Krisengebiet Nahost
Armer, reicher Gaza-Streifen

Wer von Gaza spricht, bezieht sich fast ausschließlich auf stetig schwelende Konflikte. Die britische BP jedoch will den natürlichen Reichtum des Landstrichs nutzen und alle davon profitieren lassen. Allerdings macht sich auch in diesem Fall ein Problem bemerkbar, dass nun zu einer humanitären Katastrophe führen könnte – Gaza und das Dilemma der Abhängigkeit.

TEL AVIV. Eigentlich ist der kleine Gazastreifen ein reiches Land. Denn vor der Küste im Mittelmeer liegt ein Gasfeld, das den Palästinensern Einnahmen von einer Milliarde Dollar bescheren könnte. Die britische BG Group möchte die Vorräte heben und im Rahmen eines 15-Jahres-Vertrages an Israel verkaufen. In Grundsatzgesprächen über eine Pipeline zum israelischen Hafen Aschkelon haben Briten, Palästinenser und Israelis einen Deal ausgehandelt – doch in der Realität macht die Politik im Nahen Osten immer wieder einen Strich durch die Rechnung.

Nach dem Putsch der radikal-islamischen Hamas und der Trennung vom Westjordanland ist Gaza wirtschaftlich völlig isoliert. Das Gas-Projekt liegt vorerst auf Eis, weil die Hamas das Milliarden-Geschäft jederzeit torpedieren könnte und nicht mit Israel verhandeln will. So bleiben die Palästinenser bis auf weiteres auf Hilfe aus dem Westen angewiesen.

USA und EU konzentrieren sich aber auf die gemäßigten Palästinenser auf der Westbank, um die Position von Präsident Mahmoud Abbas zu stärken. Auch von den bisher eingefrorenen Zoll- und Steuereinnahmen, die Israels Regierung freigeben will, wird nichts nach Gaza fließen. Dort herrscht seit Jahren das Elend – und künftig könnte es noch schlimmer werden.

Die israelische Regierung will zwar eine humanitäre Katastrophe verhindern und die existentielle Grundversorgung sicherstellen. Um aber der Hamas den Garaus zu machen, will sie harte Maßnahmen durchsetzen: Gaza soll isoliert und von der Außenwelt abgeriegelt werden. Dahinter steckt Kalkül: Die von Not getriebene Bevölkerung könnte einen Regimewechsel herbeiführen, hoffen israelische Politiker.

Karni, der wichtigste Grenzübergang zwischen Gaza und Israel für Handelswaren und humanitäre Hilfe, wird nur ausnahmsweise geöffnet, wenn Lieferungen mit humanitären Gütern nach Gaza sollen. Laut Uno-Hilfswerk reicht der Vorrat an Grundnahrungsmitteln in Gaza noch höchstens zwei bis vier Wochen. Wie dramatisch die Verschlechterung bereits ist, zeigt eine Schätzung der Uno. In diesem Jahr sei die palästinensische Wirtschaftsleistung insgesamt um ein Drittel kleiner als im Jahr 2005 und falle auf das Niveau von 1991 zurück, heißt es dort. Bereits vor einem Jahr lebten demnach 80 Prozent der Haushalte in Gaza in Armut; die Arbeitslosigkeit wird auf über 50 Prozent geschätzt, was Experten auf die Abschottung des Gazastreifens und den Wirtschaftsboykott seit März 2006 zurückführen.

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