Kritik an den USA
Iraks Hauptstadt im Zeichen der Trauer

Tausende Iraker haben sich am Sonntag in Bagdad dem Trauerzug für einen der höchsten Vertreter der Schiiten angeschlossen. Mohammed Baker el Hakim war zwei Tage zuvor beim schwersten Anschlag im Irak seit der Entmachtung von Präsident Saddam Hussein getötet worden.

Reuters BAGDAD/NEW YORK. Die Trauernden füllten die Straßen rund um eine Moschee im Norden der irakischen Hauptstadt, wo sie am Sarg Hakims über Nacht Abschied nehmen konnten. Hochrangige schiitische Vertreter bekräftigten ihre Kritik an den USA, als Besatzungsmacht nicht ausreichend für die Sicherheit im Land zu sorgen. Als Folge des Anschlags in Nadschaf führen die USA einem Zeitungsbericht vom Sonntag zufolge Gespräche über eine paramilitärische Truppe aus Irakern, mit deren Hilfe die Sicherheitslage in dem Land stabilisiert werden soll. Die US-Armee nahm eigenen Angaben zufolge im Zusammenhang mit dem Anschlag drei Männer fest. Die Zahl der Toten des Attentats erhöhte sich auf mindestens 95.

Zum Zeichen ihrer Trauer um Hakim erschienen zahlreiche Männer mit nackter Brust vor der Moschee. Viele Frauen kamen streng religiös von Kopf bis Fuß in Schwarz gehüllt. Als der Sarg Hakims aus der Moschee herausgetragen und auf einen Leichenwagen gelegt wurde, schrien die Menschen laut auf und schlugen sich gegen die Brust. Männer mit automatischen Waffen begleiteten den Toten.

Hakims Leiche wird in einem dreitägigen Zug zu mehreren heiligen Stätten der schiitischen Gemeinschaft gebracht und dann in Nadschaf begraben. Viele Schitten lasten den Anschlag Anhängern Saddams an, unter dessen Herrschaft sie brutal unterdrückt wurden. Experten schließen nicht aus, dass Hakim wegen seiner moderaten Haltung gegenüber der US-Besatzung getötet worden ist. Hakim war einer der einflussreichsten Vertreter der Gemeinschaft, zu der etwa 60 % der irakischen Bevölkerung gehören.

Aus Protest gegen den Tod Hakims legte der schiitische Gelehrte Mohammed Bahr el Ulum seine Mitarbeit in dem von den USA ernannten irakischen Regierungsrat nieder. Im Irak herrsche „eine gefährliche Sicherheitslücke, besonders in Nadschaf“, sagte er. „Wir denken, dass die Amerikaner ein Teil der Schuld trifft“, sagte ein Sprecher des schiitischen Führungsrates SCIRI, dessen Chef Hakim gewesen war. „Sie haben sich außerhalb von Nadschaf gehalten, aber keine Iraker beauftragt, das Sicherheitsvakuum zu füllen.“

Kritik an der US-Sicherheitspolitik hatte auch Hakim selbst einen Tag vor seinem gewaltsamen Tod geübt. In einem am Sonntag veröffentlichten Interview der ägyptischen Zeitung „El Ahram“ warf er den USA vor, eine Warnung vor einem Anschlag auf seinen Onkel, den Gelehrten Mohammed Saeed el Hakim, am 24. August nicht beachtet zu haben. „Sie (die USA) tragen einen großen Teil der Verantwortung wegen ihrer Unzulänglichkeiten auf dem Gebiet der Sicherheit und beim Schutz der heiligen Orte“, wurde Hakim in der Zeitung zitiert. Er hatte für den Anschlag auf seinen Onkel die Gefolgsleute von Saddam Hussein verantwortlich gemacht. Saeed el Hakim war bei dem Anschlag verletzt worden.

Die US-Zivilverwaltung im Irak nannte es einen schwierigen Balanceakt, Sicherheit zu gewährleisten, ohne dabei die religiösen Gefühle der Gläubigen durch die Anwesenheit ausländischer Soldaten zu verletzen. Der Anschlag war unmittelbar nach Ende der Freitagsgebete vor einer der heiligsten Moscheen der Schiiten verübt worden.

Der Anschlag habe die Situation verändert „und nun gibt es eine neue Aufnahmebereitschaft für die Idee“, irakische Sicherheitskräfte zu bilden, sagte der irakische Exilant Muchtar Schochat, der dem Bericht der „New York Times“ zufolge an neuen Gesprächen über deren Bildung teilgenommen hat. Irakischen Vertretern zufolge könne die Truppe innerhalb eines guten Monates gebildet werden und die Verantwortung für die Städte übernehmen.

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