Krisenkanzlerin Merkel
Die Euro-Gesundbeterin

Angela Merkel und andere europäische Regierungschefs beteuern, alles, aber auch wirklich alles für den Erhalt des Euro tun zu wollen. Die Deutschen aber können der Politik ihrer Kanzlerin nicht allzu viel abgewinnen.
  • 133

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel hat sich aus dem Urlaub heraus um ein beruhigendes Signal in der Schuldenkrise bemüht. Merkel hatte mit Italiens Ministerpräsident Mario Monti telefoniert. Die beiden Regierungschefs seien sich einig, "dass Deutschland und Italien alles tun werden, um die Euro-Zone zu schützen", erklärte daraufhin Vize-Regierungssprecher Georg Streiter. Beide betonten, dass die Beschlüsse des letzten Euro-Gipfels zur langfristigen Sicherung der Euro-Zone rasch umgesetzt werden müssten. Mit einer fast gleichlautenden gemeinsamen Erklärung hatten sich Merkel und der französische Präsident Francois Hollande am Freitag zu Wort gemeldet. Zuvor hatte bereits der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, beteuert, alles für den Erhalt der Gemeinschaftswährung tun zu wollen.

CSU-Chef Horst Seehofer warnte derweil im ZDF davor, mit einem Aufkauf von spanischen Staatsanleihen durch die EZB den Bundestag zu umgehen. Seehofer schloss sich zudem der umstrittenen Äußerung von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) an, dass ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone seinen Schrecken verloren habe. Zunächst müsse aber der Bericht der internationalen Troika zum griechischen Reformprogramm abgewartet werden. Athen war bemüht, mit einem neuen Sparplan die Staatspleite abzuwenden und die Troika positiv zu stimmen.

Deutschland und Italien seien sich einig, dass die Beschlüsse des letzten EU-Gipfels zur langfristigen Sicherung der Euro-Zone rasch umgesetzt werden müssten, teilte die Bundesregierung am Sonntag nach dem Telefonat vom Samstag mit. Mit einer fast gleichlautenden gemeinsamen Erklärung hatten sich Merkel und der französische Präsident Francois Hollande am Freitag zu Wort gemeldet. Zuvor hatte bereits der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, beteuert, alles für den Erhalt der Gemeinschaftswährung tun zu wollen. In der zweiten Augusthälfte will Monti die Kanzlerin in Berlin besuchen.

Im vom Euro-Ausschluss bedrohten Griechenland verständigte sich die Regierungskoalition Kreisen zufolge auf ein neues Sparpaket. Über den größten Teil der Einsparungen in Höhe von 11,5 Milliarden Euro herrsche in der Regierung Einigkeit. Wie aus dem griechischen Finanzministerium verlautete, verschob die Troika aus EU-Kommission, EZB und Internationalem Währungsfonds ihre Abreise aus Athen. Der Sparplan solle zuerst unter Dach und Fach gebracht werden.

Mit dem Paket reagieren die Griechen auf die wachsende Ungeduld der internationalen Geldgeber und der deutschen Politik. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schloss neue Hilfen aus. Einen weiteren Schuldenerlass lehnte er ab. Der Minister, der am Montag im Urlaub auf Sylt mit dem US-Kollegen Timothy Geithner über die Schuldenkrise berät, kritisierte die auch durch Rösler angeheizte Debatte über einen Euro-Austritt Griechenlands. Dieser bekräftigte, ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro wäre keine Katastrophe. Letztlich müsse die Entscheidung "Griechenland dann selber treffen", sagte der FDP-Politiker. "Ich habe nur festgehalten, dass ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone eben seinen Schrecken verloren hat - für viele Fachleute, für die FDP und für mich."

Seehofer sagte dazu in einem ZDF-Interview am Sonntag: "Ich gebe dem Philipp Rösler uneingeschränkt Recht." Griechenland müsse die Bedingungen einhalten. "Wenn sie sie nicht einhalten, (...) dann kann es auch keine Hilfen geben", betonte Seehofer.

