Kubanischer Staatschef
Fidel Castro denkt an Abschied

Seit über einem Jahr ist er nicht mehr öffentlich aufgetreten. Jetzt spricht Fidel Castro zum ersten Mal vom Abschied als kubanischer Staatschef. Ganz zurückziehen aus der Politik will er sich jedoch nicht.

HB HAVANNA. „Meine natürliche Pflicht ist nicht, an Ämtern festzuhalten – und noch weniger, den Weg jüngerer Menschen zu behindern“, hieß es in einem Brief des 81-Jährigen, der am Montag im staatlichen Fernsehen des kommunistischen Landes verlesen wurde. Stattdessen könne er künftig anderweitig seine Erfahrungen und Ideen einbringen – womit der Staats- und Parteichef eine Rolle als Ratgeber ohne hohes Amt andeutete. Castro hatte 1959 in einem Bürgerkrieg den von den USA unterstützten Diktator Fulgencio Batista gestürzt.

Die überraschende Erklärung Castro erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem die Weichen für die künftige Regierung auf der Karibikinsel gestellt werden. Derzeit laufen die Vorbereitungen zur Bestimmung der künftigen Regierung, die aus den Reihen der Nationalversammlung hervorgeht. Diese wird am 20. Januar nächsten Jahres gewählt. Fidel Castro wurde Anfang Dezember als Kandidat aufgestellt, was sofort Gerüchte aufkommen ließ, denen zufolge der kranke Staatsführer am Ende doch noch an die Staatsspitze zurückkehren könnte.

Das galt unter Beobachtern und Kennern der Lage in Kuba jedoch als unwahrscheinlich. Im Sommer 2006 unterzog sich Castro einer Darmoperation und übertrug die Amtsgeschäfte an seinen wenige Jahre jüngeren Bruder Raul. Fidel ist seitdem nicht mehr direkt in der Öffentlichkeit aufgetreten. Er hat sich aber wiederholt mit Zeitungsartikeln zur Innen- und Außenpolitik geäußert und war in Fernsehbeiträgen zu sehen. Über seine künftige politische Rolle hatte er sich bislang indes nicht geäußert.

Castro hatte Kuba nach dem Sturz des Diktators Fulgencio Batista 1959 in den Kommunismus geführt und 47 Jahre lang regiert. Nach der Machtübernahme hatte er Unternehmen aus den USA und von wohlhabenden Kubanern enteignet und später eine Allianz mit der Sowjetunion geschlossen. Die stationierte 1962 kurzzeitig Atomraketen auf Kuba und löste damit eine Krise mit den USA aus, die fast zu einem Krieg führte. Kuba wurde der westlichste Außenposten des Kommunismus – 145 Kilometer vor Florida.

Die Bilanz von Fidels Herrschaft ist zweischneidig. So sank die Analphabetenquote unter seiner Führung drastisch und selbst entlegene Dörfer werden kostenlos durch ein vorbildliches Gesundheitssystem versorgt. Die Meinungsfreiheit ist indes stark eingeschränkt. Wer das System grundsätzlich in Frage stellt, muss mit Repressalien rechnen. Human Rights Watch meldete für 2005 unter Berufung auf örtliche Menschenrechtsgruppen mehr als 300 politische Häftlinge. Zudem sind Lebensmittel rationiert, viele Häuser verfallen und in großen Teilen des Landes fällt häufig der Strom aus.

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