Kritik an Präsident Ahmadinedschad
Iran ist empört über Otto Schily

Bundesinnenminister Otto Schily hat mit seinen Äußerungen über den künftigen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad den Ärger der iranischen Regierung auf sich gezogen. Die "Unterstellungen" in einem Interview seien eine Beleidigung des gesamten Volkes. Schily konterte prompt.

HB TEHERAN. Die Tageszeitung Dschomhuri Islami zitierte Außenamtssprecher Hamid-Resa Assefi mit den Worten, die Anschuldigungen des Ministers gegen den neuen Präsidenten seien „grundlos und lächerlich“. Darüber hinaus seien sie eine Beleidigung des iranischen Volkes, dessen absolute Mehrheit bei der Wahl am 24. Juni für Ahmadinedschad gestimmt hat.

Schily hatte sich in einem Interview des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zu der Wahl geäußert und gesagt: „ Wenn wir jetzt hören, dass Iran und der Irak enger kooperieren wollen und in Teheran gleichzeitig ein Fundamentalist an die Macht kommt, bei dem nicht sicher ist, dass er absolute Distanz zum Terrorismus hält, sind das alles sehr Besorgnis erregende Perspektiven.“

Der Sprecher des Teheraner Außenministeriums „empfahl“ Schily nach Angaben der Zeitung, „sich durchdachter zu äußern, vom Einfluss zionistischer Kreise loszureißen und die demokratischen Grundsätze zu respektieren“. Assefi kündigte an, Teheran werde eine Erklärung der Regierung in Berlin dazu fordern.

Schily selbst ließ die Kritik durch seinen Sprecher Rainer Lingenthal scharf zurückweisen. Lingenthal sprach von einer „unglaublichen Unverschämtheit". Er bezeichnete die Aussagen Schilys im „Spiegel“ als korrekt, das Interview sei vom Minister autorisiert worden.

Dass ein Land, das die Menschenrechte ständig verletze, zur Respektierung der demokratischen Grundsätze auffordere, sei „an Unverfrorenheit kaum noch zu überbieten", so Lingenthal weiter. Wenn irgendwo diese Grundsätze respektiert werden sollen, wie es der iranische Außenamtssprecher meine reklamieren zu müssen, „dann möge er sich bitte an sein eigenes Land wenden“.

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