Kritik am G8-Gipfels-Gastgeber
Die US-Kritik an Russland wächst

Erstmals in der Geschichte der G8 wird Mitte Juli ein Gipfel in Russland stattfinden. Dennoch haben die USA den Gastgeber in den vergangenen Tagen so hart kritisiert wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr.

WASHINGTON. Seine Kritik sei maßvoll gewesen, sorgfältig überlegt und gründlich geprüft, verteidigte US-Vizepräsident Dick Cheney seine harten Worte am Montag. Cheney bot keine Entschuldigung für seine Rede in Litauen an. Ebenso wenig zeigte er sich besorgt, Moskau könnte als Gegenreaktion die angestrebte neue Iran-Resolution im Uno-Sicherheitsrat blockieren.

Vizepräsident Cheney hatte eine fünftägige Reise nach Litauen, Kasachstan und Kroatien genutzt, um Moskau undemokratisches und autoritäres Verhalten vorzuwerfen. Am schärfsten ging er auf einer Konferenz in Vilnius mit der Regierung von Wladimir Putin ins Gericht. Russland verwende seine Gas- und Öllieferungen als „Instrumente der Einschüchterung und Erpressung“, sagte Cheney. Gleichzeitig würden Bürgerrechte „unfair“ beschränkt.

Russlands Energieminister Wiktor Christenko reagierte in einem Zeitungsbeitrag. Er empfahl den USA, die „Geister des Kalten Krieges“ zu begraben. „Wir sind tief verwirrt über Kommentare aus dem Westen, in denen unsere Energiepolitik verfälscht dargestellt wird“, schrieb Christenko in der britischen „Financial Times“. Vielmehr verabschiede sich Russland lediglich von der Praxis aus den Tagen der Sowjetunion, seinen Nachbarn subventionierte Energiepreise anzubieten. Russlands Außenminister Sergej Lawrow griff Cheney noch deutlicher an. „Ich hatte erwartet, dass jemand in solch ranghoher Funktion über ein Mindestmaß objektiver Informationen verfügt“, sagte er.

Cheneys Kritik kam indes nicht überraschend. Bereits seit längerem haben sich in den USA Politiker auf Russland eingeschossen. Der republikanische Senator John McCain, möglicher Kandidat für die Präsidentenwahl 2008, fordert sogar, Bush möge den G8-Gipfel boykottieren. Den Grund dafür nannte er auch: Es könne nicht sein, dass Russland „alle Vorteile davon hat, Teil des Westens und der G8 zu sein, aber keine Verantwortung einer Demokratie übernimmt“.

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