Krisenmanagement
Gustav als Chance zur Profilierung

Mit einer Reihe von Blitzentscheidungen hat die republikanische Partei auf den Hurrikan Gustav reagiert, der gestern die Südküste der USA um New Orleans erreicht hat.

ST. PAUL. Der Parteitag in Minneapolis/St. Paul, auf dem Spitzenkandidat John McCain nominiert werden soll, wurde auf ein Minimum reduziert. Stattdessen versuchen die Republikaner, in der Naturkatastrophe um New Orleans Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. McCain selbst reiste in das Krisengebiet wie auch seine Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin, Sarah Palin.

McCain sagte, es sei jetzt Zeit, "den republikanischen Hut ab- und den amerikanischen Hut aufzusetzen". Für Parteipolitik sei in einer solchen Situation kein Platz, erklärte McCain. Der Senator aus Arizona sowie führende Republikaner riefen die Großspender der Partei dazu auf, Geld für die Betroffenen der Katastrophe zu geben.

Dabei ist weiterhin unklar, ob McCain und Palin unter den neuen Umständen überhaupt auf dem Parteitag auftreten werden. Präsident George W. Bush sowie Vizepräsident Dick Cheney hatten ihren Besuch in St. Paul bereits zuvor abgesagt. Auch in den kommenden Tagen wollen die Wahlkampfmanager den Verlauf des Parteitags von "Gustav" abhängig machen.

Einerseits verlieren die Republikaner durch den Hurrikan eine Woche lang konzentriertes Medien-Interesse. Andererseits aber könnte der Wirbelsturm den Republikanern auch in die Hände spielen. Nachdem während des Hurrikans Katrina vor drei Jahren das gezeigte Missmanagement der Regierung Bush außerordentlich geschadet hatte, besteht nun die Chance, diesen Imageschaden wieder etwas zu korrigieren.

Barry Casselmann, Politikexperte aus Minneapolis, sieht im Wegfall der Auftritte von Bush und Cheney auf dem Parteitag sogar einen Vorteil: "Mit der scheidenden Regierung haben viele Republikaner ihre Probleme. Dass der Präsident und sein Vize nun nicht kommen entledigt die Partei eines Problems." Bill Kristol von der konservativen Wochenschrift "Weekly Standard", teilt diese Meinung. "Ein knapper und kurzer Parteitag kann für die Republikaner am Ende viel besser sein."

Kristol sagte in St. Paul, dass es im Wahlkampf "nur um die Botschaft geht, die am Wahltag selbst wahrgenommen wird". Wer in der einen Woche das bessere Medienecho habe und wer in der anderen sei dagegen nicht so entscheidend - auch wenn dies die Presse ausführlich diskutiere. Auf das Management der Naturkatastrophe gemünzt heißt dies, dass der grundsätzliche Umgang mit der Krise später den Menschen in Erinnerung bleibt, nicht aber jedes Detail. Der republikanischen Führung war deshalb schnell klar, dass eine viertägige Feier in St. Paul unangemessen wäre, während in New Orleans die Menschen ums Überleben ringen.

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