Krisenstimmung
Indien hofft auf schnelle Erholung

Das Wirtschaftswunderland Indien bekommt die Folgen der Finanzkrise zu spüren: Die Exporte brechen derzeit so stark ein wie seit zehn Jahren nicht mehr, auch die Aktienkurse stürzen ab und Kredite werden kaum noch vergeben. Trotzdem kann die indische Regierung auf ein schnelles Ende des Abschwungs hoffen.

DELHI. So viel Anerkennung kann Indien in der Krise gut gebrauchen: Mit zehn Oscar-Nominierungen überschüttete Hollywood kürzlich den britisch-indischen Film „Slumdog Millionaire“, die Geschichte vom Aufstieg eines Straßenjungen aus den Slums von Bombay, der in der indischen Version der Fernsehshow „Wer wird Millionär?“ zum glücklichen Gewinner wird.

Denn jenseits der Märchenwelt auf Celluloid fühlen sich die Inder derzeit als unglückliche Verlierer. Immer deutlicher zeigt sich, dass die globale Wirtschaftskrise auch Asiens drittgrößte Volkswirtschaft nach Japan und China hart treffen wird. Der Optimismus der Regierung in Delhi, Indiens boomende Wirtschaft habe sich abgekoppelt vom Auf und Ab der Weltkonjunktur, war ein Irrglaube.

Vergangene Woche hat der Internationale Währungsfonds (IWF) die Wachstumsprognose für Indien massiv nach unten korrigiert: auf 5,1 Prozent in 2009. Nach Raten von durchschnittlich knapp neun Prozent in den vergangenen sechs Jahren – nur Chinas Wirtschaft wuchs schneller – ist das ein gravierender Einbruch.

Es ist die dritte Hiobsbotschaft in kurzer Folge nach dem Schock der Terroranschläge von Bombay im November und dem Milliardenbetrug in den Bilanzen des IT-Dienstleister Satyam, der das Vertrauen der Investoren in Indiens Unternehmen stark beschädigt hat.

Drei Faktoren markieren das Ende des Booms auf dem Subkontinent: Die Exporte verzeichnen den schwersten Einbruch seit zehn Jahren, ausländisches Kapital wird aus dem Land abgezogen und drittens vergeben indische Banken kaum noch Kredite an die Unternehmen, von denen viele ihre atemberaubende Expansion überwiegend auf Pump finanziert haben.

Zunächst purzelten nur die Aktienkurse in den Keller. So verlor der Leitindex Sensex der Börse in Bombay seit Anfang 2008 mehr als 60 Prozent. Nun zeigt sich die Bremsspur auch in den Unternehmensbilanzen. Drei Nachrichten aus der vergangenen Woche illustrieren das Ausmaß der Krise: Der Quartalsgewinn von Indiens größtem Automobilhersteller Maruti Suzuki brach um 99 Prozent ein. Konkurrent Tata Motors musste erstmals seit sieben Jahren einen Verlust ausweisen. Und der Windenergieanlagenbauer Suzlon, dem unter anderem Repower in Deutschland gehört, verkündete ebenfalls tiefrote Zahlen.

Seite 1:

Indien hofft auf schnelle Erholung

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%