Krisengespräche
Verhärtete Fronten zwischen Nord- und Südkorea

Nordkorea muss sich entschuldigen – auf dieser Forderung besteht der Süden auch am dritten Tag der Krisengespräche. Pjöngang sieht dafür keinen Anlass und stellt auf stur. Eine Entspannung ist weiterhin nicht in Sicht.
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SeoulIm zähen Ringen um einen Ausweg aus der Krise auf der koreanischen Halbinsel scheinen die Fronten zwischen Süd- und Nordkorea verhärtet. Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye forderte am Montag von Nordkorea eine klare Entschuldigung für die jüngsten Grenzzwischenfälle. Sie verlangte außerdem die Zusage, künftig Provokationen zu unterlassen. Erst dann werde Seoul seine Lautsprecher-Propaganda gen Norden wieder einstellen, sagte sie bei einem Treffen mit ihren Beratern.

Hochrangige Vertreter beider Länder berieten indes im Grenzort Panmunjom den dritten Tag nacheinander über eine Entspannung. Die Gespräche, die am Samstag begonnen hatten, waren nach einer ersten ergebnislosen Runde am Sonntag wieder aufgenommen worden. 

Das Treffen begann kurz nach Ablauf eines Ultimatums von Nordkorea. Das kommunistische Regime in Pjöngjang hatte Seoul aufgefordert, die Beschallungsaktion an der Grenze binnen 48 Stunden zu beenden. Es drohte mit Militärschlägen, setzte die Grenztruppen in Gefechtsbereitschaft und rief einen „Quasi-Kriegszustand“ aus.

Als Vergeltung für die Verletzung eigener Soldaten durch mutmaßlich nordkoreanische Landminen Anfang August hatte Südkoreas Militär vor kurzem seine Beschallungsaktion über die Grenze wieder aufgenommen. Nordkorea bestreitet den Vorwurf, die Minen auf südkoreanischer Seite der entmilitarisierten Zone vergraben zu haben. 

Die Spannungen verschärften sich nach einem Schusswechsel zwischen Artillerieeinheiten beider Länder an der Grenze am vergangenen Donnerstag. Auch dafür gibt Seoul dem Nachbarland die Schuld. Nordkorea warf dem Süden seinerseits Provokation vor.

Die USA hatten angesichts der jüngsten Krise bekräftigt, ihrem Bündnispartner Südkorea beizustehen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul erklärte am Montag, beide Seiten erwögen die Verlegung von „strategischen militärischen Mitteln der USA“ nach Südkorea. Die nationale Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, dass Langstreckenbomber und Tarnkappenbomber als Optionen dafür infrage kämen. Eine Bestätigung dafür gab es nicht.

Südkoreas Streitkräfte berichteten von ungewöhnlichen Bewegungen der nordkoreanischen Streitkräfte. Unter anderem habe Nordkorea seine Artillerieeinheiten an der Grenze verdoppelt und mehr als 50 U-Boote in Bewegung gesetzt. Auch habe Südkorea Hinweise, dass die Volksarmee zahlreiche Luftkissen-Landungsboote in die Nähe der westliche Seegrenze verlegt habe, berichtete Yonhap. 

Der Konflikt zwischen beiden Staaten schwelt seit Jahrzehnten. Seit dem Ende des Koreakriegs (1950-53) kam es immer wieder zu militärischen Zwischenfällen an der Landes- und Seegrenze. 

Zu den Gesprächen schickte Nordkorea den höchsten politischen Offizier der Volksarmee und die inoffizielle Nummer zwei hinter Machthaber Kim Jong Un, Hwang Pyong So, sowie den für Südkorea-Fragen zuständigen Parteisekretär Kim Yang Gon. Auf südkoreanischer Seite nehmen der Nationale Sicherheitsberater Kim Kwan Jin und Vereinigungsminister Hong Yong Pyo am Treffen teil.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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