Kroatien
Der neue Präsident wird bei Stichwahl ermittelt

Die Entscheidung über den nächsten kroatischen Präsidenten fällt am 10. Januar in einer Stichwahl. Bei der ersten Runde der Präsidentenwahl am Sonntag kam keiner der Kandidaten über 50 Prozent.
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WIEN. Kroatiens neuer Staatspräsident wird wieder aus dem sozialdemokratischen Lager kommen. Im ersten Wahlgang am Sonntag haben sich der Sozialdemokrat Ivo Josipovic (32 Prozent) und sein Konkurrent Milan Bandic (14 Prozent) für die Stichwahl am übernächsten Sonntag qualifiziert. Enttäuschend verlief die Wahl für Ministerpräsidentin Jadranka Kosor und die konservative Regierungspartei HDZ, die keinen ihrer Bewerber in den zweiten Wahlgang bringen konnten. Der bisherige Staatspräsident Stipe Mesic, ebenfalls Sozialdemokrat, durfte nach zwei Amtsperioden nicht mehr kandidieren. Politische Beobachter in Zagreb streiten nun darüber, welcher der beiden Kandidaten bei der Stichwahl die Nase vorn haben wird. „Josipovic geht mit etwas Vorsprung in die zweite Runde“, kommentierte Erste-Bank-Analyst Alen Kovac das Wahlergebnis. Der Zagreber Bürgermeister Bandic besitze allerdings die Chance, in den nächsten Tagen noch aufzuholen. Ausschlaggebend für den Wahlausgang wird vor allem sein, für welchen Bewerber sich das konservative Lager entscheidet. Premierministerin Kosor sprach sich dafür aus, dass die Regierungspartei HDZ keine Wahlempfehlung ausgeben wird. „Für uns ist kein geeigneter Kandidat dabei“, sagte sie nach einer Sitzung des Parteipräsidiums in Zagreb.

Für die oppositionelle sozialdemokratische SDP steht viel auf dem Spiel. Ihr offizieller Kandidat ist der bisherige Jura-Professor Josipovic (52), der politisch bislang keine allzu große Rolle gespielt hat. Der Zagreber Bürgermeister Bandic (54) hat gegen den Widerstand der eigenen Parteiführung kandidiert und war dafür von der SDP ausgeschlossen worden. Sollte sich Bandic bei der Stichwahl durchsetzen können, stünde die sozialdemokratische Parteiführung vor einer Zerreißprobe.

Ähnlich wie in Deutschland hat der Staatspräsident in Kroatien vor allem repräsentative Aufgaben und tritt als moralische Instanz auf. Kroatien leidet unter der vor allem auch in der Politik verbreiteten Korruption. Präsidentenbewerber Josipovic kommt nicht aus dem Polit-Establishment und gilt deshalb gerade in Sachen Korruption als unbelastet. Bandic ist im Unterschied dazu viel eher ein Vertreter der alten politischen Elite. Das könnte am Ende ausschlaggebend für die Wahl Josipovic' sein. Die EU hat zur Voraussetzung der Aufnahme Kroatiens gemacht, dass das Land sein massives Korruptionsproblem schnell in den Griff bekommt.

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