Krisenland Spanien
Rajoy liebäugelt mit EZB-Hilfen

Spanien liebäugelt zwar mit Hilfen der EZB, lehnt aber ein komplettes Hilfsprogramm mit der Aufsicht durch die Europäische Zentralbank ab. Regierungschef Rajoy zeigte sich allerdings offen für eine Prüfung durch den IWF.
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HelsinkiSpanien liebäugelt mit der in Aussicht gestellten EZB-Schützenhilfe, sperrt sich aber weiter vehement gegen ein komplettes Euro-Rettungsprogramm. Das machte Ministerpräsident Mariano Rajoy in am Mittwoch veröffentlichten Interviews mit finnischen Zeitungen deutlich. Für ihn kommt demnach zwar grundsätzlich infrage, Unterstützung im Rahmen des Anleihenkauf-Programms der Europäischen Zentralbank (EZB) zu beantragen. Ein umfassendes Hilfspaket mit weitreichenden Auflagen der Geldgeber aus Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) - wie im Falle Griechenlands, Irlands und Portugals - lehnt er dagegen weiter ab.

"Zusätzlich zum Wachstum ist die einzige Option, die ich erwäge, eine Verwendung des von der Zentralbank angekündigten Mechanismus", sagte Rajoy dem Blatt "Helsingin Sanomat". "Es ist völlig ausgeschlossen, dass wir um ein Rettungsprogramm für das ganze Land bitten", betonte er im Gespräch mit der Zeitung "Kauppalehti". "Ich bin bereit, das Defizit zu senken. Aber andere können nicht entscheiden, wie es reduziert wird."

Für seine angeschlagenen Banken hat sich Spanien bereits europäische Hilfsgelder von bis zu 100 Milliarden Euro gesichert. Rajoy hat eigenen Worten zufolge grundsätzlich nichts dagegen, dass der IWF überprüft, ob das Land sich an Bedingungen für eine Unterstützung hält. "Der IWF überwacht unsere Wirtschaft bereits", sagte er.

Die EZB hatte am Donnerstag ihr Bond-Programm angekündigt, mit dem die Refinanzierungskosten kriselnder Euro-Staaten gesenkt werden sollen. Bedingung dabei ist aber, dass die Staaten unter die Euro-Rettungsschirme schlüpfen und damit verbundene Reformauflagen akzeptieren. Rajoy wiederholte, seine Regierung werde sich sorgfältig anschauen, welche Folgen mit dem EZB-Programm verbunden seien. Mit seinen Äußerungen deutete er an, dass sich Spanien um ein vorbeugendes Hilfsprogramm bemühen könnte. Danach könnten die Euro-Rettungsschirme spanische Staatsanleihen kaufen, ohne dass das Land sich von den Kreditmärkten zurückzieht. Die Auflagen eines derartigen Programms wären weniger scharf und die Kosten für die Hilfsfonds geringer.

Italiens Ministerpräsident Mario Monti hatte am Wochenende unterstrichen, sollte die EZB italienische Staatsanleihen kaufen, würde die Regierung in Rom keine Auflagen akzeptieren, die über die mit der EU-Kommission vereinbarten Ziele hinausgingen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Krisenland Spanien: Rajoy liebäugelt mit EZB-Hilfen"

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  • jetz brauch er ja keine auflagen mehr der ESM kommt....
    damit hat sich alles erledigt...

    nun sind die D mal dran mit generalstreik

  • Ganz einfach: Keine Auflagen keine Hilfen!

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