Krisenbewältigung
Euro-Retter wollen den IWF loswerden

Ungewöhnlich deutlich hat sich EU-Kommissionschef Barroso gegen den IWF positioniert. Und klar gemacht, dass der Währungsfonds für die Euro-Rettung nicht mehr taugt. Das sieht nicht nur Brüssel so.
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BerlinIn der Debatte um die Bewältigung der Euro-Schuldenkrise regt sich massive Kritik an der Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF). Sowohl der Chef des Euro-Krisenfonds ESM, Klaus Regling, als auch EU-Kommissionschef José Manuel Barroso wollen den IWF langfristig aus der Troika verbannen.

Der IWF mache mit seiner Kritik der Griechenland-Rettung den Stabilitätspakt lächerlich und erkläre sich selbst für die Schaffung von Wachstum zuständig, sagte Regling der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ). „Damit baut er nicht nur einen falschen Gegensatz auf. Vor allem lässt er erkennen, dass er die Regeln unserer Währungsunion nicht versteht“, fügte Regling hinzu.

Barroso sagte portugiesischen Medien in Brüssel, die „Ziele und Visionen“ des IWF stimmten nicht mit denen der EU überein. Daher sei es an der Zeit, die Zusammensetzung der Troika zu überdenken. Auch Regling plädierte dafür, die Troika aus IWF, EZB und EU-Kommission auf lange Sicht abzuschaffen. Kurz- und mittelfristig solle der IWF an Bord bleiben, weil er die größte Erfahrung mit Hilfsprogrammen habe, sagte Regling. „Aber auf Dauer müssen die Euro-Staaten solche Programme selbst stemmen.“

Regling ärgert vor allem der Umstand, dass der IWF bei seinem Krisenmanagement die Besonderheiten des Europäischen Währungsraumes nicht hinreichend beachtet. Der Euroraum mit einer einheitlichen Geldpolitik und 17 nationalen Wirtschafts- und Fiskalpolitiken könne nur funktionieren, wenn die Regeln eingehalten werden. „Wenn der IWF das nicht versteht, ist das ein großes Problem“, sagte der ESM-Chef.

Der Währungsfonds hatte in der vergangenen Woche unter anderem kritisiert, dass sich die Kommission zu sehr auf die Konformität der Reformvorgaben mit den EU-Regeln konzentriere und die Auswirkungen auf das Wachstum zu wenig beachte.

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt die neu entbrannte IWF-Debatte zur Unzeit. Denn es war einst ausdrücklicher Wunsch von Merkel, dass der Fonds auch bei der Euro-Rettung neben der EU- Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) die entscheidende Rolle spielt.

Kommentare zu " Krisenbewältigung: Euro-Retter wollen den IWF loswerden"

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  • Das „Rettungs“-Boot säuft gerade ab. Hier zeigt sich, wes Geistes Kind unsere Politiker sind: schon zeigen sie mit dem Finger auf den jeweils anderen und schreien: Du bist schuld!

    Es fällt doch irgendwie auf, dass sich in letzter Zeit die angeblich Klugen und Einsichtigen häufen, die alles schon immer und vor allem vorher gewusst haben wollen…

    Das hat – wie bereits gesagt – mit dem sinkenden Boot zu tun und mit den Ratten, die es vorher noch schnell verlassen wollen – aber natürlich auch mit der bevorstehenden Bundestagswahl.

    Im September dran denken: Alternative für Deutschland wählen.

  • Den IWF brauchen sie jetzt nicht mehr – jetzt, wo sie den vollen Durchgriff auf unser Portemonnaie haben.
    Die EZB holt sich einfach, was sie braucht. Von UNS.

    Im September dran denken: Alternative für Deutschland wählen.

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    Der Euroraum mit einer einheitlichen Geldpolitik und 17 nationalen Wirtschafts- und Fiskalpolitiken könne nur funktionieren, wenn die Regeln eingehalten werden.

    Hahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahah


    Im September dran denken: Alternative für Deutschland wählen.

  • @Apokalypse.STOPPEN

    Das liest sich wirklich toll. Leider kann man sich aber nicht auf die Qualität dieser Umfrage stützen, denn ZWEI dieser Stimmen für die Alternative für Deutschland gehören schon mir.

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