Kritik an Großoffensive
US-Medien halten „Operation Schwärmer“ für Show-Veranstaltung

In den USA häufen sich argwöhnische Kommentare über die neue Großoffensive im Irak. Medien berichten, dass die von großen Fanfaren begleitete Aktion gegen Aufständische bei Samarra mehr eine Public-Relations-Offensive der US-Regierung darstellt als einen militärisch effektiven Schlag. Misstrauen und Zynismus machen sich breit.

WASHINGTON. Nicht nur notorische Bush-Kritiker waren sofort misstrauisch. Der dritte Jahrestag des Irakkriegsbeginns steht bevor. Der Irak befindet sich am Rand eines Bürgerkriegs. Die Rebellen- Attacken halten an und ebenso die Umfragetiefs des Präsidenten. Die US-Regierung veröffentlicht eine längst überfällige neue nationale Terrorismus-Strategie mit der Bekräftigung der Präventivschlag- Doktrin. Und dann die „Operation“ Schwärmer: Das war denn auch für so manche unabhängige Militär- und Politanalytiker ein bisschen Zufall zu viel.

Auch in US-Medien wurde am Freitag geargwöhnt, dass die von großen Fanfaren begleitete Aktion gegen Aufständische bei Samarra mehr eine Public-Relations-Offensive der US-Regierung darstellt als einen militärisch effektiven Schlag. Von einer „Show“ war in mehreren Zeitungen die Rede, von einer amerikanischen Produktion mit hauptsächlich einem Ziel: der Öffentlichkeit vor allem in den USA zu demonstrieren, wie groß die Fortschritte der irakischen Sicherheitskräfte inzwischen sind.

Man könne schon fast sagen, die Operation „entspricht verdächtig perfekt dem, was sich in die USA im Irak wünschen“, zitierte ein Blatt Tom Donnelly von der politischen Forschungseinrichtung American Enterprise Institute. Sogar die konservative Zeitung „Washington Times“ titelt in einem Anflug von Süffisanz „US- und irakische Truppen lassen ihre Muskeln spielen“, während sich der US-Regierung nahe stehende pensionierte Generäle in Interviews des Senders CNN abmühten, Übertreibung und Realitäten in Einklang zu bringen. Denn eines mussten auch sie einräumen: „Schwärmer“ ist zwar tatsächlich die größte Luftlandeoperation im Irak seit drei Jahren, als die sie propagiert wird, aber was den Einsatz von Soldaten und Ausrüstung betrifft, bei weitem nicht die umfangreichste Offensive gegen die Aufständischen.

Tatsächlich fällt die Operation mitten in eine PR-Kampagne, die Bush im Vorfeld des Jahrestags des Kriegsbeginns gestartet hat, um die „Fahnenflucht“ daheim zu stoppen und natürlich zugleich auch Signale der Entschlossenheit und Ermutigung in den Irak selbst auszusenden. Wie düster inzwischen die Lage im eigenen Land geworden ist, haben erst am Donnerstag veröffentlichte neue Umfragewerte gezeigt. Danach meinen nur noch 38 Prozent der Bürger, dass der Irakkrieg „die Sache wert war“, und 60 Prozent sind der Auffassung, „dass es im Irak schlecht läuft“.

Vor diesem Hintergrund muss es Bush mehr denn je daran gelegen sein, der Öffentlichkeit vor Augen zu führen, dass die irakischen Truppen zunehmend selbst in der Lage sind, den Kampf gegen Rebellen und Terroristen zu führen und damit die Rolle der USA zu schrumpfen beginnt - mit der Aussicht auf Truppenreduzierungen in absehbarer Zeit. „Schwärmer“ stößt genau in diese Richtung.

Weist das Weiße Haus mit Empörung Vermutungen zurück, dass hinter der Operation mehr politische denn militärische Erwägungen stecken und die Offensive daher weitgehend „symbolisch“ ist, nährte ein hochrangiger General am Freitag den Argwohn. Peter Chiarelli, Kommandeur des multinationalen Korps im Irak, geriet bei der Beschreibung der Leistungen der an „Schwärmer“ beteiligten Iraker selbst so ins Schwärmen, dass es sich fast wie ein politischer Werbespot zu Wahlkampfzeiten im Fernsehen anhörte. „Phänomenal“ haben sich demnach die einheimischen Truppen bewährt.

Wenn das tatsächlich so ist und Skeptiker der Regierung unrecht tun, so spiegeln die Spekulationen doch eines wider: tiefes Misstrauen und Zynismus, die sich im Fall Irak zunehmend in der amerikanischen Öffentlichkeit breitgemacht haben. Und schon das ist für Bush unschmeichelhaft genug.

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