Krisenpläne
Euro-Zone wappnet sich für „Grexit“

Für Eurogruppen-Chef Juncker ist ein Ausstieg Griechenlands aus der Währungsunion ausgeschlossen. Dennoch gibt es offenbar Pläne, die diesen Fall durchspielen. Die Fragestellung: Wie verhindert man einen Flächenbrand?
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BerlinDie Eurozone wappnet sich offenbar für den Fall, dass Griechenland die Gemeinschaftswährung verlassen muss. Einem Zeitungsbericht zufolge gibt es Pläne, wie die übrigen Euro-Krisenländer in einem solchen Fall vor den Auswirkungen abgeschirmt werden könnten. Die Bundesregierung wollte zu dem Bericht keine Stellung beziehen und verwies auf die anstehenden Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Frankreichs Staatspräsident François Hollande am Donnerstag und dem griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras einen Tag später.

Wie die „Welt am Sonntag“ berichtet, laufen derzeit Vorbereitungen für einen möglichen Griechenland-Austritt aus der Eurozone. Der dauerhafte Rettungsschirm ESM könnte demnach in einer Allianz mit der Europäischen Zentralbank (EZB) Staatsanleihen von Italien und Spanien kaufen und diese Länder so stützen. Bei Irland und Portugal werde geprüft, ob die laufenden Rettungsprogramme aufgestockt werden müssten, um die Staaten vor den Auswirkungen einer Griechenland-Pleite zu schützen. Bevor der ESM eingesetzt werden kann, muss jedoch das Urteil des Bundesverfassungsgericht am 12. September abgewartet werden.

Dem Bericht zufolge dringt Frankreich zudem zusammen mit anderen südeuropäischen Ländern darauf, Athen notfalls neue Hilfen zu gewähren, um ein Ausscheiden des Landes aus der Währungsunion zu vermeiden. Die Bundesregierung lehnt ein drittes Rettungspaket hingegen ab und wird in dieser Haltung nach Angaben der Zeitung auch von Staaten wie Finnland, Estland und der Slowakei unterstützt.

Schäuble gegen weitere Griechenland-Hilfen

Regierungssprecher Steffen Seibert wies Spekulationen über eine Exit-Strategie der Bundesregierung im Falle eines Scheiterns der Gemeinschaftswährung zurück. „Der Euro scheitert nicht. Wir arbeiten für stabilere Eurozone“, schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter. Viele Reformen und Strukturveränderungen seien schon auf den Weg gebracht worden.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bekräftigte in Berlin, dass der Euro stabil sei und das auch so bleiben werde, wie sein Ministerium mitteilte. Zurückhaltend äußerte er sich hingegen zu Griechenland. „Natürlich können wir den Griechen helfen, aber wir können nicht verantworten, Geld in ein Fass ohne Boden zu werfen“, sagte er beim Tag der Offenen Tür der Bundesregierung.

IMK-Chef: "So kann keine Inflation  entstehen."

Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung, Gustav Horn, hält die Warnungen vor den Folgen der Krisenpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) für unbegründet. Die Politik der EZB werde entgegen den vielfachen Befürchtungen die Preisstabilität nicht gefährden. "Sie stellt zwar in bisher nicht gekanntem Ausmaß Liquidität bereit, aber aus Angst vor Verlust fließt diese derzeit nicht in den Wirtschaftskreislauf, sondern wird im erheblichem Umfang wieder bei der EZB geparkt", sagte Horn Handelsblatt Online. "So kann keine Inflation  entstehen."

Der Anstieg der Aktienkurse sei vielmehr ein erstes Anzeichen, dass das Vertrauen zurückkehre und wieder Geld investiert werde, sagte der IMK-Chef weiter. "Sobald dieses Vertrauen auf die realwirtschaftlichen Investitionen übergreift, ist ein wichtiger Schritt getan, die Krise zu überwinden." Dann erst entstehe Inflationsgefahr, so Horn. Aber, fügte der Ökonom hinzu, die EZB werde die Liquidität durch den Verkauf der Staatspapiere wieder abschöpfen. Insofern sei es richtig, die Krisenpolitik der EZB zu unterstützen, wie das auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) tue.

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  • Die sollen erstnmal die Seketen-korruption im Speckgürtel Frankfurts (Bad Homburg, Vordertaunus) aufräumen!

    http://www.flickr.com/photos/heiratsschwindlerfrank/7821761022/in/photostream/lightbox/

    Wie kann denn ein Gerichtsverfahren nur so ewig dauern?

    http://www.flickr.com/photos/heiratsschwindlerfrank/sets/72157631147591078/with/7817990932/

  • auch die deutliche Schilderung von hallowach werden die
    Kleinhirne unserer Politiker nicht aufnehmen können. Der "Bayerische Loiserl" sitzt also immer noch im Hofbräuhaus und unsere Politiker warten vergebens auf
    die Göttliche Eingebung.Der dumme Deutsche arbeitet an
    Rentenalter und Überstunden rein,was Ouzo-Genießer mit
    raffinierter Trickserei erreichen.

  • Die EU-Beamten hätten besser mal ein Geschichtsbuch zur hand genommen.
    Es gab bereits vor 150 jahre einen Art Euro!

    Die lateinische Münzunion mit Frankreich, Belgien, Schweiz und ja Italien und GRIECHENLAND!

    Schon damals betrog Griechenland an vorderster Front. Das völlig rückständige Land hatte nur Rossinen als einziges Exportprodukt. Hellas war 1868 beigetreten - und begann sofort zu betrügen.

    Und das ging so: Athen deckte seine unkontrollierten Staatsausgaben, indem es fleißig ungedeckte Papier-Drachmen druckte und dafür aus den anderen Unionsländern stammende Gold- und Silbermünzen einzog. // Kommt mir bekannt vor!//

    Nach einer Umschuldung und einem totalen Bankrott - mit anschließender internationaler Aufsicht über die Staatsfinanzen - wurde Griechenland 1908 nach 60 Jahren! aus der Union geworfen.

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