Kult-Video über US-Notenbank: Ben Bernankes witzigster Kritiker im Interview

Kult-Video über US-Notenbank
Ben Bernankes witzigster Kritiker im Interview

Omid Malekan ist Autor und Produzent des Videos "Quantitative Easing Explained", in dem er die US-Notenbank Fed aufs Korn nimmt und die laxe Geldpolitik kritisiert. Das Handelsblatt sprach mit ihm über sein Video, den politischen Zuspruch und seine Empfehlungen an Ben Bernanke.
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Handelsblatt: Herr Malekan, was ist das für ein Mensch, der Millionen Menschen dazu bringt sich freiwillig ein Video zu dem drögen Thema quantitative Lockerung anzusehen?

Malekan: Ein ganz normaler. Ich manage Gebäude und Grundstücke in New York und wohne in einer Vorstadt. Bis letztes Jahr war ich Futures-Händler und habe Kundenportfolien gemanagt. Aber das ist in der Finanzkrise zu schwierig geworden.

Ist ihr Video also ein Kommentar zur Finanzkrise?

Nicht direkt. Mir ging es darum, über dieses wichtige Thema auf zugängliche und unterhaltsame zu informieren und dabei zu unterhalten. Ich bekam die Idee, weil mich mehrere meiner Freunde ohne ökonomischen Hintergrund gebeten haben, ihnen zu erklären, was die Federal Reserve da tut.

Die Kommentierung ihres Videos durch die Fans ist sehr politisch. Stehen Sie selbst den Demokraten oder den Republikanern näher?

Weder noch. Ich stimme den Demokraten in manchen Bereichen zu, in anderen den Republikanern. Eine meiner größten Frustrationen ist, dass es in Sachen Wirtschaftspolitik derzeit keine großen Unterschiede mehr zwischen den beiden großen Parteien in Amerika gibt. So wurde die aktivistische Politik der Federal Reserve unter Alan Greenspan und Ben Bernanke von beiden Parteien gleichermaßen unterstützt. Bernanke wurde von Präsident Bush ernannt und von Präsident Obama in eine zweite Amtszeit berufen.

Von welcher Seite des politischen Spektrums kommt mehr Zuspruch beziehungsweise Kritik?

Schwer zu sagen. Rechte ebenso wie Linke haben mir gesagt, dass ihnen mein Video gefällt. Ich habe den Eindruck, dass die Frustration, ja sogar die Empörung über die Politik der Federal Reserve unter den Amerikanern gegenwärtig die Parteigrenzen sprengt.

Hat es Sie erstaunt, wie aggressiv viele der Online-Kommentare zu Ihrem Video sind?

Nicht wirklich. Geldpolitik hat bei den Leuten, die ich kenne, schon immer starke Gefühle ausgelöst, und derzeit gibt es viel Frust über die Wirtschaftspolitik.

Einige Kommentatoren kritisieren, dass sie sich über die Deflationsgefahr lustig machen. Wollen Sie wirklich sagen, dass die Deflation etwas Gutes ist, oder nur, dass die Preismessung verzerrt ist?

Nun, sogar gemäß dem offiziellen Verbraucherpreisindex haben wir in Amerika keine Deflation, wir haben niedrige Inflation. Aber meine eigene Erfahrung, und die von den meisten meiner Bekannten, von jedem Gang zum Supermarkt oder zur Tankstelle sagt mir, dass wir beträchtliche Inflation haben. In diesem Sinne denke ich, dass die Inflationsmessung verzerrt ist. Ja, es gibt Teile der Wirtschaft, die sich in Deflation befinden, wie Immobilienpreise oder Löhne. Aber nichts was die Fed in den letzten Jahren getan hat, hat diese Märkte erreicht. Stattdessen hat die quantitative Lockerung Preise etwa für Rohstoff-Futures nach oben getrieben. Die Preisspitzen dort aus den letzten Monaten werden sich garantiert im nächsten Jahr bei der Inflation niederschlagen oder aber die Gewinne der Unternehmen drücken. Beides ist schlecht für die wirtschaftliche Erholung und kostet Arbeitsplätze.

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