Kritik von Richard Clarke hat Gewicht
Terrorexperte greift Bush frontal an

Richard Clarke ist nie der erste, der ans Mikrofon tritt. Der 53jährige Terrorismusexperte diente unter vier US-Präsidenten und hielt sich dabei stets im Hintergrund. Die Schlagzeilen überließ er bis vor kurzem den politischen Köpfen der Regierung. Der blasse Karriere-Bürokrat war zuständig für die Details – sei es für die US-Interventionen in Somalia und Haiti oder für den Kampf gegen Osama bin Laden.

tor NEW YORK. Doch mit seinem Buch „Gegen alle Feinde“ und seinem Auftritt am Mittwoch vor der Untersuchungskommission zu den Terroranschlägen vom 11. September ist er aus dem Schatten seiner Präsidenten herausgetreten. Clarkes Angriffe auf US-Präsident George W. Bush haben ihn zum Gesprächsthema Nummer eins in Washington gemacht.

Der Arbeitersohn aus Pennsylvania mit einem Studienabschluss des renommierten Massachusetts Instituts of Technology (MIT) hat sich in drei Jahrzehnten an die Spitze der Regierungsbürokratie in Washington hochgearbeitet. Er diente dabei stets in sensiblen Positionen: nationale Sicherheit, Internet-Kriminalität und Terrorabwehr waren seine Themen. Besessen, so Clarke in seinem Buch, war er jedoch von der Jagd auf bin Laden. Der weißhaarige Mann mit dem ovalen Gesicht galt parteiübergreifend als einer der härtesten Terroristen-Jäger. Sein Urteil und sein Rat hatten Gewicht. Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice beauftragte ihn Anfang 2001, eine umfassende Strategie zur Zerstörung der Terrorgruppe erarbeiten. Seine Vorschläge wurde eine Woche vor den Anschlägen am 11. September vom Weißen Haus angenommen. Clarke gilt als Überzeugungstäter, jemand der seine Ansichten mit Nachdruck vertritt. „Er ist eine Bulldogge von einem Bürokraten“, schreibt der ehemalige Sicherheitsberater unter Präsident Clinton, Anthony Lake, in seinen Erinnerungen.

Clarke ist ledig und in Washington als Workaholic bekannt. Als einer der wenigen war es ihm erlaubt, zur eigenen Sicherheit eine Waffe zu tragen. Mit seinem Vorwurf, Präsident Bush habe erst die Gefahr von El Kaida unterschätzt und dann den Kampf gegen den Terror für seinen Irak-Feldzug missbraucht, stach Clarke in ein politisches Wespennest. Denn seine Kritik unterminiert die Wahlkampfstrategie der Republikaner, Bush als erfolgreichen Kämpfer gegen den Terrorismus darzustellen.

Clarke ist zwar nicht der einzige und erste, der Bush auf diese Weise zu entzaubern versucht. Der ehemalige Finanzminister Paul O'Neill hat ähnliche Vorwürfe erhoben. Die Autorität Clarkes als anerkannter Terrorexperte gibt seiner Kritik jedoch besonderes Gewicht.

Das Weiße Haus reagiert auf die Angriffe denn auch mit einer breiten Gegenattacke. Bush selbst wies den Vorwurf zurück, er habe die Gefahr verkannt. Vizepräsident Dick Cheney sagte, dass eine Reihe von Terroranschlägen stattgefunden habe, als Clarke noch im Amt gewesen sei. Sicherheitsberaterin Rice kann sich nicht erinnern, dass sich der Terrorexperte jemals beschwert hätte. Clarkes Antwort darauf: „Sie werfen eine Menge Zeug auf mich. Aber sie widerlegen nicht meinen Hauptvorwurf."

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