Seite 1:

Die Euro-Gesundbeterin

Seite 2:

Kein Ankauf von Spanien-Bonds

Kommentare zu " Krisenkanzlerin Merkel: Die Euro-Gesundbeterin"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • O-Ton 'Aufruhr'
    --------------------
    @Rechner
    "Guthaben bei der EZB sind genauso gut wie Bargeld."

    Wenn es nicht so unendlich traurig wäre, wie Deutschland geplündert wiord, wäre diese Bemerkung der Witz der Woche. Die Forderungen an die EZB sind NICHTS, aber absolut GAR NICHTS mehr wert, wenn Deutschland zahlungsunfähig wird und damit der Euro endgültig fällt.
    --------------------

    LOL!

    WENN Deutschland zahlungsunfähig werden sollte, dann ist es gehupft wie gesprungen, ob beliebige Forderungen wertlos sind oder in die Konkursmasse kommen.

    WENN der Euro wertlos werden sollte, dann kann das der Bundesbank relativ egal sein. Sie hat dann ihr Eigenkapital (132 Mrd) verloren - aber auch all ihre Forderungen UND Verbindlichkeiten. Das heißt - sie ist NICHT überschuldet. Ich werde ihr dann persönlich einen Schweizer Franken spendieren, und sie damit rekapitalisieren.

    O-Ton 'Aufruhr'
    --------------------
    Rechner ist offenbar von Schäubles Marketingabteilung zwecks Desinformation abgestellt worden. Das ist ja wohl das Allerletzte in diesem Forum. Nicht genug damit, dass man sich diesen Sch... von der Regierung täglich bieten lassen muss, jetzt platzieren die ihre Lügenpropaganda auch noch als Leserbrief!
    --------------------

    Und Sie sind offenbar vom CIA zwecks Desinformation abgestellt worden.

    Unglaublich , daß man sich diesen Sch... von der internationalen Finanzmafia täglich bieten lassen muss, jetzt platzieren die ihre Lügenpropaganda auch noch als Leserbrief!

  • Banken führen Krieg gegen die Völker Europas

    http://www.youtube.com/watch?v=9qcun3_T_f8

    Herr Lafontaine in einer großartigen Rede.

  • Die Krise kann durch Rettungsschirme und Aufkäufe nicht gelöst werden. Das europäische Volk hat die ständigen Lügen satt. Und müssen wir uns ständig von den arroganten Plotikern bedrohen lassen.

    1. Die Banken zocken munter weiter, und nichts hat sich geändert. Statt in Brüssel den verkrüppelten Fiskalpakt und den nimmersatten ESM zu installieren, wurde die notwendige Regulierung der Banken nicht realisiert.

    2. Die Krise ist nur von wenigen gewollt, um maximal Kapital aus der Bevölkerung abschöpfen. Hier fließt das Kapital ohne ende in Kanäle die kein Mensch überprüfen kann. Das ist Wahnsinn. Viele Ökonomen und Politiker spielen sich als Zuhälter des Kapitals auf.

    3. Eine Währungs-Abwertung zu den Saaten um die Wirtschaftsunterschiede auszugleichen, ist aufgrund der Gemeinschaftswährung dem Euro nicht möglich. Diese Möglichkeit würde der „Südeuro“ und der „Nordeuro“/Euro bieten. Aber, langsam erhärtet sich der Eindruck, dass es nur noch die einzelnen Nationalwährungen richten können. Die Politiker reagieren langsamer als Schnecken.

    4. Die europäische Bevölkerung will den Euro so nicht mehr haben. Die zunehmende Gewissheit wie die soziale Marktwirtschaft in Deutschland, mit dem erbärmlichen Euro, den Bach runter geht ist erschreckend.

    5. Die wenigen Vorteile nach der Einführung vom Euro kehren sich permanent und massiv um. Die Wirtschaft, besonders die Banken haben für den Euro getrommelt. Das Volk wurde nicht gefragt. Die Demokratie wurde von Anfang an untergraben.

    6. …

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%