Krisengipfel in Wien
Jetzt greifen US-Spezialeinheiten in Syrien ein

Der Syrien-Krisengipfel in Wien hat keinen Durchbruch gebracht, aber die Verhandlungen sollen weitergehen. Die USA wollen erstmals Bodentruppen schicken. Das passt Russland überhaupt nicht.
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WienAls Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am Freitagabend im Wiener Cafè Imperial die ganztätigen Verhandlungen zu Syrien zusammenfasste, machte er aus seiner vorsichtigen Zuversicht keinen Hehl. „Das war kein Durchbruch. Es war aber eine überraschend offene und konstruktive Diskussion“, berichtete Steinmeier.

Um den jahrlangen Bürgerkrieg in Syrien zu beenden, soll eine Übergangsregierung unter Einbeziehung aller ethnischen Gruppen gebildet werden, um den weiteren Zerfall des Landes zu stoppen. Danach sollen laut Steinmeier Wahlen unter Aufsicht der Vereinten Nationen erfolgen und ein Verfassungsprozess eingeleitet werden.

Hinter verschlossenen Türen tagten am Freitag die USA, Russland und weitere 17 Delegationen im Wiener Hotel Imperial – es ging um die Frage, wie der syrische Bürgerkrieg beendet werden kann. Die zentrale Botschaft: Die USA greifen nach viereinhalb Jahren erstmals mit Bodentruppen in den syrischen Bürgerkrieg ein. In Wien sickerte die Nachricht durch, aus Washington kam schließlich die Bestätigung.

US-Präsident Barack Obama ordnete die Entsendung von „weniger als 50“ Kommando-Soldaten nach Nordsyrien an, verlautete aus Regierungskreisen. Sie sollen mit örtlichen Bodentruppen im Kampf gegen Extremisten der Terrormiliz Islamischer Staat zusammenarbeiten. Russland warnte die USA allerdings vor dem Einsatz von Bodentruppen. Dies sei „inakzeptabel“, zitierten russische Nachrichtenagenturen den russischen Vize-Außenminister Sergej Rjabkow.

Wie groß die Erwartungshaltung an die Syrien-Friedensgespräche war, ließ sich am Konferenzort Wien an der Zahl der Fernsehkameras beobachten. Mehr als 50 Kameras bauten sich vor dem Eingang des Hotels Imperial auf. Auf der anderen Straßenseite demonstrierte am Freitagnachmittag eine Gruppe von rund 80 Syrern, die immer wieder „Assad Mörder“ skandierte und syrische Fahnen mit der Aufschrift „Freedom“ schwenkte.

Über das Schicksal des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, der von Russland massiv unterstützt wird, ist in Wien allerdings nicht entschieden worden. Während die USA, aber auch Deutschland, Frankreich und Saudi-Arabien auf eine schnelle Ablösung des Diktators drängen, stärken ihm Russland und der Iran den Rücken.

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  • Der Flüchtlingsstrom kommt, weil sich keiner traut, den IS wirklich zu bekämpfen. Krieg kommt nun mal innenpolitisch nicht gut an. Hier ist er aber meiner Meinung nach notwendig. Man kann herumargumentieren, dass in der Vergangenheit Dinge falsch liefen, aber im hier und jetzt braucht es eine harte Reaktion gegen den IS. Meinetwegen können das auch die Russen übernehmen, aber GB/FR, hauptsache es macht jemand. Von daher bin ich sehr froh zu lesen, dass endlich etwas passiert. Daher auch von mir: viel Erfolg @ USA.

  • Chapeau!
    Da denken wir beide deckungsgleich. Die Hütte D muss so voll werden, dann kommen wir zum Zug.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht.

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