Kritik nach Beleidigung eines Messebesuchers
Sarkozy gibt „kein Vorbild" ab

So kommt Frankreichs Präsident wohl nicht aus dem Umfragetief heraus: Zwei Wochen vor den Kommunalwahlen ist Nicolas Sarkozy wegen der Beleidigung eines Messebesuchers erneut in die Kritik geraten. Zudem gibt es neue Spekulationen über Zwist zwischen Sarkozy und Kanzlerin Merkel.

HB PARIS. napp zwei Wochen vor den Kommunalwahlen ist Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wegen eines ruppigen Wortgefechts mit einem Messebesucher unter Beschuss geraten. „Ich glaube, es gibt einen gewissen Stil, von dem sich ein Präsident nicht lossagen darf“, sagte der ehemalige Justizminister Robert Badinter am Montag dem Radiosender France Info. „Es ist unerträglich, dass der Präsident kein Vorbild abgibt“, sagte Sozialisten-Chef François Hollande dem Fernsehsender Canal+. Sarkozy hatte am Samstag einen Messebesucher, der ihm nicht die Hand geben wollte, als „armen Deppen“ beschimpft, der „abhauen“ solle.

Die Zeitung „Le Parisien“ hatte am späten Abend ein Video des Wortgefechts ins Internet gestellt. Die Affäre bringt den wegen schlechter Umfragewerte angeschlagenen Präsidenten weiter unter Druck. „Die Menschen können das Gefühl bekommen, dass es ... alle Franzosen sind, die der Präsident beschimpft“, sagte der Politologe Dominique Reynié dem „Parisien“. Dagegen verteidigte Arbeitsminister Xavier Bertrand den Staatschef. „Der Präsident lässt sich nicht beleidigen“, sagte er dem Fernsehsender BFM.

Der frühere Premierminister und enge Wegbegleiter Sarkozys, Jean-Pierre Raffarin, rief angesichts der Lage das konservative Regierungslager zur Geschlossenheit auf. Sarkozy kümmere sich nun einmal um alle Themengebiete, sagte Raffarin. „Er wird das Tempo nicht drosseln, darum muss man ihn gar nicht erst bitten“, sagte er. „Aber wir alle, die UMP, die Regierung, der Premier, die Minister, wir müssen den Präsidenten schützen.“

Indes mehren sich Spekulationen, dass es im deutsch-französischen Verhältnis knirscht. Das für den morgigen Dienstag geplante Treffen von Finanzminister Peer Steinbrück und seiner französischen Amtskollegin Christine Lagarde ist überraschend abgesagt worden. Einen Grund für die Absage konnte die Bundesregierung am Montag nicht nennen. Es gebe aber keinen übergeordneten Zusammenhang, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm lediglich.

Er war bereits am Wochenende dem Eindruck entgegengetreten, dass zwischen Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Funkstille herrsche. Zuvor hatte schon die Verschiebung des so genannten Blaesheim-Treffens zwischen Merkel und Sarkozy für Spekulationen gesorgt. Offiziell wurden terminliche Schwierigkeiten von Sarkozy als Grund genannt.

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