Kritik an Fed-Chef
„US-Geldpolitik verursacht neue Investitionsblasen“

Die Ankündigung von US-Notenbankchef Ben Bernanke, der lahmen US-Konjunktur mit weiteren Geldspritzen auf die Beine helfen zu wollen, ist von Börsianern mit Erleichterung zur Kenntnis genommen worden. In Berlin löste die Aussicht auf weitere Hilfen der Fed Besorgnis aus.
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dne/HB DÜSSELDORF. „Die USA verursachen durch ihre expansive Geldpolitik die Entstehung neuer Investitionsblasen, die uns alle teuer zu stehen kommen werden“, sagte der Finanzexperte der FDP-Bundestagfraktion, Frank Schäffler, Handelsblatt Online. „Die derzeitigen Höhenflüge der Börsen zeigen, wohin diese aus dem Nichts geschöpften Geldmengen fließen: Eine weitere Monetarisierung der Schulden in Amerika wird die Weltwirtschaft destabilisieren.“

Bernanke hatte am Donnerstag eine weitere Lockerung der Geldpolitik nicht ausgeschlossen. Dafür sprächen die hohe Arbeitslosigkeit und die Gefahr einer Deflation, sagte Bernanke in Boston. Gleichzeitig linderten gemischte Konjunkturdaten die Ängste vor einem Rückfall der US-Wirtschaft in eine Rezession nur geringfügig.

Mit seinen Äußerungen signalisierte Bernanke, dass die Federal Reserve bereits bei ihrem nächsten Treffen Anfang November beschließen dürfte, erneut die Notenpresse anzuwerfen, indem sie Staatsanleihen kauft und so Milliarden von Dollar in den Wirtschaftskreislauf leitet. Wie aggressiv die Notenbank dabei vorgehen will, blieb jedoch unklar - Details zum genauen Zeitpunkt und dem Umfang eines solchen Programms blieb Bernanke schuldig. Die US-Notenbank müsse die Kosten und Nutzen noch abwägen, sagte Bernanke lediglich.

Börsianer zeigten sich dennoch erleichtert über die Aussicht auf weitere Hilfen der Fed: Der Deutsche Aktienindex (Dax) stieg in Folge seiner Äußerungen auf den höchsten Stand seit zwei Jahren, bevor er wegen neuer Konjunktursorgen wieder unter Druck geriet. Neben den schwachen Verbrauchervertrauen aus den USA enttäuschte auch der als Stimmungsbarometer geltende Mischkonzern General Electric mit seiner Quartalsbilanz.

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  • Die Fed ist zwei gleichrangigen Zielen verpflichtet: Arbeitsplätze und Stabilität des Dollar. Letzterer neigt angesichts der fast stagnierenden Wirtschaft, mangelndem Konsum und Verschuldung Privater und Öffentlicher eher zur Deflationierung, was sich u.a. an den zurückweichenden Zinsen vor allem der langfristigen Treasuries ablesen ließ. Diese allerdings beginnen durch ihren leichten, aktuellen Anstieg den Ausstieg größerer investoren(etwa explizit Pimco)anzuzeigen und damit bereits ein Funktionieren der von bernanke geschürten inflationsangst - ohne daß QE2 gestartet wäre. Die mit Vorsicht durchmischten jüngsten Äußerungen bernankes lassen die Annahme zu, er könnte sich auch zurückhalten (wenig bis keine QE2), sofern ein Vorwand ihn dazu veranlaßte. Rationale Gründe gegen QE2 überwiegen bei weitem die damit verbundenen Hoffnungen - mehr ist es nicht, denn nie konnte belegt werden, daß es funktionieren könnte. Japan`s "verlorene Dekade" beweist gar, daß es nicht funktioniert hat. Fest steht allein, daß QE2 viel Geld kostet und die Verschuldung der USA ins Gigantische türmen würde. Ob dies im Sinne des Präsidenten sein kann, ist sehr fraglich. Land und Parlament wollen es jedenfalls nicht zulassen.

  • Die aktuelle Finanzkrise verdanken wir den USA. Diese ließen ihre "Schrottkredite" durch Ratingagenturen aufwerten und in alle Welt als erstklassige Anlagen verkaufen. Jetzt überschwemmt die USA die ganze Welt mit bunt bedrucktem Papier und tauscht dieses gegen Waren und Rohstoffe aller Art. Ein Schelm, wer da böses denkt!

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