Kroatien ist 28. EU-Mitglied
Fröhlich, aber arm

Statt starker Staaten holt sich die Europäische Union einen weiteren Problemkandidaten ins Haus. Hilfen in Milliardenhöhe werden nach Kroatien fließen müssen. Damit verteilt die EU noch mehr Geld von West nach Ost.
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DüsseldorfMehr als zehn Jahre haben die Kroaten um den EU-Beitritt gerungen, nun ist es soweit: Der kleine Adria-Staat mit gerade einmal 4,4 Millionen Einwohnern ist das 28. Mitgliedsland der Europäischen Union. Politisch gesehen gilt die Aufnahme als Erfolg, aber aus ökonomischer Sicht holt sich die EU einen weiteren Problemkandidaten ins Haus. Die EU scheint nur noch attraktiv zu sein für ärmere Länder aus Osteuropa, weil sie mit Unterstützungszahlungen in Milliardenhöhe rechnen können. Länder wie die Schweiz, eine starke Volkswirtschaft im Herzen Europas, zeigen der Union dagegen die kalte Schulter.

Für das gesamte frühere Jugoslawien ist der Beitritt der Kroaten ein wichtiges Signal: Mit der EU und dem Westbalkan geht also doch etwas. Aus Ex-Jugoslawien hatte bislang nur Slowenien die Aufnahme in die Union geschafft. Seit dem Jahr 2004, dem Beitritt Sloweniens, herrschte Funkstille auf dem Westbalkan. Ländern wie Kroatien und Serbien, eigentlich naheliegende Mitgliedskandidaten der EU, war der Beitritt wegen der Folgen des jugoslawischen Bürgerkriegs über Jahre versperrt.

Nun also hat es Kroatien doch geschafft. Während des zehn Jahre dauernden Aufnahmeverfahrens hat sich das Land europäischen Standards angepasst. Besonders die Rechtsnormen, wichtig für Investoren, erfüllen immer stärker westliche Niveaus. Mit der Aufnahme von Kroatien unterstreicht die Europäische Union, dass sie Ex-Jugoslawien doch nicht aus den Augen verloren hat.

Natürlich wachsen die Begehrlichkeiten jetzt bei den kroatischen Nachbarn. Serbien wäre der nächste logische Kandidat für einen EU-Beitritt. Zumal die Serben wichtige Konfliktpunkte mit der EU wie etwa die Auslieferung von Kriegsverbrechern aus dem Weg geräumt haben. Offiziell werden die Beitrittsverhandlungen mit Serbien im nächsten Jahr beginnen. Natürlich soll der Beitritt dann in den nächsten fünf bis zehn Jahren beschlossene Sache sein. Sollte Serbien den Mitgliedsstatus bekommen, dann wollen ihn natürlich auch Mazedonien und Montenegro, die kleineren jugoslawischen Nachfolgestaaten.

Die entscheidende Frage wird allerdings sein, ob die EU bei der Neuaufnahme weiterer Länder etwas länger Pause machen wird. Die Probleme in der Euro-Zone und die wachsenden politischen Spannungen innerhalb der Union gerade im Zusammenhang mit Großbritannien könnten den Erweiterungsprozess für einen unbegrenzten Zeitraum anhalten. Die EU hat schon genug eigene Probleme, die sie erst einmal bewältigen muss. Weitere Länder können da nur stören. Besonders dann, wenn sie wieder nur neue Probleme in die Union hineintragen.

Kroatien ist jedoch ein Problemfall aus ökonomischer Sicht. Kaum ein anderes Land in Europa musste eine solch dramatische Durststrecke hinter sich bringen. Seit fünf Jahren steckt das kleine Land fest in der Rezession, seit 2008 ist die nationale Wirtschaftsleistung um elf Prozent eingebrochen. Während es in anderen Ländern Osteuropas zumindest in ein oder zwei Jahren seit dem Beginn der Finanzkrise eine Gegenbewegung mit Wachstum gegeben hat, ist es in Kroatien ununterbrochen weiter nach unten gegangen.

