Kritik an Aufarbeitung der japanischen Rolle im Zweiten Weltkrieg
Welle antijapanischer Proteste erfasst China

Tausende Chinesen haben am Wochenende in Peking und anderen Städten der Volksrepublik gegen Japan demonstriert und dabei auch Einrichtungen der früheren Besatzungsmacht angegriffen.

HB BERLIN. Die Demonstranten versammelten sich am Samstag vor der Botschaft und Konsulaten Japans und warfen mit Steinen, Flaschen und Eiern. Auch japanische Firmen und Restaurants wurden zum Ziel von Angriffen. Am Sonntag beruhigte sich die Lage weitgehend. Nach den Ausschreitungen hatte Japan offiziellen Protest bei der chinesischen Führung eingelegt und schärfere Sicherheitsvorkehrungen verlangt. Auslöser der Proteste war ein in Japan herausgegebenes Schulbuch, das Kritikern zufolge die Verbrechen japanischer Truppen in China in den Jahren vor und während des Zweiten Weltkriegs verharmlost beziehungsweise schönfärbt. Medienberichten zufolgen sollen zudem 20 Millionen Chinesen eine Online-Petition unterzeichnet haben, die sich gegen einen ständigen Sitz Japans im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen richtet.

Am Samstag zogen rund 10 000 Menschen überwiegend friedlich durch die Hauptstadt Peking. Es war die größte Demonstration gegen das Ausland seit den Protesten gegen die USA nach der Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad bei den Nato-Angriffen auf Jugoslawien vor sieben Jahren. Einige der zumeist studentischen Demonstranten in dem kommunistischen Land, das keine Versammlungsfreiheit kennt, sagten, die Proteste seien über Email und SMS-Botschaften organisiert worden.

Vor der Botschaft und der Residenz des japanischen Botschafters durchbrachen die Demonstranten einen Polizei-Kordon. Sie warfen Steine und Flaschen auf das Gelände und pöbelten: „Japanisches Schwein komm' raus.“ Fensterscheiben gingen zu Bruch bevor sich etwa 500 Polizisten schützend vor das Tor der Residenz stellten. Auch die Filiale der Tokyo Mitsubishi Bank und japanische Restaurants wurden mit Flaschen beworfen, bevor die Polizei schließlich eingreifen konnte. „Wir sind alle Chinesen hier drin und haben doch nichts verbrochen“, beklagte sich eine Frau in einem Restaurant nach den Übergriffen.

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