. Details dazu sollten im Laufe des Donnerstags festgelgt werden.

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