Kritik an Berichterstattung
Frankreich zweifelt an seinen Medien

Francois Bayrou spielt im beginnenden Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich eigentlich nur eine Rolle am Rande. In den Meinungsumfragen liegt der Chef und Präsidentschaftskandidat der Zentrumspartei UDF weit abgeschlagen hinter dem konservativen Nicolas Sarkozy und der Sozialistin Ségolène Royal.

PARIS. Dennoch steht Bayrou neuerdings im Mittelpunkt des Interesses. Denn der Politiker wagte etwas Unerhörtes: Er stellte die Unabhängigkeit des größten Fernsehsenders TF1 in Frage – vor laufenden Kameras und zur Hauptsendezeit.

Bayrou sprach offen an, was die französische Elite sonst einmütig verschweigt: Die extrem enge Verflechtung zwischen Politik, Wirtschaft und Medien. „Viele Medien gehören Industriellen, die von öffentlichen Aufträgen abhängig sind“, konstatiert der Soziologe Jean-Marie Charon vom Forschungsinstitut CNRS. So ist der Fernsehsender TF1 Eigentum von Martin Bouygues, der für den Staat Straßen und Brücken baut.

Der Besitzer der überregionalen Tageszeitung „Le Figaro“, heißt Serge Dassault und liefert Flugzeuge an die Armee. Die führende französische Illustrierte „Paris Match“ und der wichtigste politische Radiosender „Europe 1“ gehören dem Rüstungsindustriellen Arnaud Lagardère, der obendrein eine Minderheitsbeteiligung am Traditionsblatt „Le Monde“ besitzt.

Die drei Medienbarone haben ein nachvollziehbares Interesse an einem guten Verhältnis zum künftigen französischen Staatspräsidenten. Derzeit scheinen sie auf Nicolas Sarkozy zu setzen. Jedenfalls pflegen alle drei enge freundschaftliche Beziehungen zum amtierenden Innenminister. Man diniert zusammen, man fährt gemeinsam in Urlaub und „man erweist sich gegenseitig Gefälligkeiten“, sagt Claude Angeli, Chefredakteur des Satireblatts „Le Canard Enchainé“.

Wie solche Gefälligkeiten aussehen können, bekam der Chefredakteur von „Paris Match“ zu spüren: Alain Genestar musste seinen Sessel räumen, nachdem sein Blatt Photos von Sarkozys Ehefrau mit Liebhaber veröffentlicht hatte. „Sarkozy war wütend. Daraufhin war klar, dass Genestar gefeuert wird“, sagt Journalist Angeli.

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