Kritik am Drei-Säulen-Modell aus privaten Banken, Sparkassen und Genossenschaften
IWF fordert Reform des deutschen Bankwesens

Das deutsche Bankensystem sollte die zur Zeit relativ stabile Situation für Reformen nutzen. Anpassungen am System seien unvermeidlich, und unter krisenhaften Bedingungen könnten diese sehr schmerzlich werden.

egl/mak HB. FRANKFURT/M. Diesen Rat gab Stefan Ingves, der für die Überwachung der Finanzsektoren weltweit zuständige Manager des Internationalen Währungsfonds (IWF), den Banken und verantwortlichen Politikern in Deutschland. Ingves sprach bei der ersten gemeinsamen Konferenz des IWF mit dem Center for Financial Studies (CFS) in Frankfurt, bei der die nach wie vor ungelösten Probleme der deutschen Kreditwirtschaft auf der Tagesordnung standen.

Im Mittelpunkt standen die Empfehlungen des IWF im Rahmen der Finanzsektorprüfung (FSAP) für Deutschland. Im November 2004 hatte der Exekutivrat des IWF erstmals die Umsetzung des FSAP-Reformkatalogs aus dem Jahr 2003 bewertet. Das Leitungsgremium monierte die im Vergleich zu anderen Ländern immer noch niedrige Profitabilität aller drei Säulen im deutschen Bankensystem. Im Rahmen der jährlichen Überwachung nach Artikel IV seiner Statuten hat der IWF seit vielen Jahren mit Blick auf den dominierenden öffentlichen Bankensektor in Deutschland mehr Transparenz, bessere „Governance“ und die deutlichere Trennung von kommerziellen und öffentlichen Aktivitäten angemahnt.

Nach Ansicht von Ingves besteht der Reformbedarf nach wie vor in erster Linie darin, den mit 45 Prozent Marktanteil außergewöhnlich großen öffentlichen Sektor flexibler zu machen. Andere europäische Länder mit ähnlichen Strukturen hätten sich Reformen weniger verschlossen. Ingves wehrte sich entschieden gegen den Vorwurf, der IWF lasse sich bei den Reformauflagen ideologisch von dem angelsächsischen, kapitalmarktbasierten Finanzmarktmodell leiten. Das hatte Karl-Peter Schackmann-Fallis, Geschäftsführer des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) dem IWF vorgeworfen (s. auch „Wettbewerb der Rechtsformen“). In seiner Finanzsektorprüfung richte dieser sich nach einem Bankensystem wie dem britischen aus, bei dem einige wenige hoch börsenkapitalisierte Institute nur einen Teil der Bevölkerung versorgten und den Mittelstand vernachlässigten, sagte Schackmann-Fallis. In Wirklichkeit hätten die Ökonomen des IWF das deutsche Bankensystem nicht verstanden und deshalb wichtige Vorzüge außer acht gelassen. „Sparkassen sind gut für Deutschland“. Diese Worte des früheren IWF-Chefs Horst Köhler hätten unverändert Bestand, sagte Schackmann-Fallis.

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