Kritik an EU-Kommissar
SPD stärkt Verheugen den Rücken

Seit Tagen produziert der deutsche EU-Industriekommissar Günter Verheugen wegen der Berufung seiner angeblichen Geliebten Petra Erler zur Chefin seines Mitarbeiterstabes Negativschlagzeilen. Jetzt kann der Vizepräsident der EU-Kommission erst einmal aufatmen. SPD-Chef Kurt Beck stärkte seinem Brüsseler Genossen demonstrativ den Rücken.

BRÜSSEL. Die SPD-Zentrale hat sich in den letzten Monaten nur selten zur Europapolitik geäußert. Die Agenda der großen Koalition in Berlin ist so prallvoll mit innenpolitischen Konflikten gespickt, dass für die Europäische Union kaum noch Zeit blieb. Doch jetzt lenkt plötzlich Günter Verheugen das Interesse der Genossen auf das Brüsseler Geschehen. Allerdings anders, als ihm selbst lieb sein dürfte.

SPD-Parteichef Kurt Beck höchstpersönlich sah sich am heutigen Montag nach einer Sitzung des SPD-Vorstands in Berlin genötigt, dem seit Tagen im Rampenlicht stehenden Brüsseler Parteifreund den Rücken zu stärken. "Verheugen genießt das volle Vertrauen der deutschen Sozialdemokratie", unterstrich Beck. Damit ist klar: Von CDU und CSU geschürte Gerüchte über eine Ablösung des SPD-Manns entbehren jeder Grundlage.

Der Vorwurf, den Verheugen abwehren muss, ist schwerwiegend. Bei der Berufung seiner neuen Kabinettchefin Petra Erler soll Verheugen Privates mit Beruflichem vermischt haben. In der vergangenen Woche tauchten in der Presse Fotos auf, die Verheugen und Erler händchenhaltend im gemeinsamen Sommerurlaub in Litauen zeigen. Der Verdacht der Günstlingswirtschaft steht im Raum. Erste Rücktrittsforderungen wurden laut.

Vor allem Unionspolitiker rütteln an Verheugens Podest. In der Hoffnung, dass der SPD-Mann zurücktritt oder von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso abgelöst wird. Dann, so lauten die Spekulationen, könnte ein Konervativer aus Berlin den begehrten Spitzenposten in Brüssel ergattern. Sogar Namen werden schon genannt. Zum Beispiel der des CDU-Politikers Peter Altmaier.

Doch der Union dürfte vorerst kaum gelingen, sich in der Koalition dank der Affäre Verheugen/Erler personalpolitisch zu verstärken. Das zeigt der heutige Auftritt Becks, der auch ein Signal an den Regierungspartner war. "In aller Klarheit" wies der Parteichef "die zum Teil völlig aus der Luft gegriffene, unbegründete, überzogene Kritik an Verheugen" zurück. Dessen Kabinettschefin Erler sei eine "höchst kompetente Frau". Beck fügte hinzu, "nach einem Gespräch mit Angela Merkel" sei er sicher, das Vertrauen für Verheugen gelte auch für die Bundesregierung.

Selbst für den Fall, dass neue, bislang unbekannte Details über die angebliche Liebesaffäre Verheugen zu Fall bringen sollten, wird die Union wohl kaum von dessen Ausscheiden aus der Kommission profitieren. Aus SPD-Kreisen verlautete, Beck habe Merkel unmissverständlich zu Verstehen gegeben, dass die offene Stelle in Brüssel dann auf jeden Fall wieder mit einem Sozialdemokraten besetzt werde.

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