Kritik an EU-Plänen
Bedenken bei Biosprit-Ausbau wachsen

In Deutschland und der Europäischen Union wachsen die Bedenken über einen Ausbau des Biosprits zu Lasten von Lebensmitteln und des Umweltschutzes.

rtr LIMA/BERLIN. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte zum Abschluss ihrer Lateinamerika-Reise am Wochenende in Peru, bei ihren Gesprächen sei die gemeinsame Sorge der Länder Lateinamerikas und der EU über mögliche Interessenkonflikte zwischen dem Ausbau der Biosprit-Produktion und des Anbaus von Nahrungsmitteln deutlich geworden. EU-Industriekommissar Günther Verheugen ging einen Schritt weiter und kritisierte den geplanten massiven Ausbau des Biosprits als Erdöl-Ersatz.

Merkel erklärte zwar, viele lateinamerikanische Gesprächspartner hätten versichert, dass sie genug landwirtschaftliche Flächen für die Lebensmittelproduktion hätten. „Wir haben natürlich darauf hingewiesen, dass wir trotzdem keine Waldrodung wollen für Biokraftstoffe und vor allen Dingen auch sozialverträgliche Arbeitsbedingungen.“

Industriekommissar Verheugen sagte der „Bild am Sonntag“: „Es kann nicht vernünftig sein, aus Pflanzen, die der Ernährung von Menschen und Tieren dienen sollen, Treibstoff für Autos zu machen.“ Er sei froh, dass die erste Biosprit-Euphorie vorbei sei. Die EU will nach früheren Plänen den Anteil von Biosprit bis 2020 auf zehn Prozent steigern. Daran gab es aber zuletzt Kritik aus verschiedenen Mitgliedsstaaten und dem EU-Parlament.

Auch in Deutschland sind die ehrgeizigen Pläne zum Ausbau bereits zurückgenommen worden, nachdem sich ein höherer Anteil des Treibstoffs als unverträglich für Millionen von Autos erwiesen hat. Biosprit etwa aus Palmöl oder Mais gilt zudem als mitverantwortlich für die Rodung des Regenwalds und die Preisexplosion bei Lebensmitteln. „Es geht der Kommission um Nachhaltigkeit. Wenn die Produktion von Nahrungsmitteln beeinträchtigt oder Regenwald abgeholzt wird, funktioniert es überhaupt nicht“, sagte Verheugen. „Wir sollten genau hinschauen, bevor wir voraussetzungslos auf Biosprit setzen.“

Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) bekräftigte ihre Forderung nach einem Moratorium bei der Einfuhr von Biosprit, so lange nicht klare Kriterien für den Treibstoff definiert seien. Man brauche eine kritische Diskussion auch mit den Entwicklungsländern über die Produktion von Biosprit auf Flächen, die eigentlich für Nahrungsmittel vorgesehen seien. „Es gibt keine ausreichende Zertifizierung bisher, die das behindern oder beenden könnte“, sagte sie im „Deutschlandfunk“.

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