Kuba
Castros Kapitalismus-Injektion

„Wir müssen uns ändern oder wir gehen unter“: Kubas Staatschef Raúl Castros hat den Willen zu Reformen bekräftigt. Sie sollen das Land aus der schlimmen Wirtschaftskrise führen.
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MEXIKO-STADT. Der kubanische Staatschef Raúl Castro hat die jüngsten Wirtschaftsreformen nochmals in drastischer Weise verteidigt und sie als die einzig mögliche Rettung seines Landes bezeichnet: „Entweder wir ändern uns oder wir gehen unter“, sagte er am Sonnabend in Havanna zum Ende der halbjährigen Sitzungsperiode der Nationalversammlung.

Kuba müsse umgehend die „Fehler“ von einem halben Jahrhundert Sozialismus korrigieren. „Wir tanzen schon zu lange am Abgrund“. Seine Regierung wolle zwar den Sozialismus schützen, aber dafür müsse das System nach Worten des Bruders von Fidel Castro überholt werden. Die Zukunft der Insel liegt nach der neuen Doktrin in einer gemischten Ökonomie mit mehr Privatinitiative und einer deutlich geringeren Rolle des Staates in der Wirtschaft.

Die kubanische Führung hatte vor Monaten angekündigt, 2011 eine halbe Million Arbeiter aus den staatlichen Betrieben zu entlassen und gleichzeitig in 178 Berufszweigen privates Wirtschaften zuzulassen und zu fördern. Vor allem Obst und Gemüse soll künftig auf Privatinitiative angebaut werden. Auch Dienstleistungsbranchen wie das Frisörbusiness sollen entstaatlicht werden.

Zudem werden nach und nach staatliche Zuschüsse und Gratisleistungen in vielen Bereichen des Lebens gekürzt und abgeschafft. So soll auch die „Libreta“, das staatliche Bezugsheft weichen, das eine Grundversorgung mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs sicherstellen soll. Die Veränderungen seien notwendig, um die Produktivität zu steigern, sagte Castro. Sie sollen auch beim sechsten Kongress der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) im Mittelpunkt stehen, der vom 16. bis 19. April abgehalten wird.

Castros Rede vor den 610 Abgeordneten war die härteste in den vergangenen Monaten. Es gehe darum, fehlerhafte Konzepte und Vorstellungen vom Sozialismus auszumerzen, die tief in der Bevölkerung verankert seien. „Sie sind Folge des exzessiven Anspruchs des Staates, für alle Bereiche der sozialen Gerechtigkeit verantwortlich zu sein.“

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  • Kuba wird für China interessant wenn die Kubaner
    ein System China einführen wollen. Ob den Amerikaner das schmecken wird, vermutlich nicht. Ansonsten sollte Amerika.. Kuba nicht mehr weiter verstossen sondern die Hand zur Versöhnung reichen. Aber auch Deutschland könnte auf der insel fuss fassen.

  • Na?

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