Kritik an US-Massakern
US-Truppen töten Al-Kaida-Führer im Irak

US-Truppen haben im Irak einen gesuchten Militärführer der Terrororganisation Al Kaida getötet. Gleichzeitig geraten die USA nach mehreren mutmaßlichen Massakern im Irak immer stärker unter Druck.

HB BAGDAD. Amerikanische Militärkreise teilten am Montag mit, Hussein Ali Muzabir sei bei einer Razzia in der Stadt Balad (etwa 80 Kilometer nördlich von Bagdad) am Freitag erschossen worden. Einer seiner engsten Mitarbeiter sei gefangen genommen worden.

Muzabir wurde als militärischer Führer im Bereich der Stadt Samarra bezeichnet. Er sei zu Zeiten des Regimes von Saddam Hussein Geheimdienstmitglied gewesen und verstrickt in Organisation und Finanzierung von Entführungen, Morden und Bombenanschlägen auf irakische Zivilisten.

Die USA geraten nach mehreren mutmaßlichen Massakern im Irak immer stärker unter Druck. Die irakische Regierung kritisierte am Wochenende das US-Militär, weil es Soldaten von den Vorwürfen entlastet hat, im März eine elfköpfige Familie in der Stadt Ischaki regelrecht hingerichtet zu haben. Ein Berater von Ministerpräsident Nuri al-Maliki verlangte am Samstag eine Entschuldigung der USA sowie eine Entschädigung der Opfer von Ischaki sowie für ein weiteres Massaker im westirakischen Haditha.

Militärermittlern zufolge sollen US-Marine-Infanteristen im November 24 Zivilisten in der Stadt Haditha erschossen und dies später vertuscht haben. Untersucht wird unter anderem, ob US-Soldaten ein Massaker als Reaktion darauf anrichteten, dass ein Kamerad bei einem Anschlag in nächster Nähe getötet wurde.

Begleitet wurde die Diskussion über die Tötung von Zivilisten durch US-Militärs von einer weiteren Welle der Gewalt im Irak, die am Wochenende dutzende Menschen das Leben kostete.

„Wir haben mehr als eine Quelle, aus der hervorgeht, dass die Tötungen in Ischaki unter fragwürdigen Umständen geschahen“, sagte Adnan al-Kasimi, ein Berater von Ministerpräsident Maliki am Samstag. Dem US-Militär zufolge ergab eine Untersuchung des Vorfalls kein Fehlverhalten der Soldaten. Dem US-Militär war vorgeworfen worden, die fünf Kinder und sechs Erwachsenen exekutiert und dann die angeblichen Verbrechen durch einen Luftangriff vertuscht zu haben.

Der Vorfall in Haditha weckte Erinnerungen an das Massaker von US-Soldaten im vietnamesischen My Lai im Jahr 1968. Beobachter gehen davon aus, dass sich Haditha für die US-Armee zu einem ebenso großen Problem entwickeln könnte wie der Folterskandal im Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad. Wegen der Folter von Gefangenen wurden bereits mehrere Armeemitglieder niederer Ränge von Militärgerichten zu Haftstrafen verurteilt. Brisant ist der Fall Haditha für die US-Regierung auch deswegen, weil Präsident George W. Bush die Öffentlichkeit monatelang nicht über die Vorwürfe gegen US-Soldaten informierte.

Am Sonntag räumte das US-Militär ein, zwei Tage zuvor drei weitere Menschen durch unabsichtlichen Beschuss in der Kleinstadt Hibhib getötet zu haben. Aufständische erschossen am Sonntag 24 Zivilisten an einem selbsterrichteten Kontrollpunkt nördlich der Hauptstadt Bagdad, in Basra starben 50 Menschen durch eine Autobombe sowie beim Beschuss einer Moschee. Am Montag kam es zudem erneut zu Entführungen: Bewaffnete in Polizeiuniformen entführten offiziellen Angaben zufolge 50 Mitarbeiter verschiedener Bagdader Transportunternehmen. Zudem befinden sich vier am Samstag in Bagdad verschleppte Mitarbeiter der russischen Botschaft weiter in der Gewalt von Entführern. Das staatliche Fernsehen hatte von ihrer Freilassung berichtet, was jedoch aus dem Innenministerium zurückgewiesen wurde.

Seit dem Einmarsch der US-geführten Truppen in den Irak vor drei Jahren sind tausende Iraker vorwiegend von Islamisten und kriminellen Banden entführt worden. Etliche der Entführungsopfer wurden später erschossen oder enthauptet aufgefunden.

Die Gewalt im Irak hat deutlich zugenommen, nachdem im Februar auf ein schiitisches Heiligtum in Samarra ein Bombenanschlag verübt worden war. Vergeltungstaten und Gegenangriffe haben das Land an den Rand eines Bürgerkriegs gebracht. Umso mehr erhoffen sich die USA von der neuen Regierung unter Ministerpräsident Maliki ein entschlossenes Vorgehen gegen Aufständische. Die anhaltende Gewalt zwischen den Religions- und Bevölkerungsgruppen blockierte am Wochenende jedoch weiter Bemühungen um die Besetzung der wichtigen Posten des Innen- und Verteidigungsministers. Eine Parlamentssitzung wurde bis auf weiteres vertagt, da sich die politische Führung nicht auf Kandidaten für die Ämter einigen konnte. Der Schiite Maliki hatte unlängst gedroht, sollten sich die Fraktionen nicht einigen, werde er seine eigenen Kandidaten auf die Posten setzen.

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