International
Krisengipfel soll Kongo-Konflkt schlichten

Tausende hungern, fliehen vor der Gewalt im Osten der Demokratischen Republik Kongo. EU-Vertreter reisten nun in die Region. Ein internationaler Krisengipfel soll helfen, den Konflikt zu beenden.

HB KINSHASA. Kongos Präsident Joseph Kabila und Ruandas Staatschef Paul Kagame sagten ihre Teilnahme an einem Friedensgipfel in der kenianischen Hauptstadt Nairobi zu, wie EU-Entwicklungskommissar Louis Michel am Freitagabend mitteilte. Es wäre das erste Mal, dass Kabila und Kagame auf einem Gipfel zusammentreffen. Die Außenminister Frankreichs und Großbritanniens, Bernard Kouchner und David Miliband, reisten am Samstag in die Region. In der östlichen Grenzprovinz Nord-Kivu harrten tausende Flüchtlinge weiter hungernd auf den Straßen aus.

An dem Gipfel in Nairobi sollten die Staats- und Regierungschefs der Region sowie Vertreter der internationalen Organisationen teilnehmen, erklärte EU-Kommissar Michel in Kinshasa. Kabila und Kagame hätten ihre Bereitschaft signalisiert, an einem ranghohen Treffen zur Beilegung des seit mehr als zehn Jahren anhaltenden Konflikts im Osten Kongos teilzunehmen. Es gebe einen "ehrlichen Willen", die Gründe für die Krise in der Region zu beseitigen, erklärte Michel.

Miliband und Kouchner trafen in Kinshasa mit Kabila zusammen. Sie hätten den kongolesischen Präsidenten ermahnt, bereits geschlossene Friedensabkommen auch umzusetzen, sagte Miliband. "Die Welt beobachtet mit Sorge, dass hier eine humanitäre Krise entsteht." Eine Fortsetzung des Sterbens und Tötens müsse mit politischen Mitteln verhindert werden. Kouchner beschrieb die Situation in Nord-Kivu als "Massaker".

Der britische Außenminister und sein französischer Kollege fuhren im Anschluss zu Gesprächen mit Provinzpolitikern und UN-Vertretern nach Goma weiter. In der Provinzhauptstadt Nord-Kivus hatten die Kämpfe zwischen Armee und Rebellen in den vergangenen Tagen zehntausende Menschen in die Flucht gezwungen. Danach sollten die beiden Minister in der ruandischen Hauptstadt Kigali mit Kagame zusammentreffen. Die dortige Regierung hatte sich eigentlich verpflichtet, die von Laurent Nkunda angeführte Rebellion im Nachbarland nicht mehr zu unterstützen. Nkunda gehört wie die ruandische Regierung der Volksgruppe der Tutsi an.

Im Fall des Scheiterns der diplomatischen Bemühungen wollte London einen EU-Militäreinsatz erneut nicht ausschließen. Sollte der Vormarsch der Rebellen nicht gestoppt werden können, müsse zunächst eine UN-Truppe aus anderen Landesteilen in die Krisenregion entsandt werden, sagte Mark Malloch-Brown vom britischen Außenministerium der BBC. Reiche auch dies nicht aus, könne die EU "nicht abwarten und zusehen, wie die Gewalt eskaliert". Die EU-Staaten hatten am Freitag in Brüssel die Entsendung einer EU-Truppe in den Kongo vorerst abgelehnt, unter anderem Deutschland setzt derzeit prioritär auf die Diplomatie.

In Goma hielt der von den Rebellen angeordnete Waffenstillstand zwar an, die Lage blieb jedoch angespannt. In der 75 Kilometer von Goma entfernten Stadt Rutshuru wurden rund 300 uruguayische und indische Blauhelme in einer Militärbasis den zweiten Tag in Folge von Aufständischen belagert. Die Rebellen kontrollierten nach Angaben eines AFP-Reporters das Zentrum der Stadt und begannen mit dem Aufbau einer Verwaltung.

Tausende Flüchtlinge säumten auch am Samstag die Straßen in der Umgebung von Goma. Ihre Lage war verzweifelt: Die Menschen verbrachten die Nacht ohne Decken am Straßenrand, es fehlte an Essen und Nahrungsmitteln.

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