Kritik an Rettungspaket
„Das ist finanzieller Völkermord“

Mit drastischen Worten kritisiert die zyprische Wirtschaft das in Brüssel verhandelte Rettungspaket. Viele Unternehmer fürchten, dass die Wirtschaft auf der Mittelmeerinsel zerstört wird.
  • 59

BerlinDie zyprische Wirtschaft reagiert mit Entsetzen auf das in Brüssel verhandelte Rettungspaket. „Wir fühlen uns wie während des Krieges“, sagte der Präsident der Industrie- und Handelskammer von Limassol, Philokypros Andreou, der Tageszeitung „Die Welt“. „Wir fühlen uns so wie 1974, als die Türken einmarschiert sind. Heute gibt es nur einen Unterschied: Die Waffen sind nicht mehr Gewehre, die gegen uns gerichtet sind, sondern Finanzinstrumente. Das ist für uns ein finanzieller Völkermord“, sagte der Kammerpräsident, der einen großen Teil der zyprischen Wirtschaft vertritt. Limassol ist die zweitgrößte Stadt der Insel und deren wirtschaftliches Zentrum.

Andreou beklagt die aus seiner Sicht mangelnde Solidarität der Europäer mit Zypern. "Wir fühlen uns von unseren Verbündeten betrogen und verraten", sagte Andreou der Zeitung. "Ja, wir haben korrupte Banker und Politiker. Aber wir Zyprer, wir sind Opfer. Merkel und Schäuble schaden vielen unschuldigen Menschen, um fünf oder sechs Oligarchen in Russland zu treffen."

Wie viele Unternehmer befürchtet Andreou, dass die Brüsseler Einigung die Geschäftsgrundlage der zyprischen Wirtschaft zerstören wird. Offshore-Banken, ein Immobilienboom und sehr viel russisches Geld haben in den vergangen zwanzig Jahren das Wachstum auf der Insel getrieben. Damit sei es jetzt vorbei, glaubt Andreou. Künftig werde das Geld aus dem Ausland ausbleiben. „In den vergangenen 48 Stunden ist unsere Finanzindustrie ruiniert worden“, sagte Andreou am Montagnachmittag. „Ich weiß nicht, was aus unserem Bankensystem werden soll.“


Das werde Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft haben. Unternehmen hätten ohnehin bereits große Schwierigkeiten sich zu finanzieren; künftig werde es für viele unmöglich. „Die meisten Firmen hierzulande werden verschwinden“, prophezeit Androu.


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Kritik an Rettungspaket: „Das ist finanzieller Völkermord“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die gehen erst auf die Strasse wenn der Tank und der Kühlschrank leer sind! Kann also noch dauern!

  • 'fdik' sagt
    ---------------
    Es ist einfach unglaublich.

    “Nun haben die Euro-Finanzminister beschlossen, dass Kleinanleger mit einem Guthaben von unter 100.000 Euro ausgenommen werden.” schreibt hier das Handelsblatt.

    Dabei wurde gerade noch von Schäuble behauptet, das sei alleine die Entscheidung des zypriotischen Parlamentes und der Regierung dort.

    Was stimmt denn jetzt? Hat der deutsche Finanzminister im Interview bei der Tagesschau gelogen? Oder ist das eine Ente, was das Handelsblatt hier berichtet?
    ---------------

    Eine Handelsblatt-Ente.

    Die lassen die Artikel von ahnungslosen Praktikanten schreiben.

    Das Original-statement der Finanzminister sagt zu dem Thema:

    "The Eurogroup continues to be of the view that small depositors should be treated differently from large depositors and reaffirms the importance of fully guaranteeing deposits below EUR 100.000. The Cypriot authorities will introduce more progressivity in the one-off levy compared to what was agreed on 16 March, provided that it continues yielding the targeted reduction of the financing envelope and, hence, does not impact the overall amount of financial assistance up to EUR 10bn."

    Mit anderen Worten:

    Man hätte zwar gerne die 100.000 Grenze, aber es bleibt den Zyprioten überlassen wie und von wem sie die erforderlichen 5,8 Milliarden zusammenbringen.

  • „Das ist finanzieller Völkermord“

    6,75% sind "finanzieller Völkermord"?

    Gibt es denn nur Irre in Zypern?

    ...

    Im Anbetracht der Unverschämtheit dieser Leute sollte man den ESM-Kredit streichen und Zypern pleite gehen lassen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%