Krisenländer korrigieren Statistik

Griechenlands Defizit höher als erwartet

Nicht nur Athen hat immer noch Probleme mit der staatlichen Buchhaltung. In allen Krisenländern muss das Haushaltsdefizit für 2011 revidiert werden - nach oben. Dagegen kann sich Deutschland über bessere Zahlen freuen.
Update: 22.10.2012 - 14:21 Uhr 27 Kommentare
Demonstranten protestieren vor dem Parlament gegen den harten Sparkurs der Regierung. Quelle: dpa

Demonstranten protestieren vor dem Parlament gegen den harten Sparkurs der Regierung.

(Foto: dpa)

Das griechische Defizit 2011 ist höher ausgefallen als erwartet. Wie Eurostat und die griechische Statistikbehörde Elstat am Montag in Athen mitteilten, lag die Neuverschuldung nach vorläufigen Zahlen bei 9,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) und die Gesamtverschuldung bei 170,6 Prozent des BIP. Im April war das Statistikamt für das vergangene Jahr noch von 9,1 Prozent und 165,3 Prozent ausgegangen.

Die internationalen Vorgaben für das vom Bankrott bedrohte Land sehen vor, dass Griechenland bis zum Jahr 2020 wieder einen Gesamtschuldenstand von 120 Prozent erreicht, davon scheint sie nun weiter entfernt denn je.

Die griechische Reformbilanz im Überblick. Hier klicken.

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Die Regierung in Athen will im November weitere Kürzungsmaßnahmen durchs Parlament bringen, um die Forderungen der Gläubiger-Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) zu erfüllen. Athen soll ein Sparpaket im Umfang von 13,5 Milliarden Euro vorlegen, damit die Troika die dritte Kredittranche über 31 Milliarden Euro aus dem insgesamt 130 Milliarden Euro schweren Hilfspaket freigibt. Der Bericht der Troika über den Stand der Umsetzung der Spar- und Reformvorgaben in Griechenland steht noch aus.
Auch in anderen Euro-Krisenstaaten waren die Defizite 2011 größer als bisher erwartet. Laut Eurostat lag das tatsächliche Defizit in Spanien mit ebenfalls 9,4 Prozent fast einen ganzen Prozentpunkt höher als die bisher angenommenen 8,5 Prozent. In Portugal gab es 4,4 statt 4,2 und in Irland 13,4 statt 13,1 Prozent Defizit.

Insgesamt aber sanken die Defizite in allen 17 Euro-Staaten auf 4,1 (2010: 6,2) Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Verschuldung stieg jedoch von 85,4 (2010) auf 87,3 Prozent im Jahr 2011.

Eurostat korrigierte - wie üblich - am Montag die im Frühjahr veröffentlichten vorläufigen Zahlen des Jahres 2011.

Deutschlands Defizit lag im vergangenen Jahr bei 0,8 Prozent des BIP. Im Frühjahr war Eurostat noch von 1,0 Prozent ausgegangen. Der Rückgang beruhe auf „aktualisierten Datenquellen“ für Ausgaben und Einnahmen der Länder und Gemeinden. Auch die Verschuldung Deutschlands war Ende 2011 mit 80,5 Prozent des BIP etwas niedriger als die bisher erwarteten 81,2 Prozent. Nur in Luxemburg (0,3) und Finnland (0,6 Prozent) war das Budgetdefizit noch geringer.

Im vergangenen Jahr lag laut Eurostat in 17 der 27 EU-Staaten das Haushaltsdefizit höher als die erlaubten 3,0 Prozent. In 14 Mitgliedstaaten war der Anteil der Schulden am Bruttoinlandsprodukt größer als die erlaubten 60 Prozent. Der Schuldenstand der 17 Euro-Staaten betrug Ende 2011 8,2 Billionen Euro. Alle 27 EU-Staaten gemeinsam kamen auf 10,4 Billionen Euro. In der EU stieg der Anteil der Schulden am BIP damit innerhalb eines Jahres von 80,0 auf 82,5 Prozent.

  • dpa
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27 Kommentare zu "Krisenländer korrigieren Statistik: Griechenlands Defizit höher als erwartet"

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  • Richtig, all das wäre unnötig und auch für das griechische Volk leichter zu ertragen, wenn Griechenland die €-Zone verließe oder schon verlassen hätte!
    Das Festhalten an der €-Zone im heutigen Bestand ist nicht haltbar auf Dauer; wann begreifen das endlich auch unsere Politiker?

  • Das ganze Theater kann man einfach nicht mehr kommentieren.
    Was erhofft sich die Deutsche Politkaste?
    Europa kann nur gerettet werden, wenn man das "Projekt"
    gemeinsame Währung = Euro endlich beerdigt.
    Zurück zu den Nationalen Währungen und dem ECU,
    Enteignung und Haftung der verantwortlichen Banksterkaste.
    Das Geeiere unserer Politiker wird immer ekelhafter.
    Die Inflation steigt, die Renten sinken und Zinsen für
    die -durch die Euroeinführung- halbierten Ersparnisse gehen
    auf NULL! Die Politkaste langt weiter zu, Pensionen und
    Nebeneinkünft in fürstlicher Höhe! Wohin soll das führen?
    Volksaufstand, Krieg?
    Wehe wenn hier nicht bald was geändert wird; die Laternen-
    pfosten werden voll sein von diesen Tagedieben.

