Krisen-Management
Die WHO drückt bei Ehec noch ein Auge zu

Das deutsche Krisen-Managament in Sachen Ehec sorgt in Brüssel für massive Kritik. Die Weltgesundheitsorganisation dagegen mischt sich nicht ein. Die Gefahr ist offenbar noch nicht groß genug.
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DüsseldorfDie Uno-Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht keine Veranlassung angesichts der Ehec-Infektionen in Deutschland aktiv zu werden. "Unsere Aufgabe bei dem aktuellen Ehec-Ausbruch besteht darin, den rechtzeitigen und korrekten Informationsaustausch zwischen den einzelnen Ländern, in denen die Krankheit aufgetreten ist, sicherzustellen", sagt Claudia Stein, WHO-Gesundheitsdirektorin im Gespräch mit Handelsblatt.com. Man habe Deutschland zwar Unterstützung beim Beobachten der Situation angeboten. Mehr allerdings, so scheint es, halten die Weltgesundheitswächter nicht für erforderlich.

Von Importwarnungen vor Lebensmitteln aus den betroffenen Regionen sieht die Organisation ebenso ab wie von Reisewarnungen. Auch in das Gerangel um die folgenreichen Verzehrwarnungen vor Gurken, Tomaten und Sprossen mischt sich die WHO kaum ein. Die Organisation rät Verbrauchern lediglich auf ihrer Homepage, die Ratschläge lokaler und nationaler Stellen zu befolgen.

Damit gibt sich die WHO im Vergleich zur Europäischen Union (EU) zurückhaltend. EU-Abgeordnete hatten am Dienstag ihrem Unmut am deutschen Management der Krise mit 24 Toten und mehr als 2600 Infizierten freien Lauf gelassen. Konfrontiert mit millionenschweren Forderungen europäischer Landwirte kritisierten sie das Vorgehen der deutschen Behörden als voreilig, unkoordiniert und ineffektiv.

Der Grund für die Zurückhaltung der WHO: Der gefährliche Darmkeim wird in der Regel nicht von Mensch zu Mensch übertragen - eine Pandemie, also eine weltweite Verbreitung der Seuche, ist daher ausgesprochen unwahrscheinlich. "Bei dem Erreger handelt es sich um ein Bakterium", sagt Stein. "Die Ansteckung erfolgt über einen Träger wie Essen oder Wasser, ein Mensch muss den Erreger zu sich nehmen, um infiziert zu werden. "Ehec wird nicht über Husten oder Niesen übertragen und verbreitet sich daher anders als etwa das H1N1-Virus."

Der Vergleich mit dem H1N1-Virus kommt nicht von ungefähr. Nach Ausbruch der als Schweinegrippe bekannt gewordenen Krankheit hatte die WHO im Juni 2009 die höchste Alarmstufe, Pandemie-Stufe Sechs, verhängt, was die Staaten zum Handeln zwang. Außerdem rief die Organisation ein eigenes Expertenkomitee zusammen und beriet mit Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon und Pharmafirmen über mögliche Impfstoffe.

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