Auch 2013 sieht es unverändert düster aus, das Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr nach ersten vorläufigen Prognosen um 0,5 Prozent schrumpfen.

Kommentare zu " Kroatien ist 28. EU-Mitglied: Fröhlich, aber arm"

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  • Werter Herr Verfasser, man kann es sich natürlich leicht machen und einfach in das gleiche Horn blasen wie 90% aller deutschen Medien und 95% aller Leserkommentare und verkünden, dass Kroatiens EU-Beitritt auf gut deutsch Schei*e ist. Das ist wirklich bewundernswert mutig polemisierend. Großes Wow.
    Dass Sie anprangern wollen, „wie unter dem Deckmantel der EU sich einige wenige korrupte Politiker und Großindustrielle die Taschen füllen werden“, davon steht in ihrem Artikel kein Wort. Das nur so nebenbei.
    Die Reportage auf Phoenix kam übrigens direkt im Anschluss an den Tatort, deswegen konnte ich mir beides angucken. Allerdings brauchte ich diese nicht, um mir zu verdeutlichen wie lange die Tourismussaison in Kroatien dauert. Ich denke, ich bin oft genug zw. September und April dort gewesen, um das beurteilen zu können.
    Stichwort „dort gewesen“: Hier mal ein Artikel, der in einem angemessenen, nicht hetzerisch-populistischen Ton über den kroatischen EU-Beitritt berichtet:
    http://www.fr-online.de/meinung/kroatien-in-der-eu-kroatien-durfte-nicht-laenger-draussen-bleiben,1472602,23551360.html
    So kann ein Bericht aussehen, wenn man Land, Leute und Kultur kennt. Wenn man sich vor Ort Erfahrungen einholt. Reportagen auf Nachrichtensendern und Rumgesurfe auf IMF-Datenbanken sind keine Grundlage für guten Journalismus.
    Und nochmals in Zeitlupe… Griechenland hat jahrelang falsche Bilanzen abgegeben und eine Verschuldung von 350 Mrd Euro. Zumindest dieser Fehler wird der EU nicht noch mal passieren. Zypern hat einen völlig überladenen Finanzsektor im Verhältnis zur Landesgröße. Außerdem: Stichwort „Eurozone“. Bitte lesen sie sorgfältiger die Leser-Kommentare.
    Slowenien hätte sich ab 2008/2009 mehr auf sich selbst konzentrieren sollen. Stattdessen hat es Kroatiens Beitritt jahrelang wegen „10 m2“ Meeresfläche blockiert und rutschte in populistische Fahrwasser. Heute ist es so weit, dass selbst kroatische Firmen (!) slowenische aufkaufen…

  • "6,3 Milliarden Euro – das ist das Budget des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) für 2012." Klingt nach sehr viel, beide Posten (Entwicklungshilfe + EU) zusammen sind aber nicht einmal 1% des BIP. Alle wohlhabenden Laender haben nun einmal eine gewisse soziale Verpflichtung, arme Laender zu unterstuetzen, das hat, im Erfolgsfall, auch fuer D langfristig positive Auswirkungen. Jedenfalls gebe ich lieber 1 EUR meinen europaeischen Nachbarn als 50 Cent fuer Entwicklungshilfe, die wirklich absolut nichts bringt (jahrzehntelang wurde da z.B. viel Geld in Afrika versenckt, Erfolg = 0)...

  • Vielleicht hat die "rechte" Leserschaft - und ich bin sehr rechts- ja recht mit ihrer Ablehnung des Euros.

    Vielleicht verrät die politische Linke mit ihrem Eintreten für das neoliberale Projekt EU und für das Großkapital-Projekt EURO ja die Interessen der Arbeiterschaft und der unteren Schichten, die die Linke repräsentieren will. (Oder vertritt die Linke auch offiziell jetzt einzig und allein die Interessen und Wünsche von Muslimen und sonstigen "nicht-europäischen Zuwanderern" , was sie inoffiziell ohnehin längst tut)

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