Kritik zu Illner-Talk
Strauss-Kahn die Zweite - saftige Bonmots und wenig Fundiertes

„Ganz großes Kino“ sollte es werden, ganz kleines Fernsehen war es letztlich: Maybrit Illner und ihre Gäste widmeten sich erneut dem Fall Strauss-Kahn. Heraus kam ein Armutszeugnis für die Informationskompetenz des ZDF.
  • 20

BerlinVor sechs Wochen hatte Maybrit Illner in ihrer Talkshow bereits über die spektakuläre Verhaftung Dominique Strauss-Kahns in New York diskutiert. Donnerstagabend diskutierte sie unter dem Titel "Sex und mächtige Männer: Was verändert der Fall Strauss-Kahn?" über seine spektakuläre Freilassung. Es dauerte gut 20 Minuten, bis Peter Scholl-Latour die Fahrstuhl-Anekdote (in USA als Mann nie allein mit einer Frau in einen Fahrstuhl steigen...) zum Besten gab - den Dauerbrenner aller deutschen Dominique Strauss-Kahn-Diskussionen. Und schon damit bewies, um was für eine überflüssige Diskussionsrunde es sich da handelte.

In den besseren Momenten fassten Illners Gäste, vor allem die amerikanische Journalistin Heather De Lisle und ihre französische Kollegin Cécile Calla, zusammen, was jeder halbwegs regelmäßige Leser von Nachrichtenportalen oder Zeitungsleser schon wusste. In den schlechteren stachelte Illner, auf deren Prämisse, die New Yorker Staatsanwaltschaft habe sich "vor der ganzen Welt blamiert", niemand wirklich einsteigen wollte, ihre Gäste in mitunter geradezu unjournalistischen Nonsens-Fragen zum Spekulieren an.

An Scholl-Latour richtete sie die Frage: "Glauben Sie, dass er ein Opfer oder ein Täter ist?", den Fernsehregisseur Dieter Wedel fragte sie, ob Strauss-Kahn "in Ihren Augen ein hinterhältiger Schurke oder ein tragischer Held" ist. Was immer man sonst von Scholl-Latour und Wedel hält, es ehrt sie, dass sie nicht darauf eingingen. Ihren US-Gast De Lisle fragte Illner am Ende gar noch: "Was würde es in Washington auslösen, wenn Dominique Strauss-Kahn dort als französischer Präsident oder Wirtschaftsminister auftauchen würde?"

Ebenfalls in der Runde saß die "taz"-Chefredakteurin Ines Pohl, die zwar ankündigte, als Medienvertreterin nicht "zu schnell über etwas urteilen" zu wollen, sich aber doch an sämtlichen Spekulationen munter beteiligte - über "weitere Anzeigen" gegen Strauss-Kahn, die vielleicht ja noch kommen könnten, über die Ehe von ihm und seiner Frau Anne Sinclair und auch über die Liebes- und die wirtschaftliche Beziehung zwischen Hillary und Bill Clinton.

Die Stimme der Vernunft gehörte mal wieder dem eingeladenen Juristen, an diesem Abend dem "Hamburger Staranwalt" (Illner) Gerhard Strate. Der bezweifelte zum Beispiel, dass eine deutsche Staatsanwaltschaft in einem ähnlichen Fall besser reagiert hätte, und erinnerte an den O.J. Simpson-Prozess, der einst an einer marginalen Unwahrheit in einer Zeugenaussage gescheitert war. Ähnlich könnte es seiner Prognose nach im Fall Strauss-Kahn kommen. Doch sagte Strate auch: "Ich halte mich an das, was ich in der 'New York Times' gelesen habe" - und brachte damit das ansonsten unausgesprochene Kernproblem der Diskussionsrunde auf den Punkt: Solange die Wahrheit nur zwei Menschen kennen und auch in New York Justiz und Juristen noch danach suchen, kann sich, zumal in deutschen Talkshows, jeder nur an das halten, was er irgendwo gelesen hat.

Seite 1:

Strauss-Kahn die Zweite - saftige Bonmots und wenig Fundiertes

Seite 2:

Bonmots und unsägliche Einspielfilmchen

Kommentare zu " Kritik zu Illner-Talk: Strauss-Kahn die Zweite - saftige Bonmots und wenig Fundiertes"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Also ich glaube, selbst Tarzan hätte an Merkel keinen Spaß gehabt, der bevorzugte auch was Netteres

  • Hätte nicht einer der anwesenden Männer die in trauter Kaffeeklatschrunde
    bei Illner aufgelaufene (weibliche) Medienluderigkeit für die spezielle Phsyio-
    gnomie des männlichen Körpers etwas feinfühliger sensibilisieren können,
    etwa:

    "Wenn der 'Druck' [Originalzitat Illner] im Rohr zu groß wird, muß man(n)
    halt abspritzen!"

    Welcher nicht unerhebliche Erkenntnisgewinn für die einschlägig debilisierte
    ZDF-Öffentlichkeit hätte auf Illner's Konto verbucht werden können:
    Der kleine Dietmar, der übrigens persönlich anwesend war (s. u.),
    wedelt sich bisweilen verstohlen einen von der Palme, während
    Dominik der Große bei ordentlich Überdruck auf der Leitung standes-
    gemäß freudig erregt aus dem Badezimmer herausgespritzt kommt;
    was dem einen sein Schmid, ist eben dem anderen sein Schmidtchen...

    Wieso hat der Dödelt nicht wenigstens zwischendurch mal seinen Wedel
    zünftig auf den Tisch gepackt und zur allgemeinen Belustigung satt glatt-
    gezogen?!

    Wenigstens hat Kongomüller die deutsch-französische Manneszucht-
    ehre in den letzten 2 Minuten der Diskussion dann doch noch gerettet!

  • ....Frau Illner kann und sollte bald den Koffer packen. Zum Ersten.... ist es unerträglich, wie Illner und auch Will den Diskussionsteilnehmern ständig ins Wort fällt. Zeugt dieses Verhalten von Unsicherheit, Inkompetenz dummes Imponiergehabe.Und wenn sie sich schon an so brisante Themen wie DSK heranwagt, ist sie nicht in der Lage eine fundierte Diskussionsleiterin zu sein.
    Beide Frauen müssen ihren Hut nehmen. Und man sollte diese Sendung generell einstellen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%