Krisenländercheck (Teil 4)
Italiens langes Leiden

Italien hat im Zuge der Euro-Krise keinerlei Hilfen bekommen. Trotzdem gehört das Land zu den Krisenstaaten, denn es steckt noch immer tief in der Rezession. Doch das ist nicht Italiens einziges Problem.
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MailandNein, Italien ist nicht Griechenland. Aber ja, Italien hat viele Probleme. Das Mittelmeerland gehört zwar nicht zu den Ländern, die von der EU gerettet werden mussten. Im Gegenteil: Die Italiener mussten genauso viel für die Rettung der anderen Euro-Länder zahlen wie die Deutschen. Dennoch ist es nicht gut gestellt um Italien.

Das Land steckt noch immer in der längsten Rezession seit der Nachkriegszeit. Die Arbeitslosigkeit ist vor allem unter den jungen Menschen hoch. Die Binnennachfrage liegt am Boden. Besonders im Süden ist die Lage dramatisch. Während exportorientierte Unternehmen die Krise meistern, mussten viele Firmen, die auf den Heimatmarkt angewiesen waren, schließen.

Die Ökonomen rechnen erst im vierten Quartal dieses Jahres wieder mit einem zaghaften Wachstum für die drittgrößte Wirtschaft der Euro-Zone. Für das kommende Jahr sagt die Regierung in Rom ein Wachstum von einem Prozent voraus. Die meisten Ökonomen gehen jedoch eher von 0,5 Prozent aus. Italiens Problem: Das Land tritt auf der Stelle.

Anders als in Deutschland haben die Banken in Italien die Finanzkrise ursprünglich überstanden. Keine von ihnen musste gerettet werden, weil sie Subprime-Titel im Portfolio hatte. Nur die Banca Monte dei Paschi hat vier Milliarden Euro erhalten, die aber vor allem auf hausgemachte Probleme zurückzuführen sind. Dennoch leiden auch Italiens Banken mittlerweile unter der Rezession auf dem Heimatmarkt. Außerdem haben sie naturgemäß viele italienische Staatsanleihen in ihren Büchern und die hatten vor allem auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise deutlich an Wert verloren. Das schlägt sich in weniger Krediten für die Unternehmen wieder und das bremst wiederum weiter die Wirtschaft.

Italiens Glück im Unglück ist, dass das Land mehr als ein Jahr von Mario Monti mit einer Art Notstandsregierung aus politikfernen Fachleuten geführt wurde. Er wurde gerufen, als im Herbst 2011 die Staatsschuldenkrise die Märkte in Panik versetzte und Silvio Berlusconi seinen Posten als Regierungschef aufgeben musste. Unter Monti ging das Land mehrere wichtige Reformen an: die Rentenreform, die Arbeitsmarktreform, einzelne Liberalisierungen und den Bürokratieabbau. Wenn auch nicht alles perfekt gelaufen ist, so sind doch damit die Grundsteine für eine langfristige Stabilität gelegt. Kurzfristig dagegen hat Monti den Haushalt vor allem mit noch höheren Steuern finanziert. Das Ergebnis: Er würgte die Konjunktur weiter ab.

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