Kritik von De Maizière an Karsai
„Sicherheitslage ist nicht so gut wie erhofft“

Allmählich werden die Verbündeten Afghanistans etwas ungeduldig. Sie wollen rasch Klarheit darüber, ob Kabul nach 2014 noch internationale Soldaten im Land wünscht. Und sie sind verärgert über Präsident Karsai.
  • 2

BrüsselDer amtierende Bundesverteidigungsminister Thomas De Maizière hat am Mittwoch den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai wegen einer abfälligen Bemerkung über den internationalen Militäreinsatz in Afghanistan kritisiert. Zugleich räumte der Minister in Brüssel ein, die Sicherheitslage in Afghanistan sei nicht so gut wie erhofft. Deutschland warte „dringend“ auf Entscheidungen Afghanistans und der USA, um über die Zahl der von 2015 an in Afghanistan eingesetzten Soldaten zu entscheiden. Der Nato-Kampfeinsatz in Afghanistan läuft Ende 2014 aus.

Karsai hatte Anfang Oktober gesagt, der Einsatz der Afghanistan-Schutztruppe Isaf habe seinem Land „viel Leid gebracht, den Verlust zahlreicher Leben und keine Vorteile, denn das Land ist nicht sicher“. De Maizière sagte dazu am Mittwoch in Brüssel am Rande von Nato-Beratungen über den künftigen Einsatz in Afghanistan: „Diese spezielle Äußerung hat mich befremdet.“ Er ergänzte: „Die Äußerung entspricht nicht dem, was die afghanische Bevölkerung jeden Tag sagt.“

„Die Sicherheitslage (in Afghanistan) ist nicht so gut wie wir sie für dieses Jahr erhofft haben, nicht so schlecht wie sie oft beschrieben wird“, sagte der Minister. Armee und Polizei müssten die Zeit bis zum Abzug der Isaf-Kampftruppen Ende 2014 nutzen, um die Sicherheitslage zu verbessern. Am Nato-Treffen nahm auch der afghanische Verteidigungsminister Bismillah Khan Mohammadi teil.

De Maizière sagte, er hoffe, dass die USA nach Zustimmung der Loja Dschirga, also der Großen Ratsversammlung, bis November mit Kabul ein Abkommen über den rechtlichen Status der von 2015 an in Afghanistan stationierten Ausbilder abschließen können. Dies werde auch ein ähnliches Abkommen über den Status der anderen Nato-Nationen (Status of Forces Agreement/Sofa) ermöglichen. Nachdem dann die USA über die Zahl ihrer Truppen entschieden haben, könne auch die deutsche Regierung entscheiden, wie viele Soldaten sie dann im Norden Afghanistans noch stationieren wolle.

Ohne ein solches Abkommen könne es nach 2014 keine deutschen Soldaten mehr in Afghanistan geben: „Wenn es dazu (zum Abkommen) kommt, dann sind wir gerne bereit, unser Angebot aufrechtzuerhalten. Und wenn nicht, dann nicht.“ De Maizière sagte: „Wir machen hier also die denkbaren Entscheidungen schubladenfertig, damit sie dann auch rasch entsprechend umgesetzt werden können - oder auch nicht.“

„Die Zeichen stehen gut, dass es bei den Verhandlungen zwischen den Amerikanern und den Afghanen gute Fortschritte gibt“, sagte der britische Verteidigungsminister Philip Hammond. „Natürlich hätten wir das gerne früher gehabt, aber ich denke, alle Staaten verstehen, dass wir erst einmal dieses Abkommen brauchen.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Kritik von De Maizière an Karsai: „Sicherheitslage ist nicht so gut wie erhofft“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Westen hat diesen korrupten Vasallen doch selber installiert, was soll das Geheul jetzt ?

  • Afghanistan hat 30 Mio Einwohner. Deutschland hat für diesen total unsinnigen Einsatz gut 17.000.000.000 Euro ausgegeben die USA gut 84 Milliarden USD, die Nato und die ganze westliche Welt zusammen geschätzte 150 Milliarden Euro das entspricht 5.000 Euro pro Einwohner. Davon reich geworden sind 30 Warlords die hunderte von Millionen zur Seite gebracht haben, der Präsident Karsai mit US Pass war vorher schon reich, jetzt ist seine Familie noch reicher. Und nun beklagt er sich. Warum muß der Westen sich immer in islamischen Ländern einmischen wo es nichts zu holen gibt außer Hass und noch mehr Krieg? Hätten wir nicht von den Russen lernen können, daß dieses Land nicht beherrschbar ist, daß es dieses Land auch nicht verdient hat gerettet ( wovor ? ) zu werden? Wer sich in Afghanistan umsieht sieht immer noch ganz überwiegend völlig verschleierte Frauen rumlaufen, war es das wert? In vielen muslimischen Ländern machen junge Männer schon seit mindestens 35 Jahren nichts anderes als "kämpfen" für die gerechte Sache, im Namen Alah´s gegen einander ( Sunniten gegen Schiiten, gegen Alawiten gegen ... jeder gegen jeden und alle gemeinsam gegen die Christen die so dumm sind da auch noch helfen zu wollen und versuchen Partei zu ergreifen ( hoffentlich die richtige Partei ? ). In Ländern in denen archaische Stammesstrukturen herrschen, alte impotente Geistliche das Sagen haben, eine Kuh mehr wert ist als eine Frau, die Jungfräulichkeit einer Frau mehr wert ist als die Frau an sich, in der die Mehrheit der Männer die Scharia will und die Vielweiberei, in diesen Ländern sollten wir allenfalls Urlaub machen, aber niemals bewaffnet deren heiligen Boden betreten, denn das wird immer mit dem Tode bestraft. Diese Länder müssen erst eine Aufklärung durchlaufen wie Europa in den letzten 200 Jahren, dann können wir helfen, vorher nicht. Erst wenn sich diese Gesellschaften von der Religion als übergeordnete Macht gelöst haben, haben sie eine Chance, sind sie reif für Demokratie und Leben

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%