  • @es_stimmt_einfach_nicht
    "In dem Zusammenhang wäre es auch mal interessant zu erfahren, warum nicht nur Schäuble und Kanzlerin so eine sture Haltung vertreten, sondern auch die CSU deutliche Zeichen von plötzlicher Meinungsänderung zugunsten Griechenlands von sich geben."

    Na ja, wegen der BT-Wahl naürlich. Nur gemeinsam sind sie stark, die CDU und die CSU. Und gegen GR gestänkert hat man doch jetzt genug, nicht wahr? Die €-Rettungsgegner werden der CSU nun sicher treu beiben und nicht zur schlimmen schlimmen Partei "Freie Wähler" wechseln. Die denken jetzt doch, dass auch die CSU gegen die €-Rettung ist... hahaha... angeschmiert.

    Im Ernst: nächstes Mal besser wählen. Nicht die CDU, die CSU, nicht die SPD und auch nicht die FDP oder die Grünen. Nicht mal die Linken, denn die geben unser Geld den Griechen direkt, ohne Umweg über die Banken. Die Schulden bleiben dann trotzdem bestehen und wir dürfen dank Bürgschaft selbst bezahlen.
    Also - die bitte ALLE nicht. Sondern die Freien Wähler. Hinter denen steht die Wahlalternative 2013. Die sind gegen die Rettungsmaßnahmen und sie kritisieren nicht nur, sondern bieten auch gleich eine gute Handlungsalternative an.
    Wenn Haare in der Suppe sind - nicht ärgern, sondern drüber wegsehen. Nur wenn es alle Rettungsgegner schaffen, sich zu einigen, haben wir eine Chance!

  • Bin ganz deiner Meinung, Hardliner1. Mich dünkt, dass die Troika und die Brüsseler Elite seit Jahrzehnten einfach noch nicht die Grundrechenarten des Adam Riese beherrschen und meinen Pythagoras, Thales, Archimedes, Aristarchos auf die Schliche zu kommen. Vielleicht befragt man doch besser gleich das Orakel der Pythia.

  • tarnen- täuschen-trixen. nun hat sich ganz europa mit seinen bürokratien+troika auf griechenland konzentriert und dann weiss man immer noch nicht wo griechenland genau steht. wer ist unfähiger der tauscher oder die getäuschten?
    übrigens hat es griechenland geschafft, dass die troika sich für die sanierung des landes verantwortlich fühlt- griechenland selbst spielt immer noch auf zeit und verwässerung.will griechenland überhauptr gerettet werden?

  • Die Zukunft:
    1. Noch vorhandenes Kapital wird an die Euroretter/Banken durchgereicht. Das Geld wird bei Renten, Infrastruktur, Forschung und Bildung fehlen. Aber wer braucht schon Bildung, Forschung oder Infrastruktur solange man genuegend Zocker Banken hat?
    2. Wir haben eine Umverteiling in 2 Richtungen. Vom Fleissig nach Faul und von Fleissig nach Reich. Dies fuehrt dazu das Faul und Reich sich Dank dieser Umverteilung ungehemmt vermehren koennen, waehrend Fleissig in seiner Moeglichkeit Nachwuchs zu erzeugen stark gehemmt ist. Kurzfristig ist dies natuerlich vorteilhaft fuer Faul und Reich, langfristig schlachtet man jedoch die Kuh die man eigentlich melken wollte. Langfristig ist heute wesentlich naeher als die meisten denken. ...und jetzt alle zusammen, "Die Renten sind sicher!"
    3. Die obrikeitshoehrigen Deutschen hassen ihre Nationalitaet wie kein anderes Land auf der Welt, wegen der Verganagenheit und so. Ein Land was aus "politischer Korrektheit" prinzipell fast nur Entscheidungnen gegen seine eigenen wirtschaftlichen und politischen Interessen trift ist zu wirtschaftlichen Niedergang verurteilt.
    Fazit, es gibt in D zu viele Probleme die sich einfach nicht loesen lassen. D hat fertig und wenn D fertig hat ist das Reich der Euroretter auch verloren. Bleibt nur auswandern solange das noch moeglich ist. Jeder Bauer wird irgendwann bessere Zauene bauen wenn er merkt das ihm sein Nutzvieh davon laueft, siehe DDR.

  • Empfehlenswert: www.zivilekoalition.de
    Wenn wir schon nicht den Hintern für Proteste hochkriegen, dann wenigsten klicken!

  • Die Antwort ergibt sich aus unserer Staatsform (da Deutsche nicht revoltieren, können 50 Aufrechte nix an dieser Staatsform machen): Eine Partei wählen, die Interessen der Aufrechten bestmöglich vertritt. Da deren Wählerschaft überschaubar bleiben wird, bleibt in letzter Konsequenz auswandern, solange das noch erlaubt ist (in der Ostzone war es verboten, bald ist es hier auch soweit). Love it, change it, or leave it.

  • Tja, wo sind die deutschen Gewerkschaften. Zumindest ganz ruhig, wenn das Vermögen von deutschen Arbeitnehmern ins europäische Ausland transferiert wird. Dafür zahlen die AN dann auch noch Gewerkschaftsbeitrag. Vielleicht solllte der Michel sich mal um Wirtschaft kümmern und nicht nur Sportschau, Wetten das, und DSDs schauen. . Macht er sicher noch, auch die Medien - aber dann ist es ganz zu spät.

  • "auf die Strasse gehen" muss organisiert werden!
    Fragen Sie mal die Parteien und die Gewerkschaften, warum beim Euro- und Schuldenprotest Windstille herrscht?

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