Krisen-Verursacher liegen bei Wahl vorne: Islands Tanz auf dem Vulkan

Krisen-Verursacher liegen bei Wahl vorne
Islands Tanz auf dem Vulkan

Das Land im Atlantik ist bekannt für unterirdische Vulkane, Geysire - und den Crash der Kaupthing-Bank. Eine neue Regierung hatte das Land nach 2008 aus der Krise geholt. Doch jetzt drohen die Retter abgewählt zu werden.
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ReykjavikDer Glaspalast mit freiem Blick auf den Nordatlantik steht noch. Nur das Namensschild hat sich geändert. „Arion banki“ prangt mit großen Buchstaben an der Glasfassade. Der Name stammt aus der griechischen Mythologie und soll für Unverwüstlichkeit, Kooperation und Widerstandsfähigkeit stehen. Vor allem aber soll der neue Name das vergessen machen, was den Inselstaat Island bis heute beschäftigt: Die Arion-Bank ist die Nachfolgerin der skandalumwitterten Kaupthing Bank, die 2008 auch mehr als 30 000 deutsche Sparer um ihre Einlagen zittern ließ und das kleine Land mit seinen nur 320 000 Einwohnern in eine tiefe Krise stürzte, von der es sich bis heute nicht ganz erholt hat.

Am heutigen Samstag wird auf Island gewählt. Und obwohl die bisherige rot-grüne Regierung unter Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir in den vergangenen vier Jahren fast alles richtig gemacht hat, um das damals vom Staatsbankrott bedrohte Land wieder aufzurichten, wird ihre Koalition nach sämtlichen Umfragen abgewählt.

„Dankbarkeit sieht anders aus“, resümmiert denn auch Finanzministerin Katrin Juliusdottir enttäuscht die Legislaturperiode. Offenbar habe es ihre Regierung nicht verstanden, den Wählern zu erklären, was wir alles in den vergangenen Jahren gemacht haben, stellt sie resigniert fest.

Es ist in der Tat kurios, was sich derzeit in Island abspielt: Denn wenn die Wähler am Sonntag morgen aufwachen, wird ihr Land aller Voraussicht nach wieder von den bürgerlichen Parteien regiert werden, die als Auslöser der Krise gelten. Die liberale Fortschrittspartei und die konservative Unabhängigspartei, die jahrzehntelang die Regierung bis zu dem Beinahe-Kollaps stellten, den später kollabierten Bankensektor liberalisierten und den wilden, schuldenfinanzierten Kreuzzügen der drei Institute, die in Europa Banken, Versicherungen und Fluggesellschaften aufkauften, tatenlos zusahen, diese Parteien führen seit Wochen haushoch in allen Meinungsumfragen.

Das rot-grüne Bündnis, dem viel Lob für die Sanierung der Staatsfinanzen vom Internationalen Währungsfonds, der Europäischen Union und zahlreichen angesehenen Ökonomen zuteil wurde, muss sich dagegen auf ein Katastrophenergebnis einstellen: Die Koalition wird nicht einmal die Hälfte der Stimmen erhalten, die sie vor vier Jahren bekam. Die Retter werden vom Volk abgewählt, weil sich die Hoffnung auf eine ganz schnelle Wende nicht erfüllt hat, nicht erfüllen konnte.

Dabei hatte Sigurdardottir und ihr Kabinett nach dem Wahlsieg mit Erfolg den von der Vorgängerregierung zurückgelassenen Scherbenhaufen zusammengefegt. Das war, so bescheinigte unlängst erneut der IWF, ein hartes Stück Arbeit. Denn damals, im Frühjahr 2009, sah alles danach aus, als würde Island nach der Pleite der drei größten Banken, nach einem Milliarden-Hilfskredit durch den IWF und nach der Abwahl der Regierung in den Tiefen des Nordatlantiks versinken.

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  • Und täglich grüßt das Murmeltier.

  • "Der Schuldenberg der EZB wächst weiter, es zerstört die natürliche Marktwirtschaft, weil die "willkürlichen EU-Subventionen" Korruption begünstigt und das Prinzip von "Angebot und Nachfrage" zerstört, es entsteht eine gesteuerte Unfreie-Subventions-Wirtschaft."

    Naja, wenn es diese "natürliche Marktwirtschaft" noch gäbe, würde ich Ihnen sogar voll und ganz zustimmen können.
    Aber wir können ja mit Island "das lernen am Modell" betreiben und schauen was dabei raus kommt, bzw. wie repräsentativ das sein kann.
    Gottseidank muß nicht alles rein, kann aber alles raus, aber bestimmen sollten das die Länder schon selbst.

  • Der Vulkan wird ausbrechen, aber nicht nur der isländische, sondern auch der europoäische, japanische und amerikanische.
    Das kann in 2 Wochen, zwei Monaten, oder 2 Jahren stattfinden, aber stattfinden wird es.
    Ohne das komplette Finanz- und Wirtschaftssystem neu aufzusetzen gibt es aus meiner Sicht keine Chance mehr. Wie das aussehen wird ?
    Keine Ahnung, bin ich Jesus?
    Aber eines weiß ich: Es wird uns am Hintern verdammt warm werden.
    Alternativen: Ja klar, immer, und zwar für alles Mögliche.
    Das wird am grundsätzlichen System-Reset aber nichts ändern.
    Es bleibt interessant.

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