Kuba
Fidel Castro gibt Amtsgeschäfte zeitweise ab

Zum ersten Mal seit seiner Machtübernahme 1959 hat der kubanische Staats- und Parteichef Fidel Castro die Amtsgeschäfte abgegeben. Er will sich operieren lassen und danach auf die politische Bühne zurückkehren. Doch die Hoffnung vieler Kubaner auf politische Reformen dürfte enttäuscht werden: Das Ruder übernimmt ein noch radikalerer Verwandter.

HB HAVANNA. In einem im Fernsehen verlesenen Brief teilte Fidel Castro seinen Landsleuten mit, dass er wegen großen Stresses Magen-Darmblutungen gehabt habe, derentwegen er sich „eines komplizierten chirurgischen Eingriffs“ habe unterziehen müssen. „Die Operation zwingt mich, mehrere Wochen zu ruhen“, schrieb Castro, der am 13. August 80 Jahre alt wird. Castro bat darum, die Feiern zu seinem Geburtstag auf den 2. Dezember zu verschieben, dem 50-jährigen Jubiläum der Revolutionären Streitkräfte.

Castro betonte, die Übertragung der Macht an seinen 75 Jahre alten Bruder Raul sei nur vorübergehend. Der 75-jährige Raul Castro ist Verteidigungsminister und in den vergangenen Wochen mehr als früher in der Öffentlichkeit aufgetreten. Raul Castro wird dem Schreiben zufolge kommissarisch sowohl das Präsidentenamt als auch das des Ersten Sekretärs der Kommunistischen Partei ausüben. Von ihm gab es zunächst keine öffentliche Erklärung zu dem vorübergehenden Machtwechsel. Fidel Castros Brief wurde von seinem Sekretär Carlos Valenciaga im Fernsehen verlesen.

Ausländische Journalisten auf Kuba berichten, die Nachricht von der Erkrankung Fidel Castros habe die Menschen in Havanna und anderen Städten auf der Insel sichtlich getroffen. Viele seien am späten Abend (Ortszeit) nach Hause gelaufen, um die Nachrichten im Fernsehen zu verfolgen. In den USA wurde die Nachricht dagegen von vielen Exil-Kubanern gefeiert. Fernsehbilder aus den Straßen „Little Havannas“ in Miami, einer Hochburg der Exil-Kubaner im US-Bundesstaat Florida, zeigten am späten Montagabend (Ortszeit) ausgelassene Menschen, die Fahnen schwenkten und Autohupen ertönen ließen.

Raul Castro gilt als weniger charismatisch, dafür aber erheblich radikaler als sein fünf Jahre älterer Bruder. Seit Fidel Castros Amtsantritt vor 47 Jahren ist der Bruder der vom Staats- und Parteichef persönlich erkorene Nachfolger. Dass Raul nun zumindest vorübergehend das Ruder übernimmt, ist von der Verfassung gedeckt: Als erster Vizepräsident des Staatsrats übernimmt Raul Castro für den Fall von „Abwesenheit, Krankheit oder Tod“ die Amtsgeschäfte des Staatschefs.

Seit 1959 steht Raul Castro hinter seinem Bruder in der zweiten Reihe, gilt aber als einflussreich. Bei seiner Ernennung zu seinem Stellvertreter sagte Fidel Castro drei Wochen nach dem Sieg der Revolution am 1. Januar 1959: „Hinter mir sind andere, die radikaler sind als ich.“ Auf einem Parteitag im Oktober 1997 bestimmte er seinen Bruder offiziell zu seinem Nachfolger und erklärte: „Raul ist jünger, energischer als ich. Er kann auf mehr Zeit zählen.